zu meinem Gesandten von Hafenreffer zurück . Am obgedachten ansehnlichen Hofe sitzt dieser treffliche Herr und fertigt mir - seiner Nebenarbeiten unbeschadet - von Monat zu Monat so viele Personalien von meinem hohenfließischen Helden zu , als er durch sieben Legations-Zeichendeuter oder Clairvoyants erwischen kann - die kleinsten Lappalien sind ihm erheblich genug für eine Depesche . Wahrhaftig eine ganz andre Denkweise als die andrer Gesandten , die nur für Ereignisse , die nachher in die Universalhistorie einrücken , Platz in ihren Berichten machen ! - Hafenreffer hat in jeder Sackgasse , Bedientenstube und Mansarde , in jedem Schornstein und Wirtschaftsgebäude seinen Operngucker von Spion , der oft , um eine Tugend meines Helden auszumitteln , sich zehn Sünden unterziehet . Freilich bei solchen Hand- und Spanndiensten des Glücks muß es keinen von uns wundernehmen , ich meine nämlich bei einem solchen Schöpfrade , das mir Fortuna selber umdreht - bei solchen Diebsdaumen , die man meinem eignen Schreibdaumen anschienet - bei solchen Silhouetteurs eines Helden , die alles machen außer der Farbe - kurz bei einer so außerordentlichen Vereinigung von Umständen oder Montgolfieren kann es freilich nichts , als was man erwartet , sein , wenn der Mann , den sie heben , droben auf seiner Berghöhe ein Werk zusammenbringt und nachher herunterschickt , das man ( denn es verdients ) nach dem Jüngsten Tage auf der Sonne , auf dem Uranus und Sirius frei übersetzt , und auf welches sogar der glückliche Posenschraper , der die Kiele dazu abzog , und der Setzer , der die Errata druckt , sich mehr einbilden wollen als der Autor selber , und in welches weder die schnelle Sense noch der träge Zehn der Zeit - besonders da man dieses Gebiß nach Erfordern mit der Zahnsäge der kritischen Feile entzweibringen kann - einzuschneiden vermögend sind . Fügt der Verfasser solchen Vorzügen noch gar den der Demut bei : so ist ihm niemand weiter zu vergleichen ; aber leider hält jede Natur sich , wie Doktor Crusius die Welt , zwar nicht für die beste , aber doch für sehr gut . Der gegenwärtige Titan benutzt noch den andern Vorteil , daß ich gerade den väterlichen Hof bewohne und schmücke und mithin als Zeichner gewisse Sünden recht glücklicherweise näher und heller vor dem Auge zum Beschauen habe , wovon mir wenigstens der Egoismus , die Libertinage und das Müßiggehen gewiß bleiben und sitzen ; denn diese Schwämme und Moose säete das Schicksal so weit , als es konnte , in die höhern Stände hinauf , weil sie in den niedern und breitern zu sehr ausgegriffen und sie ausgesogen hätten - welches das Muster derselben Vorsicht gewesen Zu sein scheint , aus der die Schiffe den Teufelsdreck , den sie aus Persien holen , stets oben an den Mastbaum hängen , damit sein Gestank nicht die Fracht des Schiffraums besudle . - - Ferner hab ' ich hier oben am Hofe jede neue Mode zur Beobachtung und Verachtung schon um mich , eh ' sie drunten nur gelästert , geschweige gepriesen worden . Z.B. die schöne Pariser Mode , daß die Weiber durch einen kleinen Faltenwurf ihre Waden vorzeigen - welches sie in Paris tun , um sehen zu lassen , daß sie nicht unter die Herren gehören , die bekanntlich auf Steckenbeinen gehen - , diese wird ( denn auf eine einzige Dame kommt es an ) morgen oder übermorgen gewißlich eingeführt . Doch ahmen die Flachsenfingerinnen diese Mode aus dem ganz andern Grunde nach - denn uns Herren fehlet nichts - , weil sie zu beweisen wünschen , daß sie Menschen und keine Affen ( geschweige weniger ) sind , da nach Camper und andern nur der Mensch allein Waden anhat . - Derselbe Beweis wurde vor einem Jahrzehend , nur mit höhern Gründen geführt . Denn da nach Haller sich der Mensch in nichts von einem Affen trennt als durch den Besitz eines Steißes : so suchten damals die weiblichen Kronbeamten , die Putzjungfern , an ihren Gebieterinnen diesen Geschlechtscharakter , der sie unterscheidet , durch Kunst - durch den sogenannten cul de Paris - so sehr als möglich zu vergrößern , und bei einer solchen Penultima der Ultima war es damals schon auf 200 Schritte weit ein Spaß und ein Spiel , eine Weltdame von ihrer Äffin abzutrennen , welches jetzt viele , die ihren Buffon auswendig können , in keiner größern Nähe sich getrauen wollen als in einer zu großen . - Ähnliche biographische Denunzianten und Familiaren unterhalt ' ich in mehrern deutschen Städten - mein Herr Vater bezahlts - , in den meisten einen , aber in Leipzig zwei , in Dresden drei , in Berlin sechse , in Wien ebensoviel in jedem Stadtviertel . Maschinen solcher Art , die den Perspektiven so sehr gleichen , womit man aus seinem Bette alles beschauen kann , was unten auf der Gasse vorfällt , machen es freilich einem Autor leicht , hinter seinem Dintenfasse in dunkle verbauete Haushaltungen - in einer 20 Meilen entfernten Winkelgasse geführt - hell hinunterzusehen . Daher kann mir jede Woche der närrische Fall begegnen , daß ein gesetzter stiller Mann , den niemand kennt als sein Barbier und dessen Lebensweg eine dunkle Sackgasse ist - dem aber heimlich einer meiner Gesandten und Spione mit einem biographischen Hohlspiegel nachgeht , welcher des Mannes Unterkleider und Schritte in meine an dreißig Meilen abliegende Studierstube hineinspiegelt - , es kann mir der Fall aufstoßen , sag ' ich , daß ein solcher entlegner Mann zufällig vor den Ladentisch des Buchhändlers tritt und in meinem Werke , das rauchend aus dem Backofen dort liegt , sich mit seinen Haaren , Knöpfen , Schnallen und Warzen so deutlich auf der 371 . Seite abgebildet findet , als man auf den Steinen in Frankreich die Abdrücke indischer Pflanzen antrifft . Es tut aber nichts . Leute hingegen , die mit mir an einem Orte wohnen , welches sonst die Höfer taten , kommen gut davon ; denn neben mir halt '