wer weiß was alles , so teuer , daß oft auf einem Ecktisch oder in einem Schrank der Wert von Tausenden enthalten ist , für die man erfreuliche Kunstwerke haben könnte , mag ich gar nicht sprechen . Hier drängt man Malerei und Kunst einer geringfügigen Materie auf , in der alles kleinlich erscheinen muß , und entfernt vom Metall , dem Silber und Golde alle Anmut , stellt die nackten Formen des Bedürfnisses hin , wo Zier und Schmuck so bedeutend werden kann , um recht darzutun , wie verkehrt wir in allen Dingen geworden sind . « » Du hast mir jetzt vielerlei erzählt , mein Freund « , sagte der Baron , » aber wie verbindest du denn in deinem eigenen Leben so manchen phantastischen Hang , wie z.B. den , der dich einmal fast überwältigte , Schauspieler zu werden , mit diesem soliden Streben , mit deiner Bürgerlichkeit , mit deiner Gründlichkeit und Ruhe ? « Nach einigem Nachdenken antwortete der junge Meister : » Ich glaube , daß alle , oder doch die meisten Menschen aus Widersprüchen zusammengesetzt sind ; diese nun auf gelinde , gewissermaßen kunstreiche Art zu lösen , ist die Aufgabe des Lebens . Gewaltsame Leidenschaften , erschreckendes Unglück , tolle Ausschweifung , sind wohl sehr oft Mangel an Geschick und Kunstsinn zu nennen . Ist es nicht wieder in anderer Gestalt die gebildete Vereinigung der geraden und krummen Linie , der notwendige Zierat , der dem nackten Leben zur schmückenden Umkleidung gegeben wird ? Was sich zu widersprechen scheint , vereinigt sich gelinde und schön , gerade das , was überflüssig und unvernünftig aussieht , ist es , was dem Wahren , Festen und Richtigen Gehalt und Schönheit gibt . Vielleicht sind wir , gegen unsere Vorfahren gehalten , hierin ebenso zurück , wie im Hausrat , wenngleich mancher unter uns mit jenen Buchdruckerstöcken oder Schnörkelfiguren zu vergleichen ist , welche die geschweifte Linie gleichsam toll gemacht hat . Die Ausschweifung an sich selbst soll nicht dasein dürfen . « » Lieber Freund « , sagte Elsheim , » du scheinst mir da einen ebenso sonderbaren als wahren Gedanken ausgesprochen zu haben , der mir vieles in ein verständliches Licht rückt , was sich mir oft als Rätsel hat aufdrängen wollen . « - Es war ein heißer Tag geworden , und beide Reisenden sehnten sich nach Erquickung . » Haben wir noch weit zur Station ? « fragte Elsheim den Fuhrmann , » und treffen wir dort ein gutes Wirtshaus ? « Der junge Mensch wandte vom Bock sein freundliches Gesicht in den Wagen hinein und sagte : » Dort hinter dem Walde kommt das Städtchen schon hervor , und der Gasthof ist der beste von der Welt ; die Wirtin besonders ist ein wahrer Engel , durch sie wird der Mann reich , denn alle Fuhrleute kehren seitdem in der goldnen Traube ein , so daß das Haus weit im Lande berühmt ist . « Schon befanden sie sich unter einem hohen Lindengange , der in das Städtchen führte , das heiter aussah und ziemlich volkreich war . Sie hielten vor einem großen Hause , und da beide Freunde es liebten , auf einige Stunden unter den übrigen Gästen verschiedener Stände zuzubringen , so begaben sie sich unten in das große Wirtszimmer . Eine schon bejahrte Frau schoß ihnen in übertriebener Hast mit schreiender Stimme entgegen : » Wollen Sie sich ' s bequem machen , meine Herren ? « und da sie sah , daß die Fremden wie scheu zurückfuhren , sagte sie milder und gesetzt : » Wenn Sie kein eigenes Zimmer befehlen , Ihr Gnaden , so sein Sie nur so gut , hier hereinzuspazieren . « Beide Freunde verwunderten sich stillschweigend , daß diese Figur dieselbe Wirtin sein sollte , die ihr Fuhrmann ihnen als Engel bezeichnet hatte . Sie fanden in dem großen Saale verschiedenartige Menschen . In der Nähe der Küche saß der korpulente und phlegmatische Wirt und verzehrte sein Mittagsessen , ohne sich um seine Gäste zu bekümmern ; nicht weit von ihm waren zwei Männer , die Geistliche zu sein schienen , in den Zeitungen und politischen Gesprächen darüber vertieft , diese hatten nur Wein vor sich stehen ; an einem großen Tisch fiel eine bunte Gesellschaft in die Augen , einige Weiber und Mädchen , mit Bändern und Seide auf unpassende Art geschmückt , und einige Männer dazwischen , in abgetragenen Kleidern , alle sehr lärmend und heftig begehrend , welche , wie man nachher erfuhr , eine Gesellschaft von reisenden Schauspielern waren ; ganz einsam in eine Ecke gekrümmt , saß ein Jude , der still sein kleines Frühstück verzehrte , und auf alle Gegenwärtige ein wachsames Auge hatte ; die übrigen im Zimmer waren jüngere und ältere Fuhrleute und Kärrner . Elsheim bestellte ein Mittagsessen und Wein , und mit der größten Schnelligkeit ließ die Wirtin das weißeste Tischzeug auf einen kleinen Tisch legen , den sie so zu stellen wußte , daß niemand im Saal den beiden Reisenden beschwerlich fallen konnte ; von einer reinlichen Magd wurde sauberes Fayencegeschirr und blanke Gläser , nebst Silberzeug hingelegt , und bald erschien die Suppe . Die Wirtin wurde zu den Schauspielern gerufen , wo sich ein lauter Streit über den Anteil erhoben hatte , den die Mitglieder an der Rechnung haben wollten , oder zu haben leugneten ; ihre durchdringende Stimme , Überredung und einiger Scherz wußte bald die Ruhe wiederherzustellen . Ein stiller Blick des Juden lud sie ein , sie ging in seine Ecke , stellte sich nahe zu ihm und rechnete heimlich mit ihm . Er schien zufrieden , und zog ohne Widerrede ein ledernes Beutelchen , bezahlte sie , sie dankte ihm freundlich , und geleitete ihn , so wenig er auch verzehrt hatte , bis zur Tür hinaus , offenbar in der guten Absicht , ihn vor den Späßen oder Angriffen der rohen Fuhrmannsbursche sicherzustellen . Unsern beiden Freunden entging diese Behendigkeit und Vielseitigkeit