von Wildungen dem in einen Johanniterhof verwandelten Tempelhause von Angerode die uneigennützigsten Dienste geleistet , als die Reformation sich im Harz ausbreitete , die Klöster entvölkerte und auch die Ritterorden auflösend ergriff . Noch wurde im Schooße des erschütterten Ordens die Partei , die am Papste festhielt , von dem katholischen Fanatiker Heinrich von Braunschweig geschützt . Noch fielen die Anhänger der Reformation am Fuße des Harzes auf dem Blutgerüst oder schmachteten in Heinrich ' s und Georg ' s von Sachsen tiefsten Kerkern . Aber der Geist der Zeit unterstützte alles Das nicht mehr , was nur noch durch die Schärfe des Schwertes behauptet werden konnte . Auch der Johanniterhof von Angerode rüstete sich zum protestantischen Glauben überzugehen , und wandte bereits den Ertrag seiner Reichthümer dem zum Orden gehörenden Adel als in seiner Familie erbliche Besitzthümer zu . Dagegen trat jedoch Hugo von Wildungen auf , er , der Einzige , der katholisch blieb , er , der es noch da zu bleiben wagte , als auf Heinrich und Georg Regenten folgten , die der Reformation huldigten . Nach der Schlacht von Mühlberg , als die deutschen Fürsten in Halle vor Karl dem Fünften knieeten und er ihnen zur Beruhigung zurief : » Nicht Kopf abe ! « bestätigte der Kaiser feierlich den St.-Johannesritter Hugo von Wildungen als Comthur und alleinigen Vertreter der Rechte des katholisch gebliebenen Johanniterhofes von Angerode . Mit dem Heere des Kaisers aber zog auch seine Macht ab . Die abtrünnigen Ritter ließen sich von einem Papier aus ihrem Raube nicht verdrängen und Hugo von Wildungen mußte weichen . Um ihm aber , den Alle achteten , einen Beweis der Verehrung zu geben , um ferner das Beispiel zu beschönigen , das sie selbst von eigenmächtiger Habsucht durch Aneignung der Güter des alten Tempelhofes gaben , setzten die übergetretenen Ritter ihrem katholischen Meister , der erst nach Baiern , dann nach Rom und Malta auswanderte , die letzten Häuser und Liegenschaften des Ordens aus , die sie noch in großen Städten , unter Anderm auch in der jetzigen Landeshauptstadt , besaßen . Die förmlich darüber aufgesetzte Urkunde schickte jedoch Hugo aus Venedig zurück , weil er erklärte , es einem Fluche gleichachten zu müssen , vom Gute des Ordens für sich zu stehlen , wie es die andern ketzerischen Ritter gethan hätten . Bis soweit reichte , wie du ja selber weißt , die Tradition unserer Familie ..... Siegbert bestätigte Dies und sagte : Wie oft mögen unsere später auch zum Protestantismus übergegangenen , verarmten und durch sich selbst entadelten Ahnen beklagt haben , daß ihrer Familie ein so starrköpfiger Charakter angehörte , der diese wichtige Urkunde zurückschicken konnte ! Und wenn sie sich auch fände , sie würde uns jetzt nichts mehr helfen . Diese schwerlich , sagte Dankmar . Die Erben des vierblätterigen Kreuzes würden immer sagen ... Des vierblätterigen Kreuzes ? fiel Siegbert befremdet ein . Das Kreuz in seinen vier Enden , sagte Dankmar zum staunenden Bruder , mit dem dreiblätterigen Kleeblatt blieb das katholische Symbol . Die protestantischen Johanniter jener Gegend jedoch - abweichend vom gewöhnlichen Johanniterkreuze - behielten das Kreuz , setzten aber in seine Enden statt drei vier Rundungen , die das vierblätterige Kleeblatt bezeichneten . Dieser Zwiespalt währte bis zum Dreißigjährigen Krieg , wo die Ordensbekenner ausstarben und die noch vorhandenen , nicht vertheilten Güter des Ordens den aufgesparten und seinen Angehörigen vorbehaltenen Antheil Hugo ' s von Wildungen Dem ließen , der die Macht hatte , sie zu nehmen . Merkwürdig , daß die Häuser und Besitzungen , die die Urkunde von 1556 an Hugo von Wildungen abtrat , bis 1636 in seinem Namen und zu seinen Gunsten verwaltet wurden . Schon damals erhob sich ein Proceß , der in Wien geführt wurde . Der Papst hatte eine Bulle ausgestellt , der zufolge alle geistlichen Ritterhöfe protestantischer Lande ausnahmsweise nun wirklich Eigenthum , aber nur derjenigen Ritter werden sollten , die dem katholischen Glauben treugeblieben wären . Man hatte in Rom gehofft , auf diese Art durch das Privatrecht und dessen locale Gel-tendmachung sich einen festen Fuß in den ketzerischen Landen zu erhalten . Darauf hin hatte Hugo von Wildungen später nicht nur seinen ihm an der großen Theilung freiwillig zugestandenen Antheil , sondern den ganzen Vollbesitz des Ritterhofes Angerode erb- und eigenthümlich für sich und seine Angehörigen verlangt . Der wahre Grund war der Rückhaltsgedanke , das Eigenthum bei dem Orden nur solange aufzuheben , bis ihm Gelegenheit geboten würde , sich in Zukunft wieder zu sammeln . Lieber hob man in Rom einstweilen ein kanonisches Gelübde auf , als daß man dem Protestantismus so reiche Mittel , sich zu kräftigen , freiwillig überlassen hätte . Wie viel Feindschaft auch zwischen der Priesterschaft und den geistlichen Ritterorden waltete , in den äußersten Fragen trat die Eine schützend für die Andern ein . Wie oft dacht ' ich nun : Wenn jetzt eine Cession , eine Abtretung der Eigentumsrechte an seine Familie von der Hand des Ritters Hugo existirte , wenn man ein Testament finden könnte , das auswiese , der fanatische Ritter hätte nicht der Kirche , sondern den Seinigen überlassen , was er , wenn auch nur für seinen Theil , vom Vermögen des Tempelhofes beanspruchen durfte ! Wären solche Urkunden da , so ließe sich darauf hin ein juristischer Feldzug eröffnen , der ... Dankmar ! unterbrach Siegbert den Bruder . Welche Träume ! Welche Phantasieen ! Soviel lernt ' ich schon von dir , daß es in dem Rechtsleben Verjährungsfristen gibt , wo keine Klage über eine stehengebliebene Schuld mehr angenommen wird . Wie aber , lieber Bruder , sagte Dankmar sicher und bedeutsam lächelnd , wenn in dieser Angelegenheit , wie im Wallenstein ' schen und andern noch schwebenden uralten Processen , merkwürdigerweise deshalb nichts verjährt ist , weil sie alle funfzig Jahre wieder aufgenommen wurde und sich in ewigen Protesten die Communen mit den Regierungen über jene Hinterlassenschaft gestritten haben ? Wie , wenn sogar unser Staat , unser