aufgerissenen Augen , mit offenem Munde , mit Nase und Ohren , er staunte , er glotzte , und wie seine Kraft durch die schwebende Haltung immer mehr schwand und wie er zuletzt nicht mehr wußte , ob er sich nach hinten zurückfallen lassen sollte , um irgendeiner Dame auf den Kopf zu stürzen , oder ob er nach vorn springen sollte , um selbst den Hals zu brechen , und wie es ihm plötzlich gelb und grün vor den Augen wurde und wie der kalte Schweiß auf seine Stirn trat und ein Zittern durch alle Glieder fuhr : oh , da preßte ihm die Mutter Natur plötzlich einen jener heimischen Laute aus , der wie ein Pistolenschuß in der Kuppel der Kirche widerklang , und einer Leiche ähnlich sank der Unglückliche hinab , zwischen die nach allen Seiten auseinanderstiebenden Genossen , deren er sicher im Niedersinken mehrere zerschmettert hätte , wäre der Laut nicht so herrlich à propos gekommen , so voll , so donnernd - doch kehren wir zurück zu Schnapphahnski . Der alte Oberst C. war in demselben Falle wie unser Westfale . Das herrliche Diner , der Wein , die Lichter , Hitze , Musik , alles das hatte ihn schon in eine Schwulität versetzt , wie sie ihm in der mörderischsten Schlacht nicht vorgekommen war . Als er nun aber gar noch in das Rauchzimmer geriet , um die Konversation des Ritters und des Herzogs anzuhören , eine Konversation , die jeden Augenblick pikanter und beißender wurde ; als er die Verlegenheit der übrigen Gesellschaft bemerkte , eine Verlegenheit , die er selbst nicht recht begriff , und als es ihm immer mehr einleuchtete , daß er sich eigentlich gar nicht an seinem Platze befinde - nun , da wurde ihm geradeso zumute wie dem Westfalen auf dem Gipfel der Paulskirche ; es schwindelte ihm , es wurde ihm rosenrot vor den alten Augen ; wie der Westfale meinte er die Themse zu sehen und den Tower und die Westminsterabtei , der Angstschweiß trat ihm auf die Stirn , und ach , was der Westfale hoch oben über ganz London riskiert hatte , das riskierte der alte Oberst in dem Salon der höchsten Brüsseler Gesellschaft : Brrrrr-um ! und alles fuhr erschrocken zusammen . Es war geschehn . Aber man hatte zuviel bon sens , um den armen Alten für seinen Verstoß büßen zu lassen , und schon machte man Miene , das Unglück des ehrwürdigen Mannes mit lächelndem Stillschweigen zu übergehen , als Herr von Schnapphahnski plötzlich so unvorsichtig war , dem Beispiele des alten Oberst mit einem ähnlichen Laute im raschesten Tempo zu folgen - - Die Katastrophe des Abends war gekommen . Der Herzog endete sein Klavierspiel mit der schrecklichsten Dissonanz , und rasch emporfahrend , wandte er sich zu dem Oberst und dem Ritter . » Ihnen , Herr Oberst , verzeiht man manches , denn man muß es Ihnen verzeihen ; Sie , Ritter , sind einer der erbärmlichsten Burschen , welche die Welt je getragen hat ! « - Eine Totenstille entsteht . Der Ritter , so direkt interpelliert , setzt den Hut auf den Kopf , um sich recht das Ansehen eines Marquis léger zu geben , tritt dem Herzog gerade unter die Nase und fragt : » Ist das Ernst oder Spaß ? « » Ich bin nicht gewohnt , daß man mit dem Hut auf dem Kopfe zu mir spricht ! « erwidert der Herzog , und seine Hand berührt die Wange des Ritters zu gleicher Zeit in so unsanfter Weise , daß der Hut des Getroffenen hoch in die Luft fliegt . Doch damit nicht zufrieden , ergreift er den taumelnden Ritter auch noch beim Kragen , hebt ihn mit eiserner Faust empor , rüttelt und schüttelt ihn , daß ihm Hören und Sehen vergeht , spricht : » Nun beginnt der Walzer ! « , öffnet dann die Tür , trägt den Unglücklichen wie eine Katze hinaus und schleudert ihn die Treppe hinab , um dann ruhig , als wenn nichts geschehen sei , ins Zimmer zurückzukehren , wo die Gäste stumm und bestürzt einander anschauen . Wir müssen gestehen , unser Herz beschleicht ein inniges Bedauern , indem wir dieses niederschreiben . Unser Schmerz ist gerechtfertigt , denn mit seinem Helden soll der Autor fühlen und empfinden . Fast wörtlich haben wir den Hauptinhalt dieses Kapitels aus den uns vorliegenden Manuskripten wiedergegeben . Geben wir jetzt nur noch einfach den Schluß . Kaum in den Salon zurückgekehrt - heißt es in unsern Notizen weiter - , erblickt der Herzog den Hut des Ritters . Er hebt ihn vom Boden auf , und indem er avec toute la courtoisie possible hinzusetzt : » Aber mein Gott , der Ritter kann ja nicht ohne Hut nach Hause gehn « - wirft er ihn auf die Treppe seinem Eigentümer nach . Sie glauben vielleicht , daß nach solch einer Katastrophe der Herzog am andern Tage nicht mehr zu den Lebenden zu zählen war - - Sie irren sich . Er lebt noch bis auf den heutigen Tag . Aber pro forma kam der Sekundant des Ritters , um die Bedingungen des Zweikampfes zu ordnen . » Mein Gott « , sagt der Herzog gleichgültig , » der Ritter sagte mir vor wenigen Tagen , daß er den Degen wählt , wenn er jemanden mit dem Tode bestrafen will . - Nun , ich glaube , daß er alle Ursache hat , mich zu bestrafen . « - - Bedenken Sie nur , daß des Herzogs Arm übermenschlich lang war und daß acht Menschen denselben nicht biegen konnten - - armer Schnapphahnski ! Aber es sagt bei uns ein altes Sprichwort : Wer hängen soll , der wird nicht ertrinken . Wer weiß , welches Los unserm Ritter reserviert ist ! Vor allen Dingen erschien am selben Tage auch noch der Gesandte , Graf ... , beim Herzog C. » O mon dieu , que faire ?