der Barde unsers kleinen Heeres , und mitten im Sturm und Regen dichtet er seine Gesänge . Wäre er nur allenthalben . Da , wo die Leute ihn sehen , lächeln sie mitten unter den Schmerzen und lassen sich willig täuschen durch sein liebliches , tröstendes Geschwätz . Allmählig kommen sie dann auch ins Erzählen . Besonders den Alten ist er äußerst willkommen . Er frägt , ergänzt und eh ' sie es sich versehen , ist er der Beschreiber . Jetzt erstaunen sie selbst über das was sie thaten , und schwören mit funkelnden Augen : sie wollen alles wahr machen , was er von ihnen prophezeiht . Unser erstes Augenmerk ist nun auf B ... gerichtet . Es wird Menschen kosten ; aber wir müssen es haben . Was macht die Einzige . Ich will ihr nicht schreiben , um in diesem allgemeinen Elende meiner eignen Schmerzen nicht zu gedenken . Lebe wohl ! Bald hoffe ich etwas Entscheidendes melden zu können . Sechs und funfzigster Brief Wilhelmine an Reinhold Ein Kind von fünf Jahren machte Julien vor einigen Tagen ein Kompliment , das der feinste und gewandteste Dichter kaum schmeichelhafter und passender hätte ersinnen können . Nachdem wir die Gemählde in der äußern Gallerie besehen hatten , wollten wir eben in die innere treten ; als ein kleiner goldlockiger Knabe mit großem Angstgeschrey zu seiner Mutter lief , und sich so tief er nur konnte , in ihre Kleider zu verhüllen suchte . » Was fehlt Dir , mein Kind ? « - sagte die Mutter - » Ach Mama ! die große Frau ! Sie ist herunter gestiegen , sie kann gehen ! « - und so suchte er sich immer tiefer zu verbergen . Die Mutter , ein sanftes , vernünftiges Weibchen , ließ den kleinen Krauskopf ohne ihm vorzudemonstriren , in ihren Kleidern , und fragte erst , nachdem er schon mehrere Male aus seinem Hinterhalte hervorgeschielt hatte : » Wo ist denn die große Frau ? « - » Da ! da ! « - rief der Knabe und zeigte auf Julie - » Sie hat ein hübsches Kleid angezogen . Aber Mama : wo ist der kleine Junge ? » - » Ach ! « - sagte die Mutter - » er meint die große Madonna ! « Nun ward Julie wie mit Blut übergossen , und peinigte mich , sogleich mit ihr fortzugehen . Natürlich ward ich ein wenig böse . In der That , sie hat mir durch diese übertriebene Schüchternheit schon so manches Vergnügen geraubt . Überdem ehrte Jedermann ihre Verlegenheit . Nur ein junger Künstler umarmte den Knaben und lobte ihn gegen die Mutter . Demohngeachtet mußte ich mich entschließen , wollte ich sie nicht allein gehen lassen , für diesen Morgen alles aufzugeben , und mit den anhaltendsten Bitten habe ich sie noch nicht wieder hinauf bringen können . Nun ist sie beständig zu Hause und läßt sich kaum zu einem Spaziergange bereden . » Der Knabe - sagte sie letzt mit Thränen in den Augen - hat eine Lächerlichkeit auf mich geworfen . Man wird mich die herumwandelnde Madonna nennen . « - » Nun , und wenn man Dich so nennt ? Ein gewaltiges Unglück ! ! « » Ein Frauenzimmer mit einem Beynamen ! « - sagte sie und eilte nun , ohne weiter auf meine Ausrufungen zu hören , mit sehr betrübtem Gesicht in ihr Zimmer . Der kleine vorlaute Bube wird mich also wohl zwingen * * * weit früher als ich gewollt hätte zu verlassen . Doch werde ich Ihnen vor meiner Abreise sicher noch einmal schreiben . Sieben und funfzigster Brief Reinhold an Olivier Hier schicke ich Dir einen Brief von Wilhelminen . Es ist viel von Julien darin und dies wird Dir angenehmer seyn als vielerley , was ich Dir schreiben könnte . Eure Lage ist schrecklich ; aber Du hast ja wohl schrecklichere überwunden . Ich sage mit Dir : mögte es nur gegen den Feind gehen ! - Doch bitte ich Dich , suche die Gefahr nicht so absichtlich wie vormals . Du selbst hast mir gestanden , es sey oft ganz ohne Nutzen , und blos um des Ruhms willen geschehen . Ich liebe Dich und kann den Gedanken nicht ertragen , Dich fern von mir sterben zu lassen . Lebe wohl ! lebe wohl ! mache , daß ich Dich wiedersehe . Acht und funfzigster Brief Olivier an Reinhold Wuth , Reue und Verzweiflung zerreißen wechselweise mein Herz . Nichts , nichts kann ich thun . Ich muß die unglücklichen Menschen vor Hunger und Ermüdung zu meinen Füßen hinstürzen sehen und kann , kann ihnen nicht helfen . O , daß ich mein Wort gegeben ! daß ich mich an das schreckliche Leben gebunden habe ! - Liebe und Freundschaft , die Erinnerung alles Sanften und Schönen ist rein aus meinem Herzen verschwunden . Nur Wuth über die Buben , die uns in dieses Elend geführt haben , beweist mir , daß ich empfinde , Spott und Schande werden sie erndten , die heillosen Betrüger ! - Aber ich , ich schwöre es ! und sollte ich nur zehn Mann gegen den Feind bringen , ich werde mich retten vor dieser Schande . - Leb wohl , und rechne nicht auf die Zukunft . Neun und funfzigster Brief Wilhelmine an Reinhold Wir giengen heute in die Oper , und waren durch das was wir von dem ersten Sänger gehört hatten , berechtigt , unsre Erwartung aufs höchste zu spannen . Er sollte uns Cäsar auf Farmakusa darstellen . Ehe wir hinkamen , hatte ich meinen Cäsar schon fertig . Es war ein langer stattlicher Mann , mit großem brennendem Auge und milder Hoheit auf der Stirne . Sein Gang war fest , seine Bewegungen waren kraftvoll und edel . Er sprach einen schönen Tenor und , wenn er es nicht ändern konnte , mußte er ihn freilich auch singen . Der singende Cäsar ! -