kleinen seltsamen Dinge befreundet , wohnt auch in meiner Brust , aber eingepuppt , keiner freien Bewegung mächtig ; doch aus Ihrem Innern , mein Fräulein , schwingt er sich auf zu den lichten Himmelsräumen , in tausend schimmernden Farben , wie das glänzende Pfauenauge . - Ha , mein Fräulein ! als Sie sangen , aller sehnsüchtige Schmerz der Liebe , alles Entzücken süßer Träume , die Hoffnung , das Verlangen wogte durch den Wald und fiel nieder wie erquickender Tau in die duftenden Blumenkelche , in die Brust horchenden Nachtigallen ! - - Behalten Sie das Instrument , nur Sie gebieten über den Zauber , der in ihm verschlossen ! « - » Sie warfen das Instrument fort , « erwiderte Julia hoch errötend . » Es ist wahr , « sprach der Fremde , indem er mit Heftigkeit die Guitarre ergriff und an seine Brust drückte , » es ist wahr , ich warf es fort und empfange es geheiligt zurück ; nie kommt es mehr aus meinen Händen ! « - Plötzlich verwandelte sich nun das Antlitz des Fremden wieder in jene skurrile Larve , und er sprach mit hohem schneidenden Ton : » Eigentlich hat mir das Schicksal oder mein Kakodämon einen sehr bösen Streich gespielt , daß ich hier so ganz ex abrupto , wie die Lateiner und noch andere ehrliche Leute sagen , vor Ihnen erscheinen muß , meine hochverehrtesten Damen ! - O Gott , gnädigste Prinzessin , riskieren Sie es , mich anzuschauen von Kopf bis zu Fuß . Sie werden denn aus meinem Ajustement zu entnehmen geruhen , daß ich mich auf einer großen Visitenfahrt befinde . - Ha ! ich gedachte eben bei Sieghartsweiler vorzufahren und der guten Stadt , wo nicht meine Person , doch wenigstens eine Visitenkarte abzugeben . - O Gott ! fehlt es mir denn an Konnexionen , meine gnädigste Prinzessin ? - War nicht sonst der Hofmarschall Dero Herrn Vaters mein Intimus ? - Ich weiß es , sah er mich hier , so drückte er mich an seine Atlasbrust und sagte gerührt , indem er mir eine Prise darbot : Hier sind wir unter uns , mein Lieber , hier kann ich meinem Herzen und den angenehmsten Gesinnungen freien Lauf lassen . - Audienz hätte ich erhalten bei dem gnädigsten Herrn Fürsten Irenäus und wäre auch Ihnen vorgestellt worden , o Prinzessin ! Vorgestellt worden auf eine Weise , daß ich mein bestes Gespann von Septime-Akkorden gegen eine Ohrfeige setze , ich hätte Ihre Huld erworben ! - Aber nun ! - hier im Garten am unschicklichsten Orte , zwischen Ententeich und Froschgraben , muß ich mich selbst präsentieren , mir zum ewigen Malheur ! - O Gott , könnt ' ich nur was weniges hexen , könnt ' ich nur subito diese edle Zahnstocherbüchse ( er zog eine aus der Westentasche hervor ) verwandeln in den Schmuckesten Kammerherrn des Irenäusschen Hofes , welcher mich beim Fittig nähme und spräche : Gnädigste Prinzessin , hier ist der und der ! - Aber nun ! - che far , che dir ! - Gnade - Gnade , o Prinzessin , o Damen ! - o Herren ! « Damit warf sich der Fremde vor der Prinzessin nieder und sang mit kreischender Stimme : » Ah pietà , pietà Signora ! « Die Prinzessin faßte Julien und rannte mit ihr unter dem lauten Ausruf : » Es ist ein Wahnsinniger , ein Wahnsinniger , der dem Tollhause entsprungen ! « so schnell von dannen , als sie es nur vermochte . Dicht vor dem Lustschlosse kam die Rätin Benzon den Mädchen entgegen , die atemlos ihr beinahe zu Füßen sanken . » Was ist geschehen , um des Himmels willen , was ist euch geschehen , was bedeutet die übereilte Flucht ? « So fragte sie . Die Prinzessin vermochte , außer sich , verstört wie sie war , nur in abgebrochenen Reden etwas von einem Wahnsinnigen herzustammeln , der sie überfallen . Julia erzählte ruhig und besonnen , wie sich alles begeben , und schloß damit , daß sie den Fremden durchaus nicht für wahnsinnig , sondern nur für einen ironischen Schalk , wirklich für eine Art von Monsieur Jacques halte , der zur Komödie im Ardenner Walde passe . Die Rätin Benzon ließ sich alles nochmals wiederholen , sie fragte nach dem kleinsten Umstande , sie ließ sich den Fremden beschreiben in Gang , Stellung , Gebärde , Ton der Sprache u.s.w. » Ja « , rief sie dann , » ja , es ist nur zu gewiß , er ist es , er ist es selbst , kein anderer kann - darf es sein . « » Wer - wer ist es ? « fragte die Prinzessin ungeduldig . » Ruhig , liebe Hedwiga , « erwiderte die Benzon , » Sie haben Ihren Atem umsonst verkeucht , kein Wahnsinniger ist dieser Fremde , der Ihnen so bedrohlich erschien . Welchen bittern unziemlichen Scherz er sich auch seiner barocken Manier gemäß erlaubte , so glaube ich doch , daß Sie sich mit ihm aussöhnen werden . « » Nimmermehr , « rief die Prinzessin , » nimmermehr sehe ich ihn wieder , den - unbequemen Narren . « » Ei , Hedwiga , « sprach die Benzon lachend , » welcher Geist gab Ihnen das Wort unbequem ein , das nach dem , was vorgegangen , viel besser paßt , als Sie vielleicht selbst glauben und ahnen mögen . « » Ich weiß auch gar nicht , « begann Julia , » wie du auf den Fremden so zürnen magst , liebe Hedwiga ! - Selbst in seinem närrischen Tun , in seinen wirren Reden lag etwas , das auf seltsame und gar nicht unangenehme Weise mein Innerstes anregte . « - » Wohl dir , « erwiderte die Prinzessin , indem ihr die Tränen in die Augen traten , » wohl dir , daß du so ruhig sein kannst und unbefangen