: » Liebe fremde Frau , wirst Du mich zur Mutter bringen und zu meinem Hänschen ? « » Ich möchte Dir Mutter seyn , holdes Kind ! « erwiederte Esther freundlich : » wenn ich es nur seyn dürfte . « » Warum darfst Du denn nicht ? « fragte der Knabe zutraulich werdend : » Du bist so gut und lieb ; Dich möchte ich schon Mutter nennen , viel lieber als die schwarze Mutter , die mich beständig schmälen wird , weil ich sie verloren habe . « » Schmälen würde sie Dich ? « sprach Esther , ihn an sich drückend , » wäre sie dann Mutter ? Jubeln wird sie , und dem hochgelobten Gott danken , der Dich wieder in ihre Arme führt . « Der Knabe starrte sie verwundert an . » Gundel hat mir einmal von dem lieben Gott erzählt ! « sprach er hierauf . - » Nicht wahr , er ist überall ? « - » Ja , mein Kind . « - » Er läßt seinen Kindlein nichts Böses geschehen ? « - » Nein , mein Knabe . « - » So ist er nicht da , wo die schwarze Mutter ist . Sie hat mir oft wehe gethan , und Gott hat ihr ' s nicht verboten . Aber hier ist er , bei Dir , denn Du bist so gut und so schön , daß ich auch immer bei Dir bleiben möchte . « - » Ja ; der Ewige ist hier ! « rief Esther : » Er spricht aus Deinem Lallen , er thut sich kund in meinem Herzen , das Dich sein Kleinod nennen würde wäre es ihm erlaubt . « » Verblendete ! « sprach Jochai hinter ihr , der leise eingetreten war : » Danke Dem , den man nicht nennt bei seinem Namen , daß es Dir nicht erlaubt ist , diesen Christenauswurf in Deinen Armen zu hegen . Du sehnst Dich , hinabzusteigen zu den verworfenen Söhnen und unzüchtigen Töchtern Kains , wie die Fürsten des Himmels , Asa und Asael , Gelüsten trugen zu den Töchtern der Erde . Aber , so wie die fehlenden Engel hängen müssen zwischen Himmel und Erde , also wird auch Dich der Zorn des Herrn ereilen , wo Du nicht ablässest vom Irrthume . « Esther legte die Hand des Großvaters auf ihr Haupt , kniete nieder und sprach : » Vater , ich danke täglich dem Ewigen , daß er mich eine Tochter Zions werden ließ . Verkenne mich nicht . « - Jochai sah sie streng an , schüttelte das Haupt und redete : » Weib , Zögling der Schlange ! ob Du wahr sprichst , weiß nur Er allein . Aber Du schändest den Sabbath , daß Du hier am Bette des Christenbuben weilst , während ein Sohn des Gesetzes in unserem Hause leidet , auf den noch kein Strahl Deines Auges fiel . « » Du meinst Zodick ? « erwiederte Esther kalt , und stand auf : » Grete mag ihn pflegen und heilen . Das Gesetz verbietet mir , am heiligen Tage Wunden zu verbinden . « » Zodick ist ein getreuer Bekenner des Glaubens und dieser wird ihn heilen , ohne Dein Zuthun ; « versetzte Jochai , und führte Esther hinweg in die geschmückte Stube , obgleich sie sich nur ungern von dem weinenden Knaben trennte . » Was hast Du gegen den getreuen Zodick ? « fragte Jochai , da Beide sich wieder in der Sabbathsruhe sich befanden : » Sprich , rede offen . « » Mich ärgert der Mensch , so oft ich ihn erblicke ; « antwortete Esther offenherzig : » Seine ungeschlachte Gestalt , sein rothes Haar und sein schielender Blick sind mir zuwider . « » Liebe Deinen Bruder , spricht die Pflicht ; « versetzte Jochai : » Gewöhne Dich , auch den Häßlichen zu lieben , wenn er Dein Mann werden soll ; spricht die Klugheit . « Esther erbleichte , ... faßte sich indessen bald und fragte verlegen lächelnd : » Nicht wahr , Du scherzest , Vater ? - Zodick mein Gatte ? .... « » So wurde es ausgemacht , zwischen Deinem Vater und dem seinigen , « erwiederte Jochai . » Als ihr noch Kinder wart , habt ihr Euch schon die Hände gereicht , und : Missal Tobh ! gesagt , wie es unsre Rabbinen gesegneten Angedenkens verlangen . Zodicks Vater ist daheim gegangen , von wannen man nicht wiederkehrt , und auf seinem Gedächtniß sey Friede . Aber der Bund muß gehalten werden , so lange Zodick ein Mann nach dem Herzen Gottes bleibt . Er dient schon mehr denn sechs Jahre um Dich , und am Ende des siebenten wird er Dich heimführen nach Worms , wo noch unsre Brüder athmen dürfen , in ihren Ketten . « Esther las aus den Augen des Alten , daß der Sache kein Schwank zum Grunde liege , und die Angst fiel ihr schwer auf das Herz , um so mehr , da Jochai also fortfuhr : » In der letzten Zeit hab ich dann und wann Zweifel gehegt gegen Zodicks Frömmigkeit : immer hat er aber meine Zweifel widerlegt , und erst gestern hat sein trauriges Aussehen bestätigt , daß er gezwungen nur das Gesetz verletzt . Darum wollte ich Dich vorbereiten , und Dich bitten , nicht schnöde gegen ihn zu seyn . « » Ich kann immer noch nicht glauben , daß Du nicht scherzest , Vater ! « antwortete Esther : » Ist es jedoch Ernst , was Du mir verkündest , so glaube gewiß , daß Du und der Vater mich vielleicht zwingen können , den Widerwärtigen zu ehelichen , daß ich ihn aber niemals lieben werde . « » Ein fleißiger Mann verkehrt Kupfer in Gold , die Abneigung des Weibes in Liebe , « meinte Jochai . » Du wirst ihn näher kennen lernen ,