wer diese Teufelei angerichtet hat . « Sogar dem Herrn Pfarrer war die Sache aufgefallen . Er rechnete nach und fand , daß die Aenderung so vieler Menschen angefangen hatte seit dem Sonntag , da er eine sehr lange Predigt über die christliche Wiedergeburt durch den Glauben gehalten hatte . Er meinte , damit habe er Alles ausgerichtet , und sagte es auch . Nun aber verfolgten ihn seit einiger Zeit die Gemeindsvorsteher , wo sie konnten , und die Wirthe spielten ihm allerlei böse Streiche hinterrücks , und gingen fast gar nicht mehr zur Kirche . Der Adlerwirth , um sein saures Bier anzubringen , verkaufte es um halben Preis ; er schwefelte seinen Wein , und machte ihn süß , und bezahlte alle Sonntage Spielleute , die mußten lustig aufspielen . Aber von den zweiunddreißig Hausvätern , ihren Söhnen und Töchtern kam Niemand . Der Löwenwirth suchte gleichfalls seine Kunden wieder an sich zu locken , that freundlich , schenkte Manchem umsonst ein und fragte : » Warum kommst du gar nicht mehr trinken ? « Sie antworteten : » Wir haben kein Geld ! « - Dann rief er : » Ei , Dummheit ! Ihr wisset ja , ich bin nicht so streng , und borge schon . Ihr seid mir lange gut genug . « - Aber die Leute kamen doch nicht . Da gerieth der grimmige Löwe in Wuth und sprach : » Wenn ihr mir ' s so macht , will ich euch die Faust auch zeigen . Ihr sollt an den Löwenwirth Brenzel glauben lernen ! « 15. Die Schuldbücher werden aufgethan . Die Sparkasse und die Garküche . Nun schlich bald der Eine , bald der Andere von den armen Leuten , die zu dem Goldmacherbund gehörten , in das Haus des Schulmeisters , und klagte seine Noth und sprach : » Siehe , Oswald , meine Gelübde , so schwer sie sind , halte ich sie doch pünktlich . Nun ist ' s ein halbes Jahr , ich bete und arbeite . Nun ist ' s ein halbes Jahr , ich spiele , saufe und zanke nicht mehr . Mein Haus ist schön säuberlich , Weib und Kind gehen reinlich . Keiner kann über mich klagen . Aber die Ortsvorsteher plagen mich auf allerlei Weise . Ich bin dem und diesem von ihnen schuldig . Nun drohen sie , mich aus meinem Hause zu treiben , wenn ich ihnen nicht zahle , oder nicht bei ihnen trinke . Hilf mir , Oswald , sonst kann ich das Gelübde nicht halten . In sechs und einem halben Jahre habe ich Geld vollauf ; strecke mir eine Summe vor , ich will sie dir dann wieder zahlen . « Oswald antwortete : » Das vierte Gelübde heißt : Beten , arbeiten , keine Schulden mehr machen . Ich darf dir also kein Geld borgen . Aber laß sehen , wem und wie viel du schuldig bist ; dann wollen wir nachdenken , wie aus der Noth kommen . « So sprach er , nahm eine Schreibfeder und Papier , setzte sich hin und schrieb das auf , was man ihm antwortete , wenn er fragte . Er fragte aber Jeden einzeln : » Wem bist du schuldig ? Wie viel und mit welchem Zins ? Wofür hast du die Schuld gemacht , und hast du Unterpfand gegeben ? « Nachdem er die ganze Schuldsumme des Mannes kannte , fragte er wieder : » Womit willst Du bezahlen ? Wie viel kannst du , oder können Weib und Kind in der Woche mit Taglohn verdienen ? Wie viel Land und Vieh hast du , und was kannst du wohl in mittlern Jahren von dem verkaufen , was du ärntest ? Wie ernährst du dich mit den Deinigen ? Was brauchst du zur Nahrung in einer Woche , in einem Tag ? Wie steht es mit den Kleidern und Wäsche und Geräth ? Was muß angeschafft werden , und wo kann man ohne Schaden sparen ? « Das alles schrieb Oswald von Jedem sorgfältig auf . Nun kam die lüderliche Haushaltungsordnung erst recht ans Tageslicht . Denn Mancher wußte nicht einmal genau , wie viel er schuldig war , und hatte nichts aufgezeichnet . Da mußte man sich erst bei den Gläubigern erkundigen . Mancher war drei , vier , fünf Zinse zu bezahlen rückständig . Da mußte man erst für diese sorgen . Mancher mußte an Gemeindsvorsteher , von denen er in der Noth Geld entliehen hatte , acht , auch zwölf vom Hundert verzinsen . Da mußte Oswald in die Stadt gehen , an drei und vier Prozent Geld aufnehmen , und gut dafür sprechen , damit die Wucherer bezahlt wurden , und nicht mehr durch Wucher einen armen Mann zu Grunde richten konnten . Mancher hatte wohl gar mehr Schulden als Vermögen . Da war schwer helfen . Doch sprach Oswald Allen Muth ein und sagte : » Sparen und arbeiten soll euch mit Gottes Hülfe schuldenfrei machen . Folget nur in allen Dingen meinem Rath ! « Nun erst sah er von diesen Leuten , wie schlecht sie gehauset hatten ; und dies that den Leuten nun selbst in der Seele weh . Nun erst erfuhr Jeder , was er nach Abzug aller Schulden von seinem Vermögen , als wahres Eigenthum , betrachten könne . Das war oft blutwenig , und ihnen schauderte die Haut vor Angst und Entsetzen darüber . Nun wollten Alle sparen , Alle arbeiten . Aber wie sollten sie es anfangen ? Oswald hatte unbeschreiblich viel Mühe . Aber die Mühe machte ihm Freude , weil er ein wahrer Menschenfreund war . Er machte Jedem ein Haus- und Schuldenbüchlein , worin Jeder den Zustand seines Vermögens deutlich sah . Dann ging er wieder in die Stadt , und suchte für Kinder und Erwachsene Arbeit von allerlei Art. Das gelang ihm nach und nach . Und was so mit Taglöhnen verdient wurde , das mußte wöchentlich aufgeschrieben