; dann aber hatte er gedacht : I was thut ' s ; die Kleinen wollen auch leben , und hatte sich umgedreht und war eingeschlafen . Es war ein rechtes Nest für Eulen , hätte Einer denken mögen , wenn er Abends einen Blick in den Hof warf . Aber wieder war Alles so klein , daß man auch hätte fragen können , wo denn die Eulen und Nachtvögel Platz fänden neben den Menschen ? Doch in den Häusern unserer Vorfahren war immer viel Raum für Andere , weil sie für sich selbst wenig brauchten . Was brauchte der Mensch mehr als ein Lager und ein Dach darüber für die Nacht ? Das Kind , das zur Welt kommt , muß die vier Wände anschreien , so ist ' s alte Sitte ; das Heimliche soll nicht vor aller Welt geschehen . Aber wenn er aufwächst und groß wird , baut ihm der liebe Himmel sein großes Haus , wo immer Platz ist für Tausende und Hunderttausende mehr , als leben und leben werden . Die Sonne war die Kerze und das Feuer , und wenn es heiß war , der Baum und Wald unserer Väter Schatten , und die Luft wehete ihnen bessere Kühlung zu , als die dicksten Mauern . Nun , und wenn keine Sonne schien , und es regnete und stürmte , dann fand sich doch in jedem guten Haus eine Halle , ein Flur , eine Diele , wo die Genossenschaft am Feuer sitzen und durch Scherz und Gespräch die Ungunst des Wetters vertreiben konnte . Es thut nicht gut , daß der Mensch allein sei mit seinen Gedanken . Und die Halle fehlte auch nicht in Burg Hohen-Ziatz . Die Pferde hatten ihren Stall im Hof , die Hunde ihre Hütten am Thor , die Schweine ihre Koben daneben , auch Kühe und Stiere wurden unterweilen bei schlimmer Zeit in den Zwinger getrieben ; wie sie da mit den Rossen sich vertrugen war ihre Sorge . Der Storch nistete auf der Dachfirste vom Herrenhause , die Schwalben an den hölzernen Galerien , die um den Hof liefen , die Tauben beim Thürmer , die Eulen in den alten Mauerblenden , die Schwaben in den Ritzen , der Wurm im Holze , die Mäuse im Keller und Flur , und die Menschen , jeder in seiner Kammer ; und war dem Knecht keine zugewiesen , da stand doch eine Bank in den Gängen und lag schon ein anderer darauf , so jagte er die Hunde fort , die unter ' m Vordach im Hofe schliefen . Item es fand sich und ging ; wer schlafen wollte , der fand immer einen Platz , wer fror , ein Feuer , sich daran zu wärmen , wen hungerte , Brot und Brei , die Speisekammer war nie leer , dafür sorgte die gute Hausfrau , die nie den Schlüssel aus der Hand ließ , und wer bangte , fand auch ein freundliches Gesicht und gute Zusprach . Die Frau von Bredow duldete Alles in ihrem Haus , nur nicht Faullenzer und Duckmäuser . Der Mann im Monde hätte sich wundern müssen , sagte ich , wenn er auf die Burg niedersah . Es gab Vieles , worüber er sich wundern konnte . Ist ' s doch allüberall ein eigen Ding mit dem sich wundern . Einige verwundern sich , wenn es in der Welt eine Weile still herging , daß die Dinge so lange halten in ihrer Ordnung , und Andere hinwiederum , wenn ein Sturm kommt und Alles umwirft , warum die alte Ordnung nicht ewig dauerte . Der Mann im Monde , wenn er sprechen könnte , würde es uns am besten sagen , worüber wir uns noch wundern dürfen . Durch so viele tausend Jahre schaut er auf die Erde und sieht Alles , was uns bewegt , und ihn kümmert ' s nicht ; er lacht nicht und er weint nicht mit seinem kalten , gleichgültigen Gesichte ; ob er aber bei sich denkt , was wir doch für Thoren sind , das weiß kein Mensch . Ueber den Sturm konnte er sich wundern , denn er war ein Orkan geworden , wie dessen die ältesten Leute sich nicht entsannen . Wie er den Wald gepeitscht , als wären die Baumwipfel Meereswellen , hatte er auch an der Burg gerüttelt , daß die Balken knackten . Das Storchnest war von der Firste geworfen , im Schieferdache hatte er gewühlt und gewirthschaftet , und der Giebel , der schon überhing , sich noch um einen halben Schuh nach vorn geworfen . War das nicht zum Verwundern , daß der Giebel noch hielt , so war es doch , daß der Hausherr in der Erkerkammer auch davon nicht aufgewacht war ! Und nach solchem Sturm eine solche Ruhe ! Winde im Spätherbst bringen Kälte und Frost oder Schlacken ; aber als wäre nur das wilde Heer vorübergeras ' t , so war es still geworden darauf , und die Nachtluft schwül . Und das war doch auch zum Verwundern , daß man nirgend mehr etwas sah von der großen Wäsche . Sie war eingebracht und Alles an seinem Fleck ; zwei Stunden schon nachdem der letzte Wagen über die Zugbrücke rollte , und nichts war verloren gegangen auf dem langen Wege . » Das ist eine Frau , die nimmt ' s auch mit Wetter und Wind auf ! « sprachen die Dienstleute . Nun dampften die Kessel über dem prasselnden Feuer und die Schinken brodelten und schwitzten am Spieß . Auch in den Keller war sie gestiegen und hatte an den Fässern gezapft , und die Knechte trugen schwere , volle Kannen in den Flur . Denn nach der Arbeit ziemt den Leuten Ruhe und auch etwas mehr , dachte die Hausfrau , nur sich selbst gönnte sie ' s nicht , denn während die andern um den großen Tisch saßen , stieg sie noch treppauf , treppab , und ihr Schlüsselbund klirrte