. Der Anblick des kleinen Wesens , dem die Augen wie Kohlen im Kopfe brannten , und welches aus seinen Lumpen so keck hervorsah , als sei es eine Prinzessin , rührte ihn . Er ließ das Kind sich abtreten , und beschloß , es zu seinem Gewerbe anzuführen . Indessen brachte ihm diese wohltätige Handlung keinen Segen , sondern nur Herzeleid . Fiametta , die lieber Flämmchen heißen wollte , war das eigensinnigste , widerspenstigste Ding , was polnisches und spanisches Blut , vereinigt erzeugen können . Die sogenannte Erziehung , welche ihr in jener Komödiantenwirtschaft zuteil wurde , fruchtete nichts , und unmöglich war es , sie zum Auftreten zu bewegen . Sie begreife nicht , sagte sie , wozu das dumme Zeug , wie sie das Schauspiel nannte , diene ? der falsche Vater lüge ja den ganzen Tag über , warum er denn des Abends zu seinen Lügen die fremden Kleider anziehe ? Einmal hatte man sie unter Mühe und Not , durch Hunger und Kummer dahin gebracht , die Rolle des Knaben Otto in der » Schuld « zu lernen . Der Abend kam , Flämmchen ließ sich gehorsam anziehen , schminken wolle sie sich schon selbst , sagte sie . Jerta stand auf den Brettern , und deklamierte die erhabensten Sachen , Elvire zitterte noch von dem Ereignis mit der gesprungenen Saite , da kam Flämmchen , der kastilianische Knabe , aber wie ? Rot , blau , gelb , grün , weiß , und was für Farben noch sonst ! hatte sie sich in das Gesicht gestrichen , sie glich durchaus den Makis mit den Regenbogenwangen , welche die Zierden der umherwandernden Menagerien zu sein pflegen . Jerta verstummte , Elvire kreischte , das Publikum wußte nicht , woran es war . Flämmchen trat an den Rand des Proszeniums , sang ein Lied ohne Sinn und Verstand , sprang ins Orchester , half sich am Baß empor , kletterte über die Brüstung , war im Parkett , wischte sich gelassen die Schminke aus dem Gesichte , und erklärte den Leuten in den Sperrsitzen , es sei ihr unmöglich , vor der ganzen Stadt die verrückten Streiche zu machen , die man von ihr begehre . Nach der Bühne rief sie hinauf : » Spielt nur weiter , ihr könnt meine Sachen auslassen ! « Man denke sich die Verzweiflung der Schauspieler und den Jubel des Publikums ! Geschrei , Gelächter , Klatschen von oben bis unten , aus allen Ecken des Hauses ! Man verlangte Flämmchen in den Logen , im Parterre , überall . Sie aber blieb ruhig in einem Sperrsitze , und schien sich um den ganzen Lärmen nicht weiter zu kümmern . Bald wurde das Publikum seines Jubels auch wieder müde , man forderte von den armen Schauspielern heftig das Stück ! Don Valeros , der Vater und Pflegevater trat heraus , erklärte , der beklagenswürdige Vorfall mache die Fortsetzung der » Schuld « unmöglich , und kündigte den » Lustigen Schuster « an . Nun gingen die Gebildeten aus dem Theater , ließen sich das Legegeld an der Kasse zurückgeben , und nur der Pöbel blieb . Seit diesem verderblichen Abende , der dem Pflegevater vom Direktor auf Rechnung gestellt wurde , wünschte jener herzlich , der Bürde entledigt zu sein , die seine Gutmütigkeit ihm aufgeladen hatte . Es kam dazu , daß alle Menschen , und insbesondere die jungen Männer , Partei gegen ihn und für Flämmchen nahmen , deren Eulenspiegeleien jedem , der nicht durch dieselben litt , gefielen . Man redete auf ihn ein , er müsse nur zu erziehen wissen , er müsse diese Natur nach Prinzipien behandeln . Der arme Komödiant wußte aber von Pädagogik so viel , wie von den Bewohnern des Sirius . Er war daher mit seinem Verstande durchaus am Ende , und verschwor , jemals wieder die Tugend der Wohltätigkeit zu üben . Nachdem er wegen schwindenden Gedächtnisses verabschiedet worden war , zog er durch das Land , und stoppelte noch hin und wieder ein Deklamatorium in irgendeinem Winkel zusammen . Auch nach dem kleinen Städtchen war er in dieser Hoffnung gekommen , hatte aber erst nichts zustande bringen können , und stilliegen müssen . Hier fand er eine frühere Bekanntschaft wieder , einen alten verwitterten Menschen , der mit dem Johanniterkreuze geziert war , und , da der Orden nichts mehr zu leben gibt , sich zu einem kleinen Posten , wenn wir nicht irren , im Zollfache hatte bequemen müssen . Sie hatten einander in besseren Verhältnissen gesehn . Damals war der Pflegevater ein beliebter Akteur , der andre ein kräftiger , lebensfrischer Offizier gewesen . Letztrer gehörte zu den Figuren , wie deren so viele in Deutschland umherwanken . Er hatte während der Umwälzungen unsres Vaterlandes mehreren Herrn nacheinander gedient , und war auch eine Zeitlang der Kamerad von Flämmchens Vater gewesen . Er sah das geckenhafte Mädchen bei dem alten Genossen seiner schöneren Erinnrungen , und faßte eine Zuneigung zu ihr . Nach seiner Meinung mußte der schöne Trotzkopf mit vernünftiger militärischer Strenge behandelt werden . » All dein Gebelfre hilft nichts « , sagte er zum Komödianten . » Sie muß durch Disziplin , Kommando , Tempo , Prison und dergleichen in Ordnung kommen . « Er bat , Flämmchen ihm zu geben . Die Ordnung und die Sparsamkeit selbst , besaß er eine kleine Wirtschaft , und mochte vielleicht bei seinem Vorschlage den Gedanken an eine junge Frau zum Troste seines Alters im Hintergrunde der Seele hegen . Wer war froher , als der Pflegevater ? Mit Freude schlug er ein , nur besorgte er im stillen , daß der Johanniter sein Flämmchen nach wenigen Wochen als unverbesserlich ihm zurückgeben werde . Vorderhand vereitelte aber ihre Flucht die Überlieferung . Flämmchen entsprang nämlich , sobald sie hörte , daß ihrer eine strenge militärische Disziplin harre . Die Unordnung war noch das einzige , was sie am Pflegevater liebte , sie hatte schon immer