wagen könne , dies gequälte Herz durch Vorwürfe zu verletzen . Welche Rechte , sagte er mit steigender Bitterkeit , darf er sich über sie anmaßen ? und giebt es etwas widersinnigeres , als eine erzwungene Liebe ? Kann der Verein zweier Seelen aus dem matten Hingeben erschöpfter Natur erblühen ? und sollte nicht ein edles Gemüth diesen Sieg verschmähen ? Je mehr er nachdachte , je schuldiger fand er Alexis . Zuletzt hielt er den Gedanken seines Unrechts so fest , daß er nichts als eigensüchtige ungestüme Thorheit in ihm erblickte . In dieser Stimmung fanden ihn folgende Zeilen der Gräfinn . » Rosalie ist krank . Die unerwarteten Erschütterungen drohen sie umzuwerfen . Ich selbst bin matt , unfähig zu erheiternder Unterhaltung . Ueberdieß verschwimmt jede freudige Aufwallung in diesem unversiegbaren Quell innerer Trauer , und was ich ihr reiche , wird mir unter den Händen zu Gift . Alle Freunde schweigen , auch Alexis . Rosalie scheint deshalb beunruhigt . Ist etwas zwischen ihnen vorgefallen ? Eilen Sie doch , dies liebe bewegliche Herz zu beruhigen , und führen Sie uns so bald als möglich den Ritter wieder zu , mit dem ich gern zanken und so die gute Laune wiedergewinnen möchte . « Rosaliens Krankheit weckte neue Schmerzen in Rodrichs Brust , und versöhnte ihn mit dem bekümmerten Freunde , zu dem er ungesäumt hingehen wollte , als Stephano in sein Zimmer trat und ihm zurief : was ist es denn mit dem Ritter ? Ich komme aus seinem Hause , wo ich bis auf einen alten Diener alles leer fand , der mir zwar versichern wollte , sein Herr kehre in wenigen Tagen zurück , allein ich glaube daran nicht ; zu einer Lustreise sind die Anstalten zu ernsthaft , überdieß kann ihn nichts Geringes zu diesem Entschluß gebracht haben . Ist denn irgend etwas Wichtiges geschehen ? Sie waren zuletzt mit ihm und Rosalien , können Sie mir keine nähere Auskunft geben ? Denn von dort her kann es nur kommen , was ihn so plötzlich forttreibt . - Rodrich war so erschrocken , daß er lange keine Worte finden konnte ; endlich erzählte er Stephano den Vorgang auf dem Altan , und wie Alexis hart und feindselig erschienen sey . Seltsam , sagte dieser , wie er Rosalien nur so wenig verstehen und die Tiefen ihres Gefühls hier ganz übersehen konnte ! Ueberall kenne ich Niemand , dessen Urtheil sich augenblicklich so verwirrt , wenn er selbst in die Handlung eingreift , und eine individuelle Beziehung statt findet ! Wie , sagte Rodrich , ist es aber bei dem Reichthum seiner Phantasie , bei der innern Schwungkraft möglich , sich der Gegenwart so hinzugeben ? Weil , erwiederte Stephano , es ihm an Elastizität , an Freiheit fehlt , die Wechselwirkung zwischen Innerem und Aeußerem lebendig zu erhalten . Er gehört entweder dem Einen oder dem Andern an . Daher die Ungleichheit in seinem Betragen , die ungebundene Fröhlichkeit in einem und der feierliche Ernst im andern Momente . Die Sinnenwelt blendet ihn , entrücken sie ihm diese , so ist er klar , besonnen , in sich fest . Es ist gewiß , fuhr er nach einigem Nachdenken fort , er kehrt entweder bald , oder bei Rosaliens Leben nie wieder . Nie ? wiederholte Rodrich , und wir sollten also Einen von Beiden aufgeben und für immer von ihnen scheiden müssen ! Alle Liebe und Theilnahme des wohlwollenden Alexis stellte sich plötzlich vor ihn hin . Er fühlte es schmerzlich , daß er die Brust verwundet , die sich ihm so vertrauend geöffnet hatte ! Lassen Sie uns eilen , rief er , vielleicht ist er noch zu retten ; ich will mein Leben daran setzen , ihm seinen Argwohn zu benehmen ? Werden Sie ihn überzeugen ? fragte Stephano , - und gesetzt , es gelänge ihnen , fuhr er fort , was gewinnen wir ? Kann in dieser Stimmung die nächste Stunde nicht dasselbe erzeugen ? Wo das Uebel nicht aus der Wurzel zu heilen ist , da kann man die Wirkungen niemals berechnen . Lassen Sie uns nicht so eigenmächtig in den Willen eines Menschen eingreifen , man bewirkt wohl etwas andres , selten aber das Bessere . Ach , sagte Rodrich , mich dünkt , wir schläfern unsre Theilnahme mit allgemeinen Klugheitsregeln ein , während der Freund vor unsern Augen versinkt ! Stephano suchte ihn von ähnlichen Vorstellungen abzulenken , indem er ihn auf die Nothwendigkeit aufmerksam machte , Rosalien diese Nachricht mitzutheilen , ehe das allgemeine Gerücht sie erreiche . Woran erinnern Sie mich , sagte Rodrich , dies fehlte noch , um sie ganz elend zu machen ! Wie wird sie sich trösten können , die dargereichte Hand so kalt und fremd zurückgestoßen zu haben ? Mußte Reue noch den innern Unfrieden mehren ! Vielleicht , erwiederte Stephano , nimmt sie es auch weniger trübe auf , vielleicht glaubt sie , daß im Laufe fortschreitender Ereignisse die Unabänderlichkeit des Erfolgs auf dem Ursprung früherer That beruhet , der selten dem Einzelnen allein angehört . Man sagt sich das so gern zum Trost , wenn Neigungen uns fortreißen , und Zorn und Liebe mit unsrer Freiheit spielen . Sie waren unter diesem Gespräch zu des Grafen Wohnung gegangen , und betraten Rosaliens Vorzimmer , als ihnen die Gräfinn entgegen eilte , und im bittersten Unmuth zurief : sie weiß alles ! Meine Ungeduld hat die Entdeckung beschleunigt ! Ich bin außer mir über die kränkliche Weichlichkeit der Männer . Eine Thräne zieht Euch aus Eurem Gleichgewicht und wiegt das Bischen Besonnenheit auf , das Euch zu Theil ward . Geht nur , fuhr sie fort , und helft bereuen , was ihr verdarbt , denn weiter versteht Ihr doch nichts . Ich bin recht unglücklich , von lauter Männern umgeben zu seyn ! Miranda ist leider seit wenigen Tagen mit ihrer Mutter im Bade , und ich traue mir selbst nicht mehr , seit alles solche