allerlei sonstigen Kurzweil zu treiben , wie es sich für ehrbare Männer geziemt ; man spielte wohl auch bei verschlossenen Türen ein Whistchen oder Piquet , und trank manchmal ein Gläschen über Durst , was wenigstens die böse Welt daraus ersehen wollte , daß sich die Herren abends in der Chaise des Wirtes zur Stadt bringen ließen . Der ehrwürdige Theologe aber pflegte immer lang vor Sonnenuntergang heimzukehren , man sagt , weil die Frau Doktorin ihm keine längere Frist erlaubt hatte ; er ging dann bedächtlichen Schrittes seinen Weg , vermied aber die breite Chaussee und schlug den Wiesenpfad ein , der dreißig Schritte seitwärts neben jener hinlief ; der Grund war , weil der breite Weg am schönen Sonntagabend mit Fußgängern besäet war , der Doktor aber die höhere Röte seines Gesichtes und den etwas unsichern Gang nicht den Augen der Welt zeigen wollte . So erklärten sich die Bösen den einsamen Gang Schnatterers ; die Frommen aber blieben stehen , schauten ihm nach und sprachen : » Siehe , er geht nicht auf dem breiten Weg der Gottlosen , der fromme Herr Doktor , sondern den schmalen Pfad , welcher zum Leben führt . « Auf diese Gewohnheit des Doktors hatte ich meinen Racheplan gebaut . Ich paßte ihm an einem schönen Sonntagabend , der alle Welt ins Freie gelockt hatte , auf , und er trat noch bei guter Tageszeit aus dem Wirtshaus . Mit demütigem Bückling nahte ich mich ihm , und fragte , ob ich ihn auf seinem Heimweg begleiten dürfe , der Abend scheine mir in seiner gelehrten Nähe noch einmal so schön . Der Herr Doktor schien einen kordialen Hieb zu haben ; er legte zutraulich meinen Arm in den seinigen , und begann mit mir über die Tiefen der Wissenschaften zu perorieren . Aber ich schlug sein Auge mit Blindheit , und indem ich als ehrbarer Studiosus neben ihm zu gehen schien , verwandelte ich meine Gestalt und erschien den verwunderten Blicken der Spaziergänger als die » schöne Luisel « , die berüchtigste Dirne der Stadt . - Ach ! daß Hogarth an jenem Abend unter den spazierengehenden Christen auf dem breiten Wege gewandelt wäre ! Welch herrliche Originale für frommen Unwillen , starres Erstaunen , hämische Schadenfreude hätte er in sein Skizzenbuch niederlegen können . Die Vordersten blieben stehen , als sie das seltsame Paar auf dem Wiesenpfad wandeln sahen , sie kehrten um , uns zu folgen , und rissen die Nachkommenden mit . Wie ein ungeheurer Strom wälzte sich uns die erstaunte Menge nach , wie ein Lauffeuer flog das unglaubliche Gerücht : » Der Doktor Schnatterer mit der schönen Luisel ! « von Mund zu Mund der Stadt zu . » Wehe dem , durch den Ärgernis kommet ! « riefen die Frommen ; » hat man das je erlebt von einem christlichen Prediger ? « » Ei , ei , wer hätte das hinter dem Ehrsamen gesucht ? « sprachen mit Achselzucken die Halbfrommen , » wenn der Skandal nur nicht auf öffentlicher Promenade - ! « » Der Herr Doktor machen sich ' s bequem ! « lachten die Weltkinder , » er predigt gegen das Unrecht , und geht mit der Sünde spazieren . « So hallte es vom Felde bis in die Stadt , Bürger und Studenten , Mägde und Straßenjungen erzählten es in Kneipen , am Brunnen und an allen Ecken ; und » Doktor Schnatterer « und » schön Luisel « war das Feldgeschrei und die Parole für diesen Abend und manchen folgenden Tag . An einer Krümmung des Wegs machte ich mich unbemerkt aus dem Staube , und schloß mich als Studiosus meinen Kameraden an , die mir die Neuigkeit ganz warm auftischten . Der gute Doktor aber zog ruhig seines Weges , bemerkte , in seine tiefen Meditationen versenkt , nicht das Drängen der Menge , die sich um seinen Anblick schlug , nicht das wiehernde Gelächter , das seinen Schritten folgte . Es war zu erwarten , daß einige fromme Weiber seiner zärtlichen Ehehälfte die Geschichte beigebracht hatten , ehe noch der Theologe an der Hausglocke zog ; denn auf der Straße hörte man deutlich die fürchterliche Stimme des Gerichtsengels , der ihn in Empfang nahm , und das Klatschen , welches man hie und da vernahm , war viel zu volltönend , als daß man hätte denken können , die Frau Doktorin habe die Wangen ihres Gemahls mit dem Munde berührt . Wie ich mir aber dachte , so geschah es . Nach einer halben Stunde schickte die Frau Doktorin zu mir , und ließ mich holen . Ich traf den Doktor mit hoch aufgelaufenen Wangen , niedergeschlagen in einem Lehnstuhl sitzend . Die Frau schritt auf mich zu und schrie , indem sie die Augen auf den Doktor hinüberblitzen ließ : » Dieser Mensch dort behauptet , heute abend mit Ihnen vom Wirtshaus hereingegangen zu sein ; sagen Sie , ob es wahr ist , sagen Sie ! « Ich bückte mich geziemend und versicherte , daß ich mir habe nie träumen lassen , die Ehre zu genießen ; ich sei den ganzen Abend zu Haus gewesen . Wie vom Donner gerührt , sprang der Doktor auf , der Schrecken schien seine Zunge gelähmt zu haben : » Zu Haus gewesen ? « lallte er , » nicht mit mir gegangen , o mit wem soll ich denn gegangen sein , als mit Ihnen , Wertester ? « » Was weiß ich , mit wem der Herr Doktor gegangen sind ? « gab ich lächelnd zur Antwort . » Mit mir auf keinen Fall ! « » Ach , Sie sind nur zu nobel , Herr Studiosus « , heulte die wütende Frau , » was sollten Sie nicht wissen , was die ganze Stadt weiß ; der alte Sünder , der Schandenmensch ! man weiß seine Schliche wohl ; mit der schönen Luisel hat er scharmuziert ! « » Das hat mir der böse Feind