meines Falles ist die deutsche Rede über die lateinischen Könige gewesen , und in solchen Verhältnissen würde ich eine Hauptprüfung nimmer bestehen . Heinrich hat recht gehabt . » Gut , mein eigensinniger Herr , « ist der Bescheid des Edelmannes , » ich entlasse Sie . « Bei wem soll ich mich verabschieden ? Bei meinem jungen Zögling ? Bei der Jungfrau ? Herrgott , führe mich nicht in Versuchung ! Sie ist noch gar so jung . Sie hat mich freundlich und heiter entlassen . Ein Schlucker geht davon , ein gemachter Mann kehrt wieder zurück . Mehr Trotz als Mut ist in mir gewesen . Meine alte Muhme habe ich noch besucht . Jetzund , wie ich nicht mehr im feinen Frack , sondern in einem groben Zwilchrock vor ihr stehe und ihr meinen Entschluß sage , daß ich fort ginge , fort , vielleicht zur Rechten , vielleicht zur Linken hin - - da hat nicht viel gefehlt , daß ich wieder die ausdrucksvolle Bezeichnung bekomme . » Nein , « ruft sie , » nein , aber du bist ein - ein - recht absonderlicher Mensch ! Da ist er schier ein braver , rechtschaffener Mann gewesen , und jetzt - ach , geh ' mir weiter ! « Sie ist meine einzige Verwandte auf der Welt . Zu Heinrich bin ich endlich gegangen : » Ich danke dir zu tausendmal für deine Lieb ' , du getreuer Freund , wie tut es mir weh , daß ich sie dir nicht lohnen kann . Du weißt , was geschehen ist . Wie du mich hier siehst , so gehe ich davon . Habe ich etwas Bedeutendes vollbracht , so werde ich wiederkehren und dir vergelten . « Es ist mir nicht mehr erinnerlich , ob ich ihm von ihr auch noch was gesagt habe . Jung , sehr jung bin ich freilich gewesen , als ich meinen Fuß hab ' in die weite Welt gesetzt . Heinrich hat mich eine weite Strecke begleitet . Am Scheidewege hat er mich gezwungen , seine Barschaft anzunehmen . Brust an Brust haben wir uns ewige Treue gelobt , dann sind wir geschieden . O , Heinrich ! du goldgetreues Herz , du hast es gut mit mir gehalten . Und wie habe ich es dir gelohnt , mein Heinrich , mein Heinrich ! .... Die Sonne geht von Morgen gegen Abend ; sie hat mir meinen Weg gewiesen . » Ade , Welt , ich gehe nach Tirol ! « hab ich gesagt ; im Tirolerland tun sich jetzund die Leut ' zusammen gegen den Feind . Der Höllenmensch Bonaparte führt die Franzosen ein , will uns das Vaterland zertreten ganz und gar . Nach etlichen Tagen steig ' ich zu Innsbruck die Burgtreppen hinan . » Mit dem Andreas Hofer will ich reden ! « sag ' ich zum Torwart . » Wer wehrt dir ' s denn ! « sagt der und stößt seinen Spieß auf den Marmelstein , daß es gerade klingt . Ich geh ' durch der Zimmer dreie oder vier , eines vornehmer wie das andere ; große Spiegel an den Wänden , güldene Kronleuchter an den Decken , und gar der Fußboden glänzt , wo nicht bunte Webematten gebreitet sind , wie Glas und Edelholz . Bauernbursche gehen aus und ein , singen , pfeifen , poltern , rauchen Tabak und sind in Alpentracht von den derben Nägelschuhen bis hinauf zu dem spitzen Hahnenfederhut . Letztlich stehe ich in einer großen Stube ; sitzen ein paar bäuerliche Männer am Schreibtisch , ein paar andere stehen daneben , laden ihre großen Pfeifen mit Tabak , halten bayerische Geldnoten über eine brennende Kerze und zünden sich damit das Rauchzeug an . » Will mit dem Andreas Hofer sprechen , « sage ich . Sollt ' warten , heißt ' s , er tät gerad ' regieren . Ich stelle mich an . Allerhand Leute gehen aus und ein . Ein junges Menschenpaar ist mir noch im Kopf , das ist arg verzagt , wie es eintreten soll . » Daß sie uns gerad erwischt haben müssen ! « knirscht der Bursche der Maid zu , » desweg sag ' ich ja allemal : nur in keiner Hütten nit ! « » Ach , leider Gottes ! « sagt sie , » und jetzt setzen sie uns den Strohkranz auf oder tun uns was anderes an , daß wir uns nimmer haben können . Der Sandwirt ist so viel gestreng . « Sie werden vorgerufen . Da höre ich drinnen aufbegehren : » Luderei leid ' ich keine ! Wer seid ' s denn ? « - Der und die . - » Seid ' s nit etwan blutsverwandt ? « - » Ah , das nit . « - Habt ' s euch wirklich gern ? « » Freilich wohl . « - » Auf der Stell ' z ' sammheiraten ! « Ich habe meiner Tage nicht so viel lustige Gesichter gesehen , als die gewesen , womit das junge Menschenpaar jetzund ist heraus und davongelaufen . Die sind arm allzwei , und dennoch geht ' s so leicht . Nun komme ich daran . Da steht ein Mann in Hemdärmeln mit einem großmächtigen Vollbart auf : » Was willst denn ? « » Ich will zur Wehr gehen ! « Der bärtige Mann - es ist der Hofer über und über - schaut mich an und nicht allzu laut sagt er : » Bist gleichwohl noch recht jung . Hast Vater und Mutter ? « » Nimmermehr . « » Bist vom Land Tirol ? « » Nicht , aber gleich von der Nachbarschaft her . « » Wohl ein Studiosus ? Willst Geistlich werden ? « » Zur Wehr möcht ' ich gehen und fürs Vaterland streiten . « Nun greift er in den Ledergurt , zieht Silbergeld heraus , legt ' s auf den Tisch : Da , Bursche ,