Brumaire . Der Kaiser schüttelte mit gesenktem Blick den Kopf : Ach , das war für die Straßen von Paris , für Frankreich vielleicht , aber der Genius muß noch geboren werden , der Europa wieder in seine Fugen richtet . Lombard citirte eine Stelle aus einer Schrift des jungen Ancillon . Napoleon schien sie zu kennen , aber mit einem schlauen Augenaufschlag fiel er ein : Mich dünkt , der Sinn ist weit schlagender in den Worten ausgedrückt , - Und was citirte er ? Eine Stelle aus einem von Lombards Traité ' s « » Sollte Bonaparte Lombards Schriften gelesen haben ? « rief der junge Rath mit einem ungläubigen Lächeln . » Dieselbe Frage stellte Lombard , natürlich nur mit andern Worten , und sein Gesicht mag auch dabei geglänzt haben , denn , wir wollen es nicht leugnen , er ist etwas eitel . Eitel sind wir Alle , lieber Fuchsius . Napoleon sah ihn mit seinen schönen klugen Augen vielsagend an , und griff dann nach einem Buche , das neben ihm auf dem Tische lag . Es war Pariser Druck und Band , Sie werden es sehen . Kaum , daß er darin geblättert , schlug er eine Seite auf und reichte sie dem Gesandten . Es war Lombards Dictum . Unverdiente Ehre , wenn mich ein französischer Schrifsteller citirt hat . - Sie sind es ja selbst , lächelte Napoleon und wies ihn auf den Titel . Kurzum , es waren Lombards Traité ' s , in einer Pariser Ausgabe , prachtvoll gedruckt . Und mit einem Wort , es kam heraus : Der Kaiser hat Lombards Abhandlungen , weil sie ihm so sehr zusagen , in einer Prachtausgabe für sich und seine vertrauten Freunde drucken lassen . Napoleon Bonaparte , sage ich Ihnen , der Genius des Jahrhunderts , kann sich von Lombards Schriften nicht trennen , er führt sie mit sich in seinem Feld-Necessaire , er blättert täglich , er findet Zerstreuung , Erholung , Erquickung darin , wenn die Sorgen ihn drücken . Mit französischer Artigkeit bat er ihn um Entschuldigung wegen des Nachdrucks , den er in seinem Reiche streng bestrafen würde , denn jeder Arbeiter müsse die Früchte seiner Arbeit genießen können . Aber die deutsche Typographie sei noch so weit zurück , es thue seinen Augen wehe , einen schönen Gedanken grob auf deutschem Papier zu sehen . Ach , fügte er hinzu , was könnte aus Deutschland , ich meine aus Ihrem Preußen werden , wenn ein Genius die Industrie belebte ! Lombard erwiderte in galanter Weise die Artigkeit : er fühle sich in seinem Interesse durch den Nachdruck so lädirt , daß er auf eine große Entschädigung Anspruch mache . Er fordere nicht weniger als das Exemplar , welches durch des Kaisers Hand geweiht sei . Ich gebe es ungern , es ist mir lieb geworden , sagte der Kaiser , aber Sie sind im Recht , und nun ist es nicht mehr meines . Er hatte rasch seinen Namen mit einer verbindlichen Zeile hinein geschrieben . « Der Geheimrath war nach dem verschlossenen Schrank geeilt , von wo er einen in saubere Hüllen verschlossenen Band holte , und auf dem Tische enthüllte : » Lombard hat ihn voraus geschickt . Doch das ist nur für uns . Um Himmels Willen davon keine Mittheilungen . - Da ist sein Name . Schöne , feste Züge , der Charakter des Genius . Ex ungue leonem . - Hier ist auch mein Bericht , den Lombard die Güte hatte in seinem Traité aufzunehmen , mit abgedruckt . « Der Geheimrath umhüllte das Buch wieder mit einer Geschickslichkeit , die einem Buchbinder Ehre gemacht , und stellte es auf einen Ort zurück : » Was sagen Sie nun . Ist der Mann , wie seine enragirten Feinde ihn uns darstellen wollen ? « » Das sind allerdings überraschende Kombinationen . « » Sie haben an eine Atrappe gedacht . Sehen Sie , wie Sie sich durch Ihr Vorurtheil täuschen ließen . Ueberhaupt , da war nichts Affektirtes in Bonaparte ' s Benehmen , nichts von der Herablassung eines Emporkömmlings . Er verhandelte mit unserm Freunde wie der Gleiche mit dem Gleichen . Lombard wollte diplomatisch Schritt um Schritt mit seinen Missionen herausrücken . Napoleon unterbrach ihn rasch : Ich bin Frankreich , die Welt fängt an es zu erkennen , und Sie sind Preußen , die Welt erkennt es noch nicht , aber ich . Ueberlassen wir doch das Anderen , sich untereinander zu täuschen , setzte er mit dem durchdringend freundlichen Blicke hinzu . - Das bleibt natürlich unter uns , und Lombard that natürlich das Seinige , dagegen zu protestiren und auf seine untergeordnete Stellung zu weisen . - Wie Sie wollen , sagte Napoleon lächelnd , ich nehme die Menschen wie sie sind , respektire aber auch den Schein , den sie hervorzukehren für nöthig halten . - Und nun floß das Gespräch anmuthig hin , wie zwischen Zweien , die , wie Schiller sagt , auf der Menschheit Höhen stehen , und parteilos und affektlos das Getriebe tief unter sich betrachten . « » Und bei dem Gespräche blieb es ? « » Lombard kann nicht genug sein Entzücken über den reichen Geist ausdrücken . Er schüttete seine Anschauungen über die Weltverhältnisse wie eine Fee aus ihrem Füllhorn . Unser Freund sagt , er hat in dieser einen Stunde viel gelernt . « » Dazu ward er indeß nicht hingeschickt . - Und noch gar keine positiven Resultate ? « » Wir können ganz beruhigt sein . Bonaparte hegt eine Achtung vor Preußen , die mich wirklich überrascht hat . Wenn er von Friedrich spricht - nun das versteht sich von einem Genius , wie seiner von selbst . Er malte seine Schlachten ; als er die von Hochkirch schilderte , gerieth er in eine wahre Begeisterung : Die gewonnenen Schlachten wolle er dem großen Todten lassen , rief er aus , aber er