erblickte , ließ er die Frackschöße vom linken Arm fallen , setzte die Teetasse in die Fensterbank , ließ ein dumpfes Schnauben hören und kam seinem Gegner aus dem Ofenwinkel halbwegs entgegen . Das Rhinozeros schnob gleichfalls , und es entstand ein merkwürdiger Kampf über die Preiswürdigkeit einer Wollieferung ; aber das Resultat dieses Kampfes war ein ganz anderes , als die Naturgeschichte angibt . Der Elefant besiegte das Nashorn ganz und gar ; er vernichtete es vollständig , er trampelte es moralisch zu Boden , und wäre dem armen Hornträger nicht sein Hausfreund , ein besonnener Mann und Freund seiner Gattin , zu Hülfe gekommen , wer weiß , was daraus entstanden wäre . Dieser Hausfreund trug die Uniform eines Husarenrittmeisters , er schien sich vorzüglich und mit Glück auf die Kultur eines ungeheuern Schnurrbarts gelegt zu haben und sprach mit Bewußtsein , über dies haarige Ungetüm weg , durch die Nase . Sein Vetter , im Ministerium des Kultus angestellt , befand sich ebenfalls in der Gesellschaft , kultivierte aber hinter seinem Klapphut nichts weiter als sich selber in einem ununterbrochenen Gegähne . Ein Wirklicher Geheimer Rat von wohltuender Fülle der Erscheinung unterhielt sich mit einem unwirklichen , welchen man recht gut als ein Lesezeichen hätte in ein Buch legen können . Es befanden sich überhaupt viele Juristen in dieser Gesellschaft ; denn der Bankier hatte viel mit ihnen zu tun . Vollständig beherrschten sie jedoch das Gespräch nicht , obgleich sie es gern gemocht hätten . Auch ein sehr wohlgekleideter Dichter war zugegen , wurde aber , obgleich er sich durch nichts Außergewöhnliches auszeichnete , von dem anständigen und gottlob größern männlichen Teil der Gesellschaft mit mitleidiger Verachtung vermieden - omnes hi metuunt versus , odere poetas . Dieser Dichter hatte ein anerkannt vortreffliches Trauerspiel verfaßt , aber einen von der Regierung zur Beförderung der dramatischen Kunst ausgesetzten Preis von tausend Talern deshalb nicht erhalten , weil Shakespeare , Goethe und Schiller Besseres ihrerzeit geleistet hatten . Der Mann hatte an diesem Abend das Vergnügen , über die Billigkeit des Verfahrens und die Versunkenheit der Literatur mancherlei zu hören von einem nichtssagenden Herrn , welcher gestern durch eine Spekulation in Guano das Zwanzigfache des für das Drama ausgesetzten Preises verdient hatte . Harmlos und gelassen lächelnd , trug der Poet sein Mißgeschick und diese Unterhaltung ; höflich war er bereit , die Verbreitung der künstlichen Dungmittel sowie des Vogelmistes als den schlagendsten Beweis der fortschreitenden menschlichen Intelligenz anzusehen . Christliches Bankiertum mit jüdischer Legierung und jüdisches Bankiertum mit feudaler Betitelung war in der Wienandschen Gesellschaft , wie sich das von selbst verstand , am stärksten vertreten . Drei bis vier Stockbürokraten standen ebenso weitbeinig über ihrer engen Welt wie Julius Cäsar in Shakespeares Trauerspiel über der seinigen . Sie folgten jedoch zugleich äußerst ehrfurchtsvoll den Spuren einer Exzellenz , die sich in der Soiree befand . Obgleich es nur eine außer Kurs gesetzte war , so umgab sie doch ein achtungsvoller Kreis deutscher Männer auf Schritt und Tritt und horchte den seltenen Worten , die ihr entfielen , mit dienstergebenster Entzücktheit . Und doch gibt es vielleicht im Volksbewußtsein keinen Titel , der unangenehmer berührte als das abgeschmackte Wort » Exzellenz ! « Es klebt ihm etwas Lächerliches und zugleich Unheimliches an . Ich weiß nicht , ist das Theater oder etwas anderes , » Kabale und Liebe « oder unsere vortreffliche Diplomatie schuld daran ? Selbst Wolfgang Goethes hohe Göttergestalt läuft komisch schillernd an , wenn man auf das Piedestal : Exzellenz ! schreibt . Die Jünglinge , welche in den Urwäldern Germaniens den Ur , das Elen und den Römer jagten , trugen nicht einen Frack und nicht den Hut in der Hand ; - auch meldet Tacitus nicht , daß sie ein Stück Glas in die Augen kniffen und sich so unbeschreiblich allein mit sich selber eins fühlten wie die Jünglinge im Salon des Bankiers Wienand . Wir wollen uns zu den Damen wenden , und die heilige Zahl der Charitinnen möge uns dabei zur Seite stehen . Ein hellglänzender Schein geht über das graue Konzeptpapier ; mit Naivität gepaarte holde Anmut erscheint neben matronenhafter Würde , Vorblüte und Nachblüte schmiegen sich aneinander ; Flittergold sucht echtes , treues , wahres Gold zu überfunkeln , und gelingt ihm das öfters , als man für möglich halten sollte . Alle Übergangsformationen der weiblichen Welt , vom sechzehnten bis zum sechsundsechzigsten Jahre , kommen zur Erscheinung ; der Liebhaber von Frühlingssonnenschein und Blütenstaub wie der Antiquitätenliebhaber finden gleichmäßig nach Neigung und Geschmack den Stoff zur Begeisterung . Die ewige Sehnsucht des Menschen nach dem Schönen wie die ironische Lust am Häßlichen können auf gleiche Weise befriedigt werden . Aber sollen wir uns hier auch auf Einzelheiten einlassen ? Stille ! stille ! Das Auge , die Religion und die Frauen lassen nicht mit sich spaßen ; das interessanteste Studium ist zugleich das mühsamste und gefährlichste , und weder leidenschaftliche Entzückung und raffaeleske Begeisterung noch zynisches Grinsen stehen uns dazu genügend zu Gebote . Hüten wir uns ; was wir sagen , bedecken wir mit Rosen und besprengen es mit Kölnischem Wasser ; für die Bemerkungen , welche späterhin andere Herren in diesem Kapitel machen , nehmen wir die Verantwortung nicht auf uns . Laß die Leute selbst sehen , wie sie mit den Damen zurechtkommen ! Nach dem Tee und Spiel wurde bei dem Bankier Wienand gegessen , worauf das junge Volk mit den alten Empfindungen , nach hergebrachter Weise , tanzte . Wir aber lassen die große Welt brausen und gleiten verstohlen in das Gemach Helenes , wo es am stillsten und wo die Beleuchtung gedämpfter ist ; denn die junge Bewohnerin dieses Raumes hatte sich noch immer nicht recht von ihrem Schrecken erholt , und nur die Kürze der Zeit hatte überhaupt ein Absagen der Gesellschaft verhindert . Der Bankier Wienand war ein sehr reicher Mann , welcher sein einziges Kind fast abgöttisch liebte . Keinen Wunsch konnte Helene fassen , welchem er nicht