Theil geworden , könnte jemals wieder die höhere Weihe solcher Stunden vergessen ? Und wie hätte Celtes , der schon durch seine Studien des klassischen Alterthums gleicherweise wie durch sein feuriges Dichtergemüth zu dem Cultus der Schönheit sich hingezogen fühlte , nicht immer daran denken müssen , daß er den Lorbeerkranz zwar wohl auf den Wink seines Kaisers , aber doch aus den Händen einer Königin der Schönheit empfing ? Er pries Elisabeth als solche in seinen Liedern und verherrlichte sie als seine Muse in wohlgefeilten lateinischen Versen . Das Geschlecht der Behaim , aus dem sie stammte , galt vor allen nürnbergischen nicht nur als eines der reichsten und angesehensten , sondern auch als eines der gebildetsten und gelehrtesten der Reichsstadt . Elisabeth ' s Vater besaß in Venedig ein eben so reiches Waarenlager als in Nürnberg und pflegte sich wechselnd an beiden Orten aufzuhalten ; auch die Tochter , für alles Große und Neue empfänglich , dabei keine Mühe und Gefahr scheuend , hatte einmal mit ihm einige Zeit in Venedig zugebracht , obwohl damals Frauen nur selten zu reisen pflegten und bei den schlechten und oft gefahrvollen Wegen Vieles erdulden und entbehren mußten , auch wenn sie den reichsten oder höchsten Ständen angehörten . Elisabeth ' s ältere Brüder waren mehr als gewöhnliche Kaufleute . Nicht nur daß sie sich auf das Geschäft verstanden und durch ihre kühnen Speculationen und großen Handelsverbindungen fast mit allen Völkern der Erde in Verkehr waren , und sich dadurch jene Vielseitigkeit und jenen großen Weltblick erwarben , der nur auf Reisen erlangt wird , hatten sie auch die gelehrten Schulen Italiens besucht und auch daheim den Wissenschaften obgelegen . Besonders war es Martin Behaim , der ein Schüler Johannes Regiomontanus ( eigentlich Camillus Johannes Müller ) sich mathematischen , astronomischen und andern gelehrten Forschungen widmete und sich gern damit beschäftigte , auch die Kenntnisse seiner Schwester zu erweitern . Jetzt war er freilich seit einigen Jahren entfernt , da er in Handelsgeschäften seines Vaters nach Portugal gegangen war und eben jetzt auf portugiesischen Schiffen mit Admiral Diego Can auf weitem Ocean trieb , den Seeweg nach Ostindien zu entdecken , zu dessen Auffindung Martin Behaim ' s scharfsinnige mathematische Berechnungen die gegründetste Hoffnung gaben . Der ruhmgekrönte Dichter Celtes fand bald Zutritt in diese ausgezeichnete Familie , welche die Wissenschaft so wohl zu schätzen wußte . Wie empfänglich er auch war für sinnliche Eindrücke und wie auch Elisabeth ' s Schönheit ihn zu den ersten Versen an sie begeistert hatte und den Wunsch in ihm erregt , bei ihr Zutritt zu erhalten , er würde der schönen Form bald überdrüssig geworden sein , wenn er sie leer gefunden . So aber fand er sie von einem kühnen , beinah männlichen Geist belebt , ausgestattet mit allen Kenntnissen , in denen damals keine anderen Frauen so bewandert waren als die Töchter Nürnbergs und Augsburgs , und er verherrlichte sie nun erst recht in seinem von ihr verstandenen Latein als seine Muse . Elisabeth ' s Hand fand viele Bewerber , aber sie hatte bisher noch jeden abgewiesen ; dem Einen galt sie dadurch für eine stolze Spröde , dem Anderen für eine kalte Gelehrte mit einem Mannesherzen im Busen , und Manche flüsterten von einem Fürsten oder vornehmen Ritter , mit dem sie ein heimliches Verhältniß habe und der um seines Standes willen zögere sie heimzuführen , obwohl sie sich selbst gleich mancher stolzen Patriziertochter Nürnbergs nicht zu gering achte , einem Fürsten zum Altar zu folgen . Ihr Verhältniß zu Celtes gestaltete sich bald zu dem einer süßen Freundschaft , welche an jene zarten Bande gemahnte , welche meist die französischen Minnehöfe hervorgerufen . Sie war die Herrin und er ihr Dichter . Für alle seine Bestrebungen und Arbeiten fand er in ihrem hochgebildeten Geist ein feines Verständniß und begeisternde Anregung . Wo ihr die eigenen Kenntnisse noch mangelten , da ward er ihr Lehrer , versorgte sie mit allen neuen Büchern und las ihr Alles vor , was er selbst verfaßte . Zuweilen wohl wurde die klare Ruhe dieses schönen Wechselwirkens durch stürmischere Empfindungen gestört . Zuweilen , wenn sie allein waren - was nicht gerade oft der Fall war , da Elisabeth ' s Mutter , oder eine jüngere Schwester oder auch ihre Brüder und andere Gelehrte sie oft umgaben - geschah es , daß seine Huldigungen sich nicht nur auf den Vortrag seiner Verse erstreckten , die davon voll waren , sondern daß er ihre Hände küßte und sie in seine Arme zog , oder daß sie selbst einen Kuß der Muse zum Lohn oder zur Weihe des Dichters auf seine Stirn drückte . Dies , für beide beglückende Verhältniß währte weit über ein Jahr - und es hätte vielleicht noch lange so gewährt , wenn nicht die rohe Hand anderer Menschen zerstörend eingegriffen . Es gab auch schon damals genug scheelsüchtige Leute , gemeine Zuträger und unberufene Sittenrichter , die über die stolze Patriziertochter zischelten , welche die ebenbürtigen Bewerber verschmähe , und da der Fürst sie sitzen lasse , an den herzugelaufenen Poeten , den Bauernsohn , der Nichts sei und Nichts habe , sich wegwerfe , daß nun auch Keiner aus den Geschlechtern sie mehr werde zur Ehe haben mögen . Solche Reden wurden auch Elisabeth ' s Brüdern hinterbracht ; seitdem beobachtete sie besonders der älteste Bruder Georg , und als er sie eines Tages wirklich überraschte , wie ihr Lockenhaupt an Celtes Schulter lehnte und sein Arm um ihre Taille geschlungen war , trat er zornig vor Beide hin und warf ihnen mit heftigen Worten das Unziemliche ihres Betragens vor und erklärte Celtes für einen Verführer und Eindringling , der dem Hause , das ihn freundlich aufgenommen , nur Schande bringe : das habe man aber davon , wenn man mit den fahrenden Poeten sich einlasse , die doch Lumpen blieben , wenn auch ein Kaiser , um dem Volk ein neues Schauspiel zu geben , sie mit einem Dichterkranz kröne . Elisabeth