unparteiisch bleiben soll ! Er empfing uns ziemlich anständig ; aber die Thiara , die von seinem Haupte strahlte , der Thron , auf dem er hoch erhoben , saß , verengten meine Brust , und schloßen meine Lippen . Mein Vater führte das Wort . Er stellte mich ihm vor , er bat ihn um einen Platz unter den Truppen für mich . Ich ließ Alles geschehen , ohne eine Sylbe zu sprechen . Mag mich der Tyrann für einfältig oder störrisch halten , mir gilt es gleich . Doch hat er mich zum Centurio ernannt , und übermorgen gehe ich mit Tiridates zum Heere ab . Hier brennt der Boden unter meinen Füßen . So ungewohnt meiner Denkart das wilde Leben im Lager seyn wird , so wird mir doch dort im Freien , im Getümmel , besser seyn , als hier . Sisenna Statilius hat das Haus neben dem unsrigen wieder verkauft , es gehört einem unbedeutenden Bürger . Unter einem Vorwande war ich gestern dort . Es ist noch Vieles unverrückt , wie es vor acht Jahren war . Mir war sehr weh und sehr wohl zu Muthe . Ich erkundigte mich nach seinen ehemaligen Bewohnern . Die Meisten in Nikomedien erinnerten sich ihrer kaum mehr doch wollen einige gehört haben , daß Timantius in Syrien , unbekannt , unter einem fremdem Namen gelebt habe , und vor ein paar Jahren gestorben sey . Die Söhne sind zerstreut , die Tochter - o Phocion ! wie schlug mein Herz - soll geheirathet haben ! Geheirathet ! ! Also bin ich vergessen ! Kann ich es ihr verdenken ? Und doch schmerzt es mich ! Vielleicht ist sie auch schon todt ! Ich weiß nicht , in welchem Gedanken mehr Qual liegt . Sie zu finden ist wohl jede Hoffnung verloren , und nichts ist , was mir Ersatz gewähren könnte ! Calpurnia nun gewiß nicht ! Ich habe mich in Rom seltsam von ihr getrennt . Als ich ihr meine Abreise ankündigte , schien sie - nicht bewegt , nicht wie eine Freundin betrübt ; sie schien beleidigt , gereizt . Ihre Eitelkeit war gekränkt . Der Sclave , den sie sicher an ihrem Triumphwagen gekettet glaubte , war noch stark genug , sich loszureißen . Das war ihr unerhört , unverzeihlich . Sie behandelte mich nun beständig so , bis zum Tage meiner Abreise , und ich ward sehr ernst durch die Entdeckung dieser Falte in ihrem Gemüthe . So ist auch sie , die so weit über den meisten Weibern steht , von dieser allgemeinen Schwäche nicht frei , und keiner Freundschaft fähig , wenn Eitelkeit sich in ' s Spiel mischt ! Nur Ein Weib habe ich gekannt , in deren reinem mildem Gemüth nichts als Liebe , holde Demuth und Selbstvergessenheit war ! Nur Eine ! Und wo ist sie ? Beim wirklichen Abschiede schien indeß Calpurniens besseres Selbst die Oberhand zu gewinnen . Sie entließ mich , wie die Freundin den werthen Freund , theilnehmend , gütig , gerührt . Wir haben uns zu schreiben versprochen . Die Erinnerung an ihren Liebreiz , an ihre hohen Vorzüge wird mich , wie die Erinnerung an einen froh durchlebten Tag , freundlich begleiten : aber ich glaube versprechen zu können , daß sie meine Freiheit nie stören wird . Dazu sind wir zu unähnlich . Mögen gute Götter sie beschützen , und bald ein würdiger Gatte ihre Vorzüge erkennen und mit Liebe vergelten ! Ich schreibe dir heute nicht mehr . Die Anstalten zu meiner Reise , die ich mit großer Eile betreibe , rauben alle meine Muße . Leb ' wohl ! Fußnoten 1 Diocletian war der erste römische Kaiser , der , vielleicht aus sehr guten Ursachen , in diesem verderbten Zeitalter jene Popularität ablegte , die längst aufgehört hatte , mehr als Maske und eine kluge Schonung alter Volksbegriffe von Republikanismus zu seyn . Er führte persisches Ceremoniel ein , trug eine Thiare , eine mit Perlen besetzte Binde im Haar , und umgab sich mit einer blendenden Hülle von Pracht , Gefolge und Unzugänglichkeit . 15. Calpurnia an Sulpicien . Rom , im Mai 301 . Mein treuer Phädo bringt dir diesen Brief sammt dem Einschlusse , der dir freilich lieber seyn wird , als Alles , was der meinige enthält . Ich will dir ' s auch nicht übel nehmen ; denn ich würde im umgekehrten Falle eben die Nachsicht , von dir fordern , wenn ich ihrer bedürfte . Ich bin aber so glücklich , oder so unglücklich , wenn du willst , daß die Briefe , die ich bekommen soll , ganz frei und ungehindert zu mir gelangen können , ohne des Einschlusses einer dienstfertigen Freundin zu bedürfen , die die mir unbemerkt in die Hände spielt . Vielleicht sind sie aber auch aus dieser Ursache so beschaffen , daß die ganze Welt sie unbedenklich lesen dürfte . Es ist nun einmal eine Eigenheit des männlichen Herzens , daß es nur durch das heftig gereizt wird , was ihm verwehrt ist , und einen Gegenstand nur nach dem Maaße des Kraftaufwandes schätzt , den ihm sein Besitz kostete . Sie können nicht dafür , die armen Herren der Schöpfung ; die Natur hat diese Triebe in ihr Herz gelegt . Wir wollen sie auch darum nicht verdammen , aber in Acht sollen und werden wir uns vor ihnen nehmen . Wende mir nicht ein , Sulpicia , daß das überhaupt eine Eigenheit des menschlichen Herzens , und eine Anstalt des Schicksals sey , um unsre Fähigkeiten zu wecken und zu entwickeln . Ich weiß wohl , daß die Mutter manchmal auch das schwächliche Kind , das ihr viel Sorgen und Mühe gemacht hat , mehr liebt , als die übrigen ; und wie manche Frau sehen wir nicht in seltsamer Verirrung mit unauslöschlicher Zärtlichkeit an einem Mann hängen , der ihr durch Leichtsinn und Untreue nichts als Kummer macht ? Doch nie - gewiß nie wendet