Grüne Jalousien vor den Fenstern , ein wohlgepflegter Blumengarten mit einem Pavillon , den ein dunkelblaues Dach mit glänzendem Goldknopf zierte , gaben ihm das Ansehen einer ländlichen Villa . Hinter diesem Wohnhause zog sich der Weg in mehrfachen Krümmungen den Granitfels hinauf bis zum Thor der Fabrik , deren fünfstockige weißglänzenden Gebäude mit ihren zahllosen Fenstern ein großes Fünfeck bildeten und einen sehr geräumigen Hof umschlossen . Ein Blick genügte , um jeden Wanderer zu überzeugen , daß diese Fabrikgebäude auf den festen Trümmern alten Gemäuers errichtet worden waren , deren Ueberreste mit den gothischen Verzierungen unverkennbar auf ein hohes Alter hinwiesen . Das alte Thor mit seinen Spitzbogen , der ein feingemeißeltes mit Moos und Flechten überzogenes Wappenschild umschloß , und über diesem ein verwitterter starker Mauerkranz mit Schießscharten konnten nicht eine Minute in Zweifel lassen , daß hier ehedem ein altes ehrwürdiges Feudalschloß aus den bessern Zeiten des Mittelalters gestanden habe . Die große Menge von Arbeitern , welche in der Fabrik auf dieser Insel beschäftigt waren , hatte die nächste Umgebung derselben seit einigen Jahren bedeutend lebhafter gemacht , als andere Gegenden der Haide . Ein kleines Dorf war mitten im Walde entstanden , ausschließlich von den Arbeitern und ihren Familien bewohnt . Hie und da hatte man die Haide gelichtet und Kartoffelfelder nebst einigen Wiesen zu gewinnen gesucht , die von murmelnden Waldbächen , welche in den See mündeten , bewässert wurden und das allernöthigste Futter für die wenigen Ziegen lieferten , welche die armen Häuslerfamilien hielten . Weiterhin gab es Pechhütten und Kohlenbrennereien , die auf Kosten der Fabrikherren betrieben wurden . Alles Holz , was zum Kohlenbrennen nicht tauglich war , zog die Fabrik an sich und verwandte es zu Heizung der Dampfmaschinen . Am dritten Tage nach der im vorigen Kapitel mitgetheilten Unterredung zwischen Heinrich und Sloboda war Adrian von Boberstein , Besitzer und Leiter der Fabrik , in dem erwähnten villaartigen Hause am Seeufer beschäftigt , mit seinem ersten Buchhalter die Rechnungen durchzusehen . Adrian war acht und dreißig Jahre alt , hatte ein wohlgefälliges Aeußeres und einen vornehmen Anstand , der eher einen Diplomaten , als einen Fabrikherrn in ihm hätte vermuthen lassen . In gewisser Hinsicht stand auch seine Handlungsweise damit im vollkommensten Einklange . Adrian war einer jener klugen Diplomaten der Industrie , die in unsern Tagen mehr als die der Politik die Geschicke der Völker bestimmen und jene unheimlichen Beschlüsse über Krieg und Frieden entwerfen , von denen das Wohl der europäischen Gesellschaft abhängig ist . Mit übergeschlagenen Beinen in einem weichgepolsterten Lehnstuhl von massivem Mahagonyholze nachlässig ruhend und eine aromatisch duftende Cigarre von ächtestem Havannah rauchend , deren tief dunkelblaues Gedüft er mit wohlgefälligem Lächeln verfolgte , ließ sich Adrian von dem Buchhalter Bericht erstatten über die Ausgaben der letzten Woche an Arbeitslohn . Der Buchhalter las : » Hundert und zwanzig Feinspinnern jedem Einzelnen einen Thaler fünf Silbergroschen . « » Streichen Sie für nächste Woche diese fünf Silbergroschen , Herr Vollbrecht , « unterbrach Adrian den Vortragenden . » Die letzten Briefe meiner Correspondenten in Leipzig , Hamburg , Wien und andern Plätzen berichten , daß uns ein großer Gewinn sicher ist , wenn wir auf den nächsten Messen alle Concurrenten durch Billigkeit unserer Wolle aus dem Felde schlagen können . Dies läßt sich leicht durch eine Herabsetzung des Arbeitslohnes erreichen , der ohnehin zu hoch war . « » Aber Herr Graf - « » Herr am Stein , lieber Vollbrecht , wenn ' s beliebt ! « » Nun denn , Herr am Stein , die Arbeiter klagen schon seit langer Zeit , daß sie mit dem jetzigen Lohne kaum mehr ihre Familien unterhalten können ! Der harte Winter von 29 auf 30 ist sehr vielen dieser Armen gefährlich geworden und hat ihre geringen Ersparnisse gänzlich erschöpft . « » Desto besser , so haben wir sie in unserer Gewalt ! Es ist nicht gut , wenn der Arbeiter wohlhabend wird . Das macht ihn nur stolz , brutal , aufsätzig , wie wir ' s vor einigen Jahren schon einmal erleben mußten . Damals hätte es noth gethan , wir hätten diese Elenden mit Bitten bestürmt und sie vom Kopf zur Zehe übergoldet , nur um ein paar Hände zu bekommen . Ich habe mir diese Lehre gemerkt und mich fest entschlossen , es nie wieder dahin kommen zu lassen . Noch einige Jahre und die im Wohlleben schwelgenden Arbeiter wären unsere Gebieter geworden ! Gott Lob , mein und einiger Collegen System hat bereits angefangen , Früchte zu tragen ! Das unmerkliche Schmälern des Lohnes , durch die große Concurrenz leicht zu rechtfertigen , hat diese Uebermüthigen uns wieder unterthänig gemacht . Sorglos verpraßten sie inzwischen ihre Ersparnisse , der schwere Winter half auch mit zehren und jetzt haben sie nichts mehr als ihr gutes Auskommen von einem Tage zum andern . Was wollen sie mehr ? Ihr Verdienst wird ihnen pünktlich zur Stunde ausgezahlt , während wir armen Speculanten die Gefahr des Wagens stets mit in Anschlag bringen und sie häufig genug mit Gleichmuth überwinden müssen . « » Sie sprechen von einem guten Auskommen Ihrer Arbeiter , Herr am Stein , und müssen doch wissen , daß schon seit Jahr und Tag die Kartoffel der Meisten alleinige Nahrung ist ! « » Kartoffeln sind eine sehr nahrhafte Kost und geben Kraft . Man merkt ' s an den vielen Kindern dieser Spinner und Weber ! Und überdies gibt es noch Hunderttausende , für die ein Menschenfreund auch sorgen muß . Der Arme will sich kleiden , will sich billig kleiden , mithin dürfen baumwollene Stoffe nicht theuer sein . Streichen Sie also ganz ruhig die fünf Silbergroschen ! « Kopfschüttelnd gehorchte der Buchhalter und fuhr fort : » Sechzig Wollzupfern einem Jeden 171 / 2 Silbergroschen . « » Sind das nicht Mädchen von vierzehn bis siebzehn Jahren aus den Gemeindehäusern ? « » Allerdings , Herr am Stein . « » Und diese bekommen wöchentlich einen so