, mit der Quehle im Ofenwinkel , eher einen Schritt weniger entgegen und machte ihre Reverenz eher eine Linie weniger tief , als jene Damen es taten , sobald sie in deren Prunkzimmern zur Gegenvisite empfangen ward , denn die reiche Amtmännin war gar nicht und die andere von neuerem Adel als die Freifrau von Reckenburg . Die Freifrau von Reckenburg erwiderte ohne Beschämung die genußwechselnden Gelage der Honoratiores alle Jahre nur ein einziges Mal mit einem Schälchen Kaffee , stark mit Mohrrüben versetzt , und der Rittmeister von Reckenburg stängelte die Bohnen seines Gartenbeets , unbekümmert , ob die Gäste des Nachbar Kellerwirts des häuslichen Treibens Zeuge waren . Der Rittmeister von Reckenburg , die kurze Tonpfeife im Mund und vor sich den irdenen Deckelkrug selbstgefüllten Dünnbiers , wenn er an langen Winterabenden die Äpfelschnitzel auf Fäden reihte , welche » sein Frauenzimmer « geschält hatte , ließ sich durch eine Meldung oder einen späten Besuch so wenig beirren , als wenn er seine Husaren im Parademarsch einem Generalissimus vorführte . Tut desgleichen mit der nämlichen Manier , und die zweiunddreißig oder gar vierundsechzig Quartiere der Reckenburger werden ein Sparren oder eine Seifenblase geworden sein . Zu meiner Zeit und in unserem Landstädtchen mit den Reliquien des erloschenen Herzogszweigs waren sie aber weder ein Sparren noch eine Seifenblase , sondern ein zuverlässiges Postamt , auf welchem man , auch in den Bewegungen nach unten hin , heute sich wohlgemut eine patriarchalische Mischung gestatten durfte und morgen ohne Ärgernis eine kastische Grenze zog . Nicht dem wohlhäbigsten Kaufmann oder Gewerbtreibenden würde es eingefallen sein , sich in die adlige Sozietät zu drängen , welche sich Donnerstags nachmittags in des Kellermeisters erpachtetem Schloßgarten versammelte . Nicht die freudenarmste und töchterreichste adlige Witib würde in der bürgerlichen Gesellschaft , die sich Montags unter den nämlichen Lauben ergötzte , eine frohe Stunde oder gar einen Freier für ihre Fräulein gesucht haben . Die bürgerlichen Honoratioren : Beamte , Prediger , Ärzte , gehörten zwar beiden Reunionen an , ohne jedoch eine Kette zwischen ihnen zu bilden und ohne von den Donnerstäglern anders als unvermeidliche Füllung betrachtet zu werden . Geschmack und Bildung waren wesentlich die nämlichen , und so konnte das Unterhaltungsmaterial Donnerstags wie Montags auch nur das nämliche sein . Die Herren kegelten , kannegießerten , spielten - meist mit deutschen - Karten und schlürften des Kellermeisters saures Landgewächs ; das schöne Geschlecht strickte , tunkte selbstgebackenes Kuchenwerk in einen dünnen Milchkaffee und glossierte ; die Montägler über die Donnerstägler und vice versa . An Winterabenden wurde von der Jugend im Pavillon Pfänder gespielt und gelegentlich getanzt . Dahingegen saßen wir in der Dämmerstunde aller übrigen Tage nicht abgesondert in unseren Gärten hinter dem Haus , sondern nachbarlich beieinander auf der Bank vor der Straßentür . Die Männer , bürgerlich und adlig , Militär und Zivil , spazierten schmauchend auf und nieder , die Frauen plauderten hinüber und herüber , riefen die Vorübergehenden an , rückten zusammen , prüften ihr gegenseitiges Gespinst oder Gestrick und ließen eine die andere von ihrem Abendbrot kosten , wobei denn nicht verhehlt werden soll , daß wir und unseresgleichen die saftigeren Bissen gekostet haben mögen . Auch gab es keine Schlachtschüssel , kein Festgebäck , keine Wein- und Obsternte bei dem Nachbar Kellermeister hüben und dem Nachbar Tuchmacher drüben , daß die gnädige Frau Rittmeisterin nicht honoris causa ein Pröbchen zum Schmecken erhalten hätte . Die gnädige Frau Rittmeisterin bedankte sich durch einen schönen Empfehl , rühmte auch gelegentlich die wohlschmeckende Darbietung , daß sie dieselbe aber von ihrer eigenen Schlachtschüssel oder von ihrem eigenen Christwecken erwidert hätte , wüßte ich nicht zu berichten . Unter derlei Anschauungen war ich in die Jahre gekommen , in welchen die Pflicht für einen standesmäßigen Unterricht ernsthaft in Betracht gezogen werden mußte . Da eine Französin , will sagen Gouvernante , mit der Ökonomie des Hauses sich nicht vertragen haben würde , hatte die fürsorgliche Mama bereits von der Wiege ab in dem Hauptstücke einer guten Edukation vorgebaut : sie sprach stets nur Französisch mit mir und lehrte mich in der Folge auch die Grammatik , die sie korrekter innehatte als die der Muttersprache . Für das , was außerdem zu lehren übrigblieb , wurde in meinem achten Jahre ein Hofmeister engagiert , brühwarm vom Seminar , sanft und zärtlich wie sein Name : Christlieb Taube . Sieben Jahre lang hat dieser Musterjüngling sich buchstäblich ausgerungen , um der ihm anvertrauten Schülerin auch nicht ein Tröpfchen des kürzlich eingesaugten edlen Stoffes vorzuenthalten ; er hat nebenbei im Bureau der Schwadron - zu » seiner Übung « - manche Korrektur und manchen Rechnungsplan ausgeführt , in welchen Obliegenheiten der Rittmeister von Reckenburg sich nicht immer als ein Held ohne Fehl erwies ; er hat - » zu seiner Unterhaltung « - den Hausgarten in seine Pflege genommen und auf der Terrasse eine Weinhütte angelegt , auch eigenhändig die weißen Wände seines Kämmerchens , zwischen dem der Magd und des Burschen Purzel , mit Gewinden von Rosen und Vergißmeinnicht ausgemalt ; er hat demnach Nutzen gestiftet und Schaden verhütet , wie so leicht kein zweiter für fünfundzwanzig Laubtaler Salär . Er hat mir späterhin einen Beweis der rührendsten Freundestreue gegeben und bei alledem noch kürzlich in seinem letzten Briefe » die Schüler- mehr denn Lehrerjahre in diesem humanen Edelhause als die glückseligsten in seinem glückseligen Leben « gerühmt . Dank und Ehre daher meinem glückseligen Hofmeister Christlieb Taube ! Da die Einseligkeit in der Schulstube von der Mama nicht für schicklich und von dem Papa für allzu langweilig erklärt worden war , hatte sich die Wahl einer Studiengenossin in Nachbar Kellermeisters Dörtchen , schon bisher meiner ausschließlichen Spielkameradin , von selbst ergeben . Es war dies auch eine von den erlaubten Herablassungen zu den unteren Ständen , da ja selbst an Fürstenhöfen ein » Prügelkind « gang und gäbe ist ; eine Herablassung , die in unserem Falle sich aber auch in gemütlicher Richtung empfahl . Denn die Kleine war eine