und gutmütige Sinnesart ; es vergnügte ihn , andern mitzuteilen , und sein eignes Vergnügen liebte er nicht minder . Er gab gern Gastereien , ging gern mit einem Dutzend guter Freunde auf die Rehjagd , und hielt nach dieser Anstrengung ein , womöglich hohes Spielchen mit seinen Weidgenossen für die beste Erholung . Auch wenn er allein war , speiste er nicht gern unter sechs Schüsseln , wozu , wie sich von selbst versteht , alter Rheinwein vom besten gehörte . In Kleidern hielt er sich sauber , Diener unterhielt er nicht übermäßig viele , etwa fünf oder sechs für sich und seine Gemahlin , die aus der älteren , oder graumelierten Linie , aus der Linie Schnuck-Muckelig-Pumpel entsprossen war ; nebst einer Kammerjungfer und einer Garderobiere für diese seine Gemahlin . Letztere hatte nun wieder ihr hauptsächliches Vergnügen an Brillanten , Perlen , Roben und Spitzen , und ihr Gemahl versagte ihr in Beziehung auf solche Gegenstände keinen ihrer Wünsche ; denn , sagte er , wenn das Zeug auch viel kostet , so gehört es einmal zu unserm Stande , und was standesmäßig ist , kostet nie zu viel . Ermüdete unsern alten Baron die häusliche Einförmigkeit , so machte er mit Gemahlin , Kammerjungfer , Garderobiere , mit den fünf oder sechs Dienern und diesem oder jenem Hausfreunde , welcher auch der Erholung bedürftig war , und ihn um Mitnahme ansprach , interessante Reisen in die benachbarten fremden Länder , von denen er dann neugestärkt zu seinen Gastereien , Jagden und Spielen zurückkehrte . Diese stillen Familienfreuden mundeten ihm nach solchen Ausflügen immer doppelt wohl . Der Himmel hatte seine Ehe mit einer einzigen Tochter gesegnet , welche in der heiligen Taufe den Namen : Emerentia erhielt . Dieses Kind war von jeher ausnehmend schwärmerischer Art , es verdrehte schon als Säugling die Augen auf eine wunderbare Weise . Als die kleine Emerentia größer wurde , hörte sie ihre Mutter fast von nichts andrem erzählen , als von den Damen der Linien Schnuck-Muckelig und Schnuck-Puckelig , welche die Geliebten der Fürsten von Hechelkram gewesen waren . Die Mutter zeigte auch dem Kinde diese Damen unter den Familienbildnissen ; lauter schöne Frauenzimmer mit hohen Frisuren , gelben , grünen oder roten Adriennen , großen Blumensträußen und entblößten Schultern ! Da sie nun immerfort von den Geliebten hörte , und die Frauenzimmerbildnisse ihr gar zu wohl gefielen , so setzte sie sich in den Kopf , daß sie ebenfalls zu einem solchen Berufe ausersehen sei , ein Gedanke , der noch mehr befestigt wurde , als der Fürst Xaverius Nicodemus der Zweiundzwanzigste von Hechelkram das Schloß besuchte . Er nahm die damals dreizehnjährige Emerentia auf den Schoß , liebkoste ihr zärtlich , und fragte sie : » Willst du mein Bräutchen werden ? « Sie bedachte sich nicht lange , sondern versetzte rasch : » Ja , wie alle die Damen , die da hangen . « Der Fürst hob die Kleine vom Schoße und sagte lächelnd zu ihrer Mutter : » Ah , la petite ingénue ! « Die Zeit verwischte zwar den Fürsten Xaverius Nicodemus den Zweiundzwanzigsten , da sie ihn nicht wiedersah , allgemach aus ihrem Herzen , dagegen setzte sich in ihr die Standesvorstellung , die Vorstellung an sich , daß sie bestimmt sei , mit einem Hechelkramischen Fürsten in zärtliche Verhältnisse zu treten , immer fester in ihr , wobei sie sich durchaus nichts Arges dachte , woran sie aber mit solcher Innigkeit hing , wie ihr Vater an seinen Geheimenratsgedanken . Weil nun das Herz nicht in das Leere seinen Drang versenden mag , sondern gern an liebevoll-gediegner Wirklichkeit ausruht , so hatte ihre schwärmende Phantasie nach einigem Umherschweifen im leeren Raume auch bald den sichtbaren Gegenstand gefunden , der ihr den künftigen Liebhaber unter den Fürsten von Hechelkram vorbilden mußte . In der Tat war dieser Gegenstand ganz geeignet , die Einbildungskraft eines fühlenden Mädchens knacken , der Mund wollte zwar seines Berufes wegen für die Gesetze reiner Verhältnisse etwas zu groß erscheinen , aber ein schwarzer Schnurrbart von wunderbarer Fülle , welcher über den Lippen hing , machte diesen Übelstand wieder gut . Die großen , grellen , himmelblauen Augen blickten sanft und grade vor sich hin , und ließen auf eine Seele vermuten , in welcher die Milde bei der Stärke wohnte . Bekleidet war dieser idealisch-schöne Nußknacker mit einer rotlackierten Uniform und weißem Unterzeuge ; auf dem Haupte aber trug er einen imponierenden Federhut . Emerentia hatte ihn zu ihrem Namenstage geschenkt bekommen . Sobald sie seiner ansichtig wurde , erzitterte sie , erseufzte sie , errötete sie . Niemand verstand ihre Regung . Sie aber trug den Nußknacker auf ihr einsames Zimmer , stellte ihn auf den Kamin , blickte ihn lange glühend und weinend an , und rief endlich : » Ja , so muß der Mann aussehen , dem sich dieses volle Herz zu eigen ergeben soll ! « Von der Zeit an war der Nußknacker ihr vorläufiger Geliebter . Sie hielt mit ihm die zärtlichsten Zwiegespräche , sie küßte seinen schwarzen Schnurrbart , sie hatte dem ganzen Verhältnisse eine so tiefe Beseelung gegeben , daß sie jederzeit des Abends , wenn sie sich zum Schlafengehen entkleiden wollte , schamhaft zuvor ihrem Freunde auf dem Kamin das Haupt mit einem Tuche verhüllte . Nußknacker ließ sich das alles gefallen , stand zuversichtlich auf seinen Füßen , und blickte mit den großen , blaugemalten Augen mildkräftig vor sich hin . Emerentien hatte diese schöne Liebe rasch gereift . Von der Natur war sie , wenn auch nicht mit Reizen , doch mit blühenden Gesichtsfarben und runden Armen ausgestattet worden ; es konnte ihr daher an Verehrern unter den benachbarten Landjunkern nicht fehlen . Aber sie schlug alle Bewerbungen von der Hand und sagte , sie folge ihrem Ideal und gehöre der Zukunft an . Unter dem Ideal verstand sie den auf dem Kamin und unter der Zukunft einen Hechelkramischen Fürsten . Ihre Eltern ließen ihr ganz