allein , und , jedes andere Gespräch abbrechend , entdeckte er ihr , daß er gesonnen sei , sie und seine Kinder zu verlassen und sich allein nach Aegypten einzuschiffen . Ohne auf ihr Erstaunen und das Bestreben , ein Wort dazwischen zu reden , Acht zu haben , rückte er seinen Stuhl näher an den ihren , und fuhr fort , ihr die Geschichte jener Gewitternacht , die Verheißung und das Auffinden des seltsamen Buches zu erzählen , zugleich aber seinem Schmerz , über den unvermeidlichen Verlust desselben bei dem Brande des Schlosses , freien Lauf zu lassen . Er setzte hinzu , daß er fest glaube , es sei in Aegyptischer Sprache abgefaßt gewesen , weshalb er zu dem Quell der alten Weisheit hineile , die verborgenen Schätze aufzusuchen . Wie kommen Sie darauf ? fragte die Baronin ; warum grade in Aegyptischer Sprache ? Ich sehe davon die Ursach nicht ein ! Wie sollen Aegyptische Bücher nach den Ufern der Rhone kommen ? Die alte , versteinte Zeichensprache ist ja kein Gemeingut , mit welchem , am Weitesten zurückgegangen , Marsilias Erbauer Handelsverkehr getrieben hätten ! Viel natürlicher halte ich jenes Buch für eine Sammlung Altnordischer Zaubersprüche , welche sehr wahrscheinlich die alte wunderliche Königin Giselbertha , Ihre Stammmutter , aufsammeln ließ . Sie wissen , was der Abbee Cername für seltsame Nachrichten über sie aus dem Schloßarchiv herauslas ; wie sie durch das Auflegen ihrer Hände allerlei körperliche Schäden geheilt , welche Gabe sich lange in unsers Königs Hause forterbte , wie sie ferner Metalladern und den Lauf des Wassers unter der Erde durch physische Wahrnehmung herausgefühlt , und der Wunderkräfte und Eigenheiten mehr besessen hat . Der Marquis sah nachsinnend in die Flamme des Kamins ; - doppelt schlimm , rief er , wenn es so ist ! ein vererbtes heiliges Pfand ! und unersetzlich verloren , unersetzlich ! - Was hülfe es Ihnen , unterbrach ihn die Baronin , besäßen Sie es noch , Sie können es nicht gebrauchen , niemand kann jetzt absichtlich zaubern , niemand ; das ist vorbei , das soll vorbei sein . Wer sagt Ihnen das ! rief der Marquis sehr heftig . Die Ordnung Göttlicher und weltlicher Dinge , entgegnete die Baronin . O heilige Natur ! schrie er mit gewaltiger Stimme : kreisen Deine ewige Sonnen nicht Heut wie damals in ihren gesetzlichen Bahnen ! ist ihr Verhältniß zu einander ein neues geworden ! und ist der Mensch ein ausgestoßener Fremdling in Deinen azurnen Hallen ? Ja , sagte die Baronin fest und sicher , ein überwachsenes Kind ist er , das Thor ist ihm zu klein geworden , aus welchem er heraustrat , nun will er es einschlagen , das geht nicht , er soll leise anklopfen , es wächst mit seiner Demuth und wird höher und höher bis er bequem hineintritt ! Heilig nennt Ihr die Natur , Ihr Neuerer , und wollt Ihr doch Gewalt anthun ? - Nein Marquis , Heut zu Tage kann nur ein Kranker oder ein Teufel zaubern wollen ! Pauline ! - sagte der Marquis ernst - Sie reichte ihm freundlich die Hand . Ich meine es nicht schlimm , sagte sie , wir mißverstehn einander jetzt , wie so oft . Lassen wir das ! Nur das Eine : sind die Zauberformeln rechter Art , so kommen Sie zu ihrer Bedeutung ; so viel ist einmal gewiß ! Wie meinen Sie das ? fragte der Marquis . Es wird sich ja zeigen , entgegnete sie . - Beide schwiegen . Das Gespräch war in sich zurückgefallen , keiner nahm es wieder auf , und es blieb alles wie es war . In dem Marquis war indeß ein Gedanke zur Sprache gekommen , der , sich weiter entwickelnd , eine Art von Beruhigung für ihn hatte . Er hielt nemlich das geheimnißvolle Buch nicht für das einzige Erbgut seiner Stammmutter , und , die Nothwendigkeit des eigenen Daseins durch sie erkennend , war er überzeugt , einen Schatz geheimer Kräfte in sich zu tragen , welcher , trotz dem Dunkel der Zeit , sicher an das Licht treten werde . Er hielt sich an diese Ueberzeugung , ward zuverläßiger in sich selbst , heiterer und achtsam auf die äußere Umstände , wie auf den Gang des Lebens , in welchem er die Einflüsse seiner Natur zu belauschen hoffte . Wie seltsam und ungewöhnlich er auch unter dem stäten Erspähen erschien , so trat ihm doch das Außenleben näher , er ließ sich ein damit , und es wirkte langsam und still wohlthätig auf ihn zurück . Die Baronin glaubte einen Umschwung in ihm bewirkt zu haben , und freuete sich der Gewalt ihrer Worte . Doch zu klug , um durch voreiligen Triumph die Eitelkeit und den Eigensinn des Marquis zu wecken , sammelte sie im Stillen die Früchte ihres Sieges und war auch ihrer Seits leichter ums Herz . So stand es mit allen Gliedern der kleinen Familie , als sie eines Abends bei der Baronin versammelt waren und heiter über ihre Zukunft sprachen . Der Marquis , überzeugt die Unruhen in Frankreich auf irgend eine Weise bald geschlichtet zu sehn , äußerte den Plan , den Winter über ruhig in Chambery zu bleiben , und dann erst zu bestimmen , ob sie nach Deutschland flüchten oder nach Frankreich zurückkehren wollten . Im letztern Fall , den Alle im Geheim als gewiß annahmen , erklärte er , daß er unverzüglich aus den Trümmern des eingeäscherten Schlosses ein neues , ganz im Plan des alten , erbauen werde , daß ihm die Stätte heilig , dieser Punkt auf der Erde durch Gesetz und Natur angewiesen sei , und er ihn auch , als die eigentliche Sphäre seiner Wirksamkeit , behaupten werde . Die Baronin ward durch das Feuer seiner Worte an seine früheste Jugend erinnert , und glaubte um so fester , er wolle von Anfang herauf ein ganz frisches , sicheres Leben beginnen . Giannina bat Marien leise