leide . Er liebte wahrhaft den Jüngling , der unter seinen Augen , man möchte sagen , unter seiner Pflege , so kräftig und schön heranblühte , und war in diesem Augenblicke nur darauf bedacht , ihn vor dem geistigen Untergange zu bewahren , der , wenn er so fortführe , ihm drohte . Mit wirklich väterlicher Milde und Freundlichkeit suchte er anfänglich durch anscheinend gleichgültiges Gespräch die zu heftige Anspannung dieses reizbaren Gemüthes herabzustimmen , und ergriff , nachdem ihm dieses gelungen , den ersten günstigen Augenblick , um fest und bestimmt zu erklären , daß Richard nur einer ernsten Beschäftigung bedürfe , um schnell und für immer von seinen Leiden geheilt zu werden , die ich , setzte der Fürst freundlich hinzu , mit Deiner Erlaubniß am liebsten Grillen und Einbildungen nennen möchte . Mit dem lebhaftesten Eifer trat Eugen der Ansicht seines Vaters bei ; Richard war an Leib und Seele zu abgespannt , zu gedrückt , zu froh , auf fremde Hülfe in seiner Unentschlossenheit sich stützen zu können , um gegen Vater und Sohn anzukämpfen , die beide jetzt in ihn drangen , sich zur Wahl eines , seine Zukunft fest bestimmenden Planes zu entschließen , zu dessen Ausführung ihm alles zu Gebote stehen solle , was er nur bedürfen könne . Von ihm durch keinen Widerspruch gehindert , fing Richards wohlmeinender Beschützer nun an , dem noch immer in dumpfen Trübsinn Versunkenen eine lange Reihe glänzender Vorschläge für den Lebensweg vorzulegen , an dessen Wendepunkte er jetzt stand . Der zuerst mit zartester Schonung kaum angedeutete , im Falle ihn das Heimweh ergriffen , ihn zurück nach England zu senden , und auch dort allen Beistand , dessen er bedürfen könne , ihm zu gewähren , wurde von dem ehrgeizigen Jünglinge widerwillig , fast zürnend zurückgewiesen , und der Fürst rechnete in seinem Herzen diese Weigerung als einen Beweis seiner liebenden Anhänglichkeit ihm hoch an . Andre Vorschläge , die diesem ersten folgten , wurden zwar besprochen und geprüft , dennoch aber am Ende , unter irgend einem scheinbaren Vorwande , dankend ausgeschlagen . Das Gespräch zog sich gewaltig in die Länge . Meistens von Richard selbst aufgefundene Schwierigkeiten thürmten überall dem trefflichen Wollen des Fürsten sich entgegen , der vielleicht nicht mehr fern davon war , die Geduld darüber zu verlieren , als Richard plötzlich wie inspirirt aufsprang , und mit krankhafter Heftigkeit höchst überraschend für die militairische Laufbahn im Dienste der russischen Krone sich erklärte . Fürst Andreas und sein Sohn blickten beide verwundert ihn an , und mochten ihren Sinnen kaum trauen . Nie , selbst nicht als Knabe , hatte Richard die mindeste Neigung zum Soldatenstande gezeigt , weshalb sie diesen in die Reihe der ihm dargelegten Vorschläge auch gar nicht aufgenommen hatten . Der Ort , das Land , wo wir geboren wurden , ist darum noch nicht unser Vaterland ! rief Richard mit sein ganzes Wesen verklärendem Enthusiasmus . England war nichts weiter als meine Wiege ; früh genug warf sie , achtlos was aus mir würde , mich aus ! Hier , wo mein eigentliches Leben unter dem Schutze und der Pflege der Edelsten des Landes erst begann , hier in Rußland ist meine wahre Heimath . Rußland , dem ich Alles verdanke , ist mein Vaterland , und von heute an weih ' ich mich feierlich seinem Dienste bis ans Ende meiner Tage . Nun bist Du wahrhaft mein Bruder ! rief Eugen mit glänzendem Auge und drückte , in freudiger Überraschung , den Freund an die Brust ; auch der Fürst umarmte ihn , und sprach in den wärmsten Ausdrücken seine Zufriedenheit mit diesem Entschlusse aus . Sie blieben alle drei noch lange beisammen ; mancherlei , auf Richards Vorbereitung zu der von ihm erwählten Lebensbahn Bezug habendes , wurde besprochen ; manches Beispiel von tapfern bedeutenden Männern , älterer und neuerer Zeit , wurde erwähnt , die ohne durch hohe Geburt oder großen Reichthum unterstützt worden zu sein , zu den höchsten Ehrenstellen in der Armee sich hinaufschwangen . Und so war denn wirklich diese Abendstunde zu dem am Morgen dieses Tages von ihm selbst noch nicht geahneten Wendepunkte in Richards Leben geworden ; doch nicht allein die Zukunft eines bis dahin unbedeutenden englischen Knaben , auch die vieler hundert andren Menschen , vielleicht selbst die eines großen Reiches , wurde durch diese Stunde bestimmt . Darum wage keiner , auch auf das anscheinend unbedeutendste Ereigniß achtlos herunter zu sehen . Wer kann wissen , ob es nicht die Schneeflocke ist , die vom Hochgebirge niederschwebend , zum Kern der Lawine wird , welche in ihrem zerstörenden Laufe zum Ungeheuern sich vergrößernd , Hütten , Wandrer und Heerden dem Untergange zuschleudert . Ein ganzes Jahr verging , ohne daß in Richards früheren glücklichen Verhältnissen die mindeste Abänderung eingetreten wäre . Mit brennendem Eifer strebte er im Laufe desselben die , für seine künftige Bestimmung ihm noch mangelnden Kenntnisse sich zu erwerben , und Gesundheit und Frohsinn kehrten bei rastloser , wohl angewandter Thätigkeit ihm wieder zurück . War es Mitleid ? war es früh ihr zur Gewohnheit gewordene Liebe ? wahrscheinlich war es beides , was die Fürstin Eudoxia bewog , während dieser Zeit sich fast noch milder und freundlicher als zuvor gegen den Jüngling zu bezeigen , dessen ihrer Ansicht nach ihm angebornes Mißgeschick ihre innige Theilnahme erregte . Als endlich der Zeitpunkt erschien , wo Richard das gastliche Dach , das in früher Kindheit ihn aufnahm , verlassen mußte , um seiner künftigen Bestimmung zu folgen , da war es Eudoxia , die zuerst auf den Gedanken kam , ihn , dessen bloßer Anblick verrieth , wie schwer jetzt am Scheidepunkte das Gefühl des Verlassenseins von neuem auf ihm laste , durch mannigfaltige Beweise der Theilnahme und des Andenkens beim Eintritte in seine neue Wohnung trostbringend begrüßen zu lassen . Von nun an fühlte Richard sich weit glücklicher und freier , als er in seinem früheren Mißmuthe für möglich gehalten . Bedeutend