Parthie , die Adelaide machen konnte ; das Schlimme war nur , daß es für Adelaiden keine gute Parthie gab . Vermöge der Eigenthümlichkeit ihres Geistes standen ihre Mittel nie in einem nur erträglichen Verhältniß zu ihren Zwecken . Man hätte mit großer Wahrheit von ihr sagen können : Sie setze einen Ocean in Bewegung , um eine Feder fortzuschaffen . Die Liebe ihres Gatten zu gewinnen , glaubte sie sich die Hochachtung der ganzen Welt erwerben zu müssen . Wie bot sie alles auf , um die Meinung zu erwerben , daß sie eine Frau von großem Verstande sey , und wie blieb sie immer und ewig hinter ihrer Erwartung zurück ! Ein besonderes Unglück für sie war ihre Kinderlosigkeit . Diese setzte sie in eine Art von Wuth , welche sich dadurch offenbarte , daß sie alles vereinigen wollte , was nur immer ein Gegenstand des menschlichen Wissens ist . Nachdem sie alle Zweige der Naturgeschichte studirt hatte , endigte sie mit dem Studium der Mathematik ; aber ihr armer Mann wurde ihr in eben dem Maaße unausstehlicher , in welchem sie selbst gelehrter wurde . Eine Scheidung , die aus allen Gründen nothwendig geworden war , erfolgte , so bald Herr von M ... eingesehen hatte , daß seine Individualität sich nur auf diesem Wege retten ließ . Adelaide zog in eine Hauptstadt , um den Bibliotheken und Gelehrten näher zu seyn , als sie es bisher gewesen war ; aber auch diese Art der Existenz wurde ihr nur allzubald lästig und abgeschmackt . Sie warf sich in die sogenannte schöne Kunst , und um diesem Studium mit desto besserem Erfolge obzuliegen , ging sie nach Italien , wo sie große Summen verschwendete . Die Briefe , die ich von Zeit zu Zeit von ihr erhielt , sagten mir , wie über Alles reizend ihr diejenige Periode ihrer Jugend erschiene , in welcher sie meine Bekanntschaft gemacht , und wie alles , was sie unternähme , um sich zu zerstreuen , doch nicht die Kraft habe , sie über die Dauer weniger Stunden zu beglücken . Es würde Thorheit gewesen seyn , ihr mit einem guten Rath an die Hand zu gehen , von welchem sie keinen Gebrauch machen konnte ; auch sah sie selbst sehr deutlich ein , daß sie nicht mehr genesen konnte . Den Hang nach ewiger Bewegung befriedigte sie dadurch , daß sie von einem Lande in das andere reisete . Von England aus meldete sie mir : Die europäische Welt mache ihr Langeweile , und darum sey sie fest entschlossen , nach Asien zu gehen . - Seit dem hab ' ich nichts von ihr erfahren . Mehreren Anzeigen zufolge ist sie auf ihrer Reise nach Ostindien am Kap der guten Hoffnung gescheitert . Anders , aber nicht besser , konnte eine Person endigen , in welcher die Phantasie den Ausschlag über den Verstand gab , indeß das Schicksal dafür gesorgt hatte , daß es ihr nicht an Mitteln fehlte , jeden noch so seltsamen Einfall ins Werk zu richten . Ihre ganze Geschichte hab ' ich , der Zeit vorgreifend , an diesem Orte conzentrirt , um nicht auf sie zurückkommen zu dürfen , nachdem wir uns einmal getrennt hatten , und nur neben nicht mit einander gehen konnten . Um eben die Zeit , wo Adelaide sich mit dem Herrn von M .... verband , wurde mir die Stelle einer Gesellschaftsdame bei der jüngsten Tochter unseres Fürsten angetragen , welche damals ein Alter von funfzehn Jahren erreicht hatte . Dieser Antrag war um so ehrenvoller , weil ich berechtigt war , ihn als das Resultat der guten Meinung zu betrachten , in welche ich mich bei dem Publikum gesetzt hatte . Mehr indessen , als die Ehre , bestimmte mich die Liebenswürdigkeit der jungen Prinzessin , über welche nur Eine Stimme war . Das Einzige , was mich von der Annahme abschrecken konnte , war meine eigene Individualität , die , wie es mir vorkam , sehr schlecht zu den Verhältnissen paßte , welche ein Hof in sich selbst zu erzeugen pflegt . Als dieser Punkt zwischen meinem Pflegevater und mir zur Sprache kam , beruhigte mich dieser durch folgende Vorstellungen , die mir immer gegenwärtig geblieben sind : » In dem Leben mit Seinesgleichen , « sagte er , » hat man entweder gar keinen , oder nur einen sehr schwachen Antrieb , die eigene Individualität zu verbergen ; und indem man sie mit Unbefangenheit Preis giebt , läuft man beständig Gefahr , dadurch anzustoßen , weil jeder einmal die seinige retten will . Nicht so im Umgange mit Vornehmeren . Hier kommt es darauf an , solche Formen zu gewinnen , daß man selbst die kräftigste Individualität rettet , ohne jemals dadurch zu beleidigen . Es ist wahr , daß es Personen giebt , die zuletzt nichts weiter haben , als die Form ; allein dies ist nicht sowohl die Wirkung des Hoflebens , als vielmehr die einer ursprünglichen Leerheit , welche sich hinter Repräsentation verkriecht . Wer einmal inneren Gehalt und eigentlichen Kern hat , für den ist das Untergehen in der Form unmöglich ; dagegen gewinnt er durch die Form eben das , was der Diamant durch die Politur erhält . Vollendet ist zuletzt doch nur derjenige Mensch , der mit der gefälligsten Form den meisten inneren Gehalt verbindet , den das Individuum erwerben kann . Und gehe von diesem Grundsatz aus , so giebt es für dich , meine liebe Mirabella , keine bessere Schule , als den Hof . In ihr soll dir das Siegel der Vortrefflichkeit aufgedrückt werden ; denn in ihr sollst du lernen , wie man , ohne weder seiner Individualität zu entsagen , noch durch dieselbe anzustoßen , allen Menschen ohne Ausnahme gebietet . Könnt ' ich befürchten , daß du zu lauter Form würdest , so würde ich der Erste seyn , der dich von der Annahme des dir gemachten Antrages zurückschreckte ; denn nichts ist mir in der