sahe nur Sie . Viele werden sie machen , ich werde nur Sie sehen . Wenn ich die Sprache eines Dichters führen könnte , dann würd ' ich erst die Ausdrücke haben , welche Ihrer würdig sind . Ja , ich muß dies elende Wort bezaubern adoptieren und meine Gefühle hinter der armseligen Wendung verstecken , daß ich Sie versichre , Ihre Schönheit kann niemals vom Künstler getroffen werden ; denn müßte er nicht erblinden in der Anschauung solcher Reize , Madame ? « » Ich schäme mich , mein Herr « , sagte Wally , » Ihnen ein Wort empfohlen zu haben , das sie lernen sollten , um bald in die Gesellschaft der jungen Enthusiasten einzutreten ; denn ich sehe , daß Sie schon Meister sind in diesen allerliebsten Übertreibungen , die man um so lieber hört , je weniger Grund sie haben ! « » Sie weichen mir aus , Madame ; Sie vergessen , wenn Sie glauben , meine Liebe käme Ihnen ungelegen , daß Widerstand die Liebe verdoppelt . Sie haben die Wahl . Es ist wie mit den Sibyllinischen Büchern ; aber umgekehrt : immer mehr Liebe , aber doch immer nur die gleiche Summe . « Hier machte der Gesandte , der das Zimmer schon verlassen hatte , ein Geräusch nebenan und zwang beide jungen Leute , einen Moment darauf hinzuhören . Wally mußte über die etwas steifen Anträge ihres Schwagers lachen . Sein Feuer hatte mehr von dem russischen Spiritus . Für einen Italiener schien er ihr zu viel Worte zu machen . » Setzen wir uns aber « , sagte sie freundlich , » mein lieber Jeronimo . Wir wollen versuchen , wie wir uns arrangieren . Es gilt nur , daß man sich verständigt . Wollen Sie meine Farbe tragen ? Wollen Sie ins Wasser springen , wenn ich behaupte , es sei nicht tief ? Wollen Sie sich mit halb Paris schlagen , wenn ich die Caprice habe , Ihnen Dinge in den Mund zu legen , die Sie über die Herzogin von Breteuil , die Gräfin Allan , die Vikomtesse von Hericourt geäußert hätten ? Sie sehen , welche Arbeiten sich Ihnen auferlegen lassen , wenn Sie Herkules genug wären , sich in Dejanira zu verlieben . « » Bezaubernd , Madame , entzückend ! Wie liebenswürdig ! « » Und wenn wir auf dem Fuße hinken , womit der Liebhaber geht : so nehmen Sie den andern , den Fuß der Verwandtschaft , auf dem wir stehen . Ich glaube in der Art wohl , daß Sie ermüden können , Jeronimo , aber niemals , daß Sie fallen . « Die Tür öffnete sich . Die Vikomtesse von Hericourt trat ein . Sie war eine jener niedlichen Schwätzerinnen , an denen nichts hübscher ist als eine perennierende Begleitung ihrer Stimme mit einer luftpumpenden Bewegung aus der Brust heraus . Sie seufzte bei jeder Periode aus der innersten Tiefe her , und da sie es lächelnd tat und mit glänzendem Auge , bekam dadurch ihr Ausdruck eine hinreißende Gewalt , daß man sich die Triumphe dieser Frau erklären konnte . Jeronimo blieb aber bei aller dieser Grazie kalt . Er sprang nicht , wie junge Narren von fashionablem Tone mit Recht tun , wo es sich darum handelt , zwischen zwei schönen Frauen das Gleichgewicht zu erhalten , von einer zur andern über , sondern biß in seine Handschuhe , verlegen und nur Wally fixierend , die sein Benehmen nur als Affektation eines übertriebenen Eindrucks auslegen konnte . Die Vikomtessa hatte so viel mitzuteilen , zu klagen , zu weinen , zu lachen , daß Jeronimo sich mit ihr zu gleicher Zeit entfernte . Er war stumm bis auf den letzten Augenblick geblieben . Die ganze Geläufigkeit , mit der er begann , war gehemmt . Sie wußte nicht , wie sie diesen Charakter nehmen sollte . Er ist ein Russe , dachte sie unwillkürlich . Aber sie besann sich auf die Russen ihrer Bekanntschaft , auf welche dennoch keines der Merkmale Jeronimos passen wollte ; denn die Russen , immer begierig , sich elegant und zivilisiert zu zeigen und den Juchtengeruch durch Bisam , eine Unanständigkeit also durch die andere zu verdecken , affektieren überall gegen Damen eine ekelhafte Liebenswürdigkeit , springen von einer zur andern und üben sich in süßen Grimassen . Jeronimo mußte also doch ein Italiener sein . Am Abend kam Jeronimo in die Loge des sardinischen Gesandten . Wally hörte ihm gern zu ; er hatte Ansichten über Musik und viel biographische Notizen über die italienischen Komponisten . Doch alles war flüchtig ; denn eine Dame kömmt im Theater nicht zur Ruhe . Keine Meinung , die unter den Liebhabern verbreitet ist , ist so falsch als die von der Gunst , welche das Theater der Neigung gewähre . Man wird sein Idol neben sich haben , man wird stundenlang mit ihm flüstern können ; das ist gewiß ; aber das Idol wird auch immer zerstreut sein und hinter jeder aufgehobenen Lorgnette einen Mann vermuten , der mit dem Seufzenden neben ihr die Vergleichung aushält oder ihn wohl übertrifft in der Huldigung , die er ihr schenkt . Jener Satz gilt nur bei der Sentimentalität , welche nicht hört und nicht sieht , oder bei jenen kleinen Geschöpfen , die über ein geschenktes Freibillet glücklich sind und alles , was das Theater an Illusionen bietet , für die Schöpfung und die Bekanntschaft ihres Anbeters halten . Als Wally nach Hause begleitet war von ihrem Schwager und ihn noch einige Zeit bei sich gesehen hatte , zog sie sich in ihre Gemächer zurück . Es klopfte . Der sardinische Gesandte trat mit einem Armleuchter in ihr Schlafkabinett . Sie erstaunte ; denn solche Besuche waren ganz gegen die Verabredung . » Was ist ? « fragte sie gedehnt . » Liebes Kind « , sagte ihr Gatte ; » mein Bruder- « » Ihr Bruder ist sehr langweilig . « » Er liebt dich