Blutes , mein Herr , sind hier geflossen , Ströme Blutes , sie haben die alte Zuverläßigkeit , den Respekt und die Devotion aus den Herzen der Franzosen weggespült . Glauben Sie mir , ich erkenne meine Mitbürger nicht , alles ist seitdem anders geworden , auch der junge Herr von Saint Alban war angesteckt , das Gift hatte ihn gewonnen , hatte ihn gefaßt , ich verstehe mich darauf , so etwas kränkelt heimlich fort , haben Sie mich verstanden , so etwas wird niemals ganz ausgeheilt , glauben Sie mir , der Tod hat es gut mit ihm gemeint . Alonzo half ihm über alles dies hinaus zu Blansches Jugendleben hin . Armand schenkte ihm indeß keinen Schreckenstag , kein bedeutendes oder unbedeutendes Ereigniß , und nur Schritt vor Schritt erfuhr er , daß Frau von Saint Alban Türgis im Arm , viele Meilen zu Fuß flüchten müssen , mit seinem Beistand und Geistesgegenwart endlich nach Holland übergeschifft , und lange nachher durch den Schutz einer deutschen Fürstin in ihr Vaterland zurückgekehrt sei . Hier , fuhr er fort , lebte sie in ehrwürdiger Verborgenheit einige Jahre an der Seite ihres kränkelnden Mannes und gab erst wenige Monate nach seinem Tode der schönen Blansche das Licht der Welt . Armes Kind , sagte sie bei ihrer Geburt , du hast nicht Vater , nicht Vaterland , was willst du in deiner verwaisten Familie ! Doch ich lächelte , und dachte bei mir , dies ist , oder ich kenne mich nicht darauf , das schönste Kind der Welt und recht gemacht die Ungerechtigkeit des Geschickes zu versöhnen . Frau von Saint Alban war um ihre Erziehung verlegen . Sie hatte indeß ein zu stolzes Herz und zu gute Sitten , um von ihren Grundsätzen abzuweichen , und widerstand daher allen Versuchungen , die sie mit der verderbten Gesellschaft des heutigen Frankreichs in Berührung setzen konnte . Doch die Vorsehung sieht ins Verborgene , und weiß die Aufopferungen der Tugend zu lohnen . Die Aebtissin vom Kloster Sainte Genevieve sah die kleine Blansche , nahm sie zu sich , und erzog sie in Demuth und Weisheit bis zu diesem Tag . Alonzo ward es nicht müde , auf verschiedene Fragen und Wendungen fast immer mit denselben Phrasen , dieselben Antworten zu hören . Die Sprache , die geschwätzige Beredsamkeit , das narcißartige Selbstbespiegeln , beäugeln und belehren , schien ihm nicht mehr lästig ! Er hatte sich in die Weise hineinsingen lassen , sie war ihm schon nicht mehr fremd , er fühlte sich sogar nie gemächlicher , nie entfernter von Streit und Ungleichheit , als wenn die veralteten Redensarten so schnarrlend an ihm hinleierten und jeder mahnende Aufschwung der Phantasie vor dem Paßschritt eingefugter Alltäglichkeit unterduckte . Armand kam ihm ganz gescheut vor , er erinnerte ihn an alles , was ihm die feinere französische Welt gezeigt , die Blüthe geselligen und litterärischen Witzes von Frau von Sévigné . an bis auf den heutigen Tag gelehrt hatte . Die Bildungsfähigkeit der Individuen fiel ihm zum erstenmale auf , er bemerkte , daß wenn man Armands Erzählungen Wort für Wort aufschriebe , und sie in irgend einem französischen Roman einschalten wollte , man just kein Buch dadurch verschlechtern würde . Der gute , redselige Alte ward es denn auch nicht müde die Conversation zu machen , und Alonzo durch Garten und Haus umherführend , das Geringfügige und Gewöhnliche so zu erklären , so umständlich zu entwickeln und dergestalt als Außerordentliches hinzustellen , daß jener oftmals irre an sich selber ward und nicht wußte , ob er auch wirklich jemals etwas Aehnliches sahe . Doch in so fern nur irgend eine Beziehung auf Blansche zu entdecken war , folgte Alonzo der weitschweifigen Anekdotenkrämerei und Erklärungssucht wie ein gebundener Löwe , ohne Widerstreben . Einst traten sie in eine schmale staubige Gallerie . Unter mehreren leer gewordenen Feldern hingen hin und her vergelbte Familienbilder , meist verzeichnet , unschön , in steifen , gezwängten Stellungen , den Tapetenfiguren ähnlich . Ganz im Schatten , aus dichtem Spinnengewebe , wie durch einen Schleier sah ein hübsches , blondes Gesichtchen auf die Beschauer nieder . Alonzo glaubte Blansche im veralteten Putz zu sehen . Armand auf seine Blicke aufmerksam , war sogleich auf einem Stuhl gestiegen und fuhr mit einem Tuch reinigend über das Bild . Eine junge Dame stand unter sehr hellem Himmel , und ließ mit der einen Hand einen Schmetterling aufwärts fliegen , während sie mit der andern den bräunlichen Carmelitermantel über die Schultern hing . Waren Minen und Geberden gleich etwas peinlich und geziert , so war doch Seele in dem Gedanken und ein wehmüthiger Anklang , der Alonzo blitzesschnell traf . Die Herzogin von la Valliere , sagte Armand erklärend , sie war Frau von Saint Alban mütterlicher Seits verwandt . Die schöne la Valliere rief Alonzo , das demüthige Veilchen ! Sie starb im Kloster , fiel jener ein . Ich weiß , entgegnete Alonzo gedankenvoll . Du früh gebrochenes Herz , sagte er gegen das Bild gewandt , die Welt hat dich zertreten , verworfen , aber du lebst in jeder fühlenden Seele fort . Sie ward selig gesprochen , unterbrach ihn Armand mit Erhebung . Sie hatte dreißig Jahr gebüßt , und war nun mit der Welt fertig . - War mit der Welt fertig , wiederholte Alonzo , wer das sagen könnte ! Und doch vergessen , doch in staubige Winkel geworfen ! Er schüttelte Armand die Hand und schlich ganz aufgestört und tiefsinnig durch den Garten , in Willens nach Hause zu gehen . Doch wie er sich aus den Buchenhecken wendend , nun den Rückweg antreten wollte , sahe er des Herzogs Wagen zu dem Eisengatter hineinbiegen . Er war im Begriff ihm nachzueilen . Doch besann er sich . Es fiel ihm ein , daß sein plötzlicher Anblick wohl die kaum beruhigten Gemüther stören könne . Er sagte sich das zuerst , wie man sich wohl aus schicklicher Rüksicht an etwas