durch einen Schutzpatron wiederfinden lassen werde . Hier erwiederte sie lebhaft den Druck meiner Hand . Dann nachdenklich an den Fingern zählend , fiel sie wieder ein : Die heilige Agatha behütet den weiblichen Busen , damit er sich nicht einnehmen läßt von den trüglichen Worten der Schmeichler und falschen Freunde . Hier rückte sie weit von mir ab , an die andere Ecke der Bank , und wandte ihr Gesicht seitwärts . Der heilige Rochus ist gut gegen die Pest , rief ich ihr mit dem stärksten Baßlaut meiner Stimme nach . Er muß angerufen werden , wenn die Pest des Mißtrauens sich in die Gemüther schleicht . Die heilige Apollonia stärkt und schärft die Zähne ! sagte sie , mit einer kecken Wendung wieder näher rückend , als fürchte sie sich gar nicht vor mir , denn daß die natürlichen Waffen ihres Geschlechts ihr gut gerathen waren , zeigte die glänzende Perlenreihe ihres Mundes an , als sie ihn jetzt zum lauten Lachen öffnete . Der heilige Uldaricus verjagt die Mäuse , sagte ich , wenn sie mit ihren weißen Zähnchen gefährlich zu werden ansangen . Der heilige Nepomuk weist einem den Weg über Straßen und Brücken , erwiederte sie . Man ruft ihn an , wenn man seiner losen Reden wegen fort und davon gejagt wird . Der heilige Wendelin behutet die Lämmer , entgegnete ich . Das unschuldige Lamm , das verfolgt wird , geht bei ihn klagen . Der heilige Christoph bewacht das Geld , sagte sie . Er wird angerufen in zweifelhaften Fällen , wo man falsche Münze von der ächten nicht unterscheiden kann . Und nun hatte ich wahrhaftig keinen einzigen Heiligen mehr in meinem Gedächtniß , mit dem ich ihr auf ihre letzte Bemerkung hätte dienen können , und ich mußte ihr in unserm Heiligen-Duett schon diese triumphirende Schlußcadenz lassen . Es war aber merkwürdig , sie zu sehen , wie mit ihrer schmerzlichen Stimmung , mit der sie noch vor Kurzem gekämpft , so schnell der holdeste Muthwille hatte wechseln können . So bricht durch die bittersten Thränen der Jugend oft rasch ein unverwüstlicher Reichthum an Frohsinn wieder aus . Sie sehen , im Heiligendienst bleiben Sie hinter mir zurück ! nahm sie wieder das Wort . Mein guter Vater - bei dessen Erwähnung zuckte sie immer unwillkürlich - wird sich morgen einmal freuen über seine sonst so ungerathene Tochter . Aber was werden Sie sagen , daß ich auch die Reliquien alle , welche Kaiser Karl IV. auf seinem Schlosse Carlstein besessen , habe auswendig lernen müssen mit meinem widerspenstigen Gedåchtniß ! Da bedauerte ich sie . Denn damit war ich freilich nie geplagt worden . Ich hatte zwar von dem Reliquien-Schlosse gehört , das dieser fromme und in so vieler Hinsicht hochverdienstliche Kaiser und Böhmenkönig eigens zur Aufbewahrung seines Heiligen-Museums erbauen lassen , aber meine Kunde von seinen Sammlungen hatte sich bisher nur auf den Fetzen aus der ägyptischen Finsterniß beschränkt , den er wirklich in Carlstein aufbewahrt haben soll . Sie nahm eine gelehrte Miene an , und sagte mit einem komischen Seufzer : Das genaue Verzeichniß dieser weltberühmten Reliquien-Sammlung befindet sich hinter der böhmischen Chronik ( Kronyka czeska ) des Wenceslaus Hagek a Liboczan , einem , allen Heiligen sei es geklagt , gerade hundert Pfund schweren Folianten , aus dem es sich diese armen Augen haben auflesen müssen , vielleicht gar zur Strafe , daß sie früher in so viele Romane geblickt . Lassen Sie mich von den Achseln , Zähnen , Kinnbacken , kleinen Fingern und großen Zehen , Hemden , Schuhsohlen , Strumpfzwickeln und Brustlatzen aller der Märtyrer , Apostel und Patrone schweigen . Ich schaudere vor mir selbst über diese ganze Glieder-Anatomie , die ich davon in meinem unschuldigen Kopfe beherbergen muß , und Nachts habe ich unruhige Träume , und nichts als Knochen und Skelette der Heiligen höre ich rasseln in meiner geängstigten Phantasie . Denken Sie , neulich erschien mir die abgezogene Haut St. Matthäi , des Apostels , die sich ebenfalls auf Carlstein befunden , und daher auch in meinem Gedächtniß lebt , im Schlaf , und drohte mir , daß auch mir noch in meinen jungen Jahren nächstens die Haut abgezogen werden solle , wenn ich mich nicht zu einer besseren Christin bekehrte , und meine leichtsinnigen Hoffnungen , die ich auf die bunten Freuden dieser Welt gesetzt , fahren ließe . Doch ich will Ihnen lieber von den Heiligthümern unserer Jungfrau Maria erzählen , von denen das Verzeichniß in der That seltene und rührende Schätze aufführt . In der naiven Sprache dieses Chroniken-Registers heißt es folgendermaßen : » In einem silbernen vergüldeten Lädlein ist der wehrden Jungfrawen Schlayers ein Stück ; im selben Kästlein ist noch ein Stück vom Schlayer , darinnen die Mutter des Herrn unterm Kreutze gestanden , als ihr liebster Sohn daran geheftet gewesen , aus dessen heylichsten Leichnamb drei Blutstropfen auff ihren Kopff gefallen , und sind auff diesen Schlayer , biß auff Dato , so schön , als wann es diese Stunde geschehen ; allda ist auch ein Stück Wachs aus der Kertzen , so bei ihrem Tode gebrandt . « - - Aber ich darf Ihre ungläubigen Ohren , mein Herr , wohl nicht mit solchen Aufzählungen ermüden . Doch muß ich Ihnen sagen , da Sie vorher meine Andacht zur Madonna in Zweifel gezogen , daß mein Herz , wie andere Gedanken es auch oft haben mag , doch am meisten mit Liebe und Hingebung an ihr mildes Bild sich hängt . Soll denn gar nichts Katholisches an einem böhmischen Mädchen sein ? Nein , nein , die Madonna schenkt mir sanfte Träume , wenn ich zu ihr gebetet habe . Und an ihren Schleier mit den drei Blutstropfen drücke ich alle Abend , so oft ich weinend schlafen gehe , in Gedanken die nassen Augen , und dies große Symbol beglückt auch mich armes Mädchen , und kann mich sogar versöhnen mit den übrigen Abgeschmacktheiten , zu denen frommer Unverstand