der Ihre Brust zerreißt , nur Ihren festen Willen , wenigstens die letzte Ihnen gebliebene Tochter zu retten . « » Du hast recht , mein Sohn ; ich kannte Dich bereits , als Du noch zu schwach warst , um Deinen eigenen Füßen vertrauen zu können , zu klein , um eine Erinnerung an mich für spätere Jahre in Dich aufzunehmen . Die Jahre sind vorübergerauscht und Du bist ein Mann geworden , ein Mann , der mir doppelt nahe steht , meiner Kinder wegen . Doch höre : Als ich vor mehr als zwanzig Jahren der Heimath den Rücken lehrte , befand ich mich in einem Gemüthszustände , der mich für den Verkehr mit weißen Menschen untauglich machte . Ueberall sah ich ehrlose Betrüger , überall Leute , die darauf ausgingen , ihre Mitmenschen in ' s Verderben zu stürzen und bei deren Verzweiflung aus vollem Herzen zu hohnlachen . Meine Reise über den Ocean und durch die colonisirten Theile des nordamerikanischen Continentes glich mehr einer Flucht vor einem mich verfolgenden furchtbaren Phantom , als einer zur Erreichung eines bestimmten Zweckes unternommenen Fahrt . Und im Grunde hatte ich ja auch keinen eigentlichen Zweck ; ich wollte nur fort , fort , weit fort ; mich trieb die Angst , daß Diejenige , die mich einst treulos verrieth , eine Ahnung von meinem Leben erhalten und in Folge dessen zum Nachtheil meines armen Kindes auf dem Pfade der Reue umkehren und sich den ans der Lauer liegenden jesuitischen Priestern wieder in die Arme werfen könne . Habe ich unrecht gehandelt , so mag Gott mir vergeben um der Qualen willen , welche ich erduldet . Ich wollte das Beste , und dann , wenn man sein ganzes irdisches Glück auf einen Schlag unheilbar zertrümmert sieht , besitzt man auch nicht die ruhige Ueberlegung , welche man sich in den heitere ! , Verhältnissen des Lebens wohl anzueignen vermag . « » Auf meiner fluchtähnlichen Reise ging ich so weit westlich , wie meine spärlichen Mittel reichten ; ich scheute weder Gefahren noch Hindernisse . Wo ich noch ein weißes Gesicht erblickte , da trieb es mich fort ; die Furcht vor den Weißen war gewissermaßen zum drohenden Gespenst bei mir geworden . Mich leitete der unbestimmte Wunsch , meine Zuflucht unter Menschen zu suchen , die noch nicht gelernt hatten , solche Qualen , solche namenlose Leiden zu ersinnen , wie sie mir in meiner Heimath zugefügt worden waren . « » So hatte ich denn als einsamer , fast unbewaffneter Wanderer endlich das Dorf der Mondanen erreicht , als sich zu meiner gänzlichen Erschöpfung noch eine schwere Krankheit gesellte und mich zwang , liegen zu bleiben . Um bis dorthin zu gelangen , hatte ich beinah zwei Jahre gebraucht ; ein langer Feitraum , aber doch nicht lang genug , daß die Wunden , welche meinem Herzen geschlagen waren , zu bluten aufgehört hätten . Anders wäre es vielleicht gekommen , hatte ich mich in das rege Geschäftsleben gestürzt . Ich würde weniger mit mir selbst beschäftigt gewesen sein , schneller eine gewisse Ruhe der Seele wiedergewonnen und mich allmälig an meine Lage gewöhnt haben . « » Das Dorf des einstmals so starken und schönen Stammes der Maubauen hatte ich also erreicht , um daselbst krank und bis zum Tode erschöpft niederzusinken . Welche Art von Krankheit mich heimsuchte , weiß ich nicht , ich erinnere mich nur , daß ich glaubte , sterben zu müssen , und daß die wilden Heiden mich mit einer Sorgfalt pflegten , welche dem besten deutschen Krankenhause zur Ehre gereicht haben würde . « » Die armen Heiden , sie fragten nicht , woher ich komme , wer ich sei oder auf welche Art ich meinen Gott verehre ; sie sahen , ich war krank und hülflos , für sie ein genügender Grund , mir ihre Gastfreundschaft im ungebundensten Maßstabe angedeihen zu lassen . « » Dank meiner kräftigen Natur und den einfachen Heilmitteln , welche die Indianer anwendeten , überstand ich die Krankheit , und rührend war es , zu beobachten , wie die harmlosen Menschen sich darüber freuten , mit ihrer indianischen Arzneikunde ein Bleichgesicht vom Rande des Grabes zurückgerissen zu haben , – « » Unter Denjenigen , die mir in meiner hülflosen Lage die meiste Sorgfalt und Aufmerksamkeit schenkten , befand sich auch eine junge Indianerin , die älteste Tochter der Familie , in deren Zelt ich , vom Zufall geführt , Obdach gefunden hatte . « » Dieselbe , obgleich das Bild einer echten Indianerin , besaß , selbst nach unseren Begriffen , einen ungewöhnlichen Liebreiz , und namentlich ein Paar große , unendlich freundliche und fünfte Augen , welche , wenn sie mich nur erreichen konnten , beständig auf mich gerichtet waren . « » Zu verständigen vermochte ich mich mit meinen Gastfreunden nur mit Hülfe von Geberden ; es genügte dies indessen unfern Zwecken vollkommen , und namentlich zeichnete sich die junge Indianerin dadurch aus , daß sie mit wunderbarem Scharfsinn meine Wünsche errieth und sich dann stets beeilte , dieselben in Ausführung zu bringen . « » Die freundliche Zutraulichkeit des jungen Mädchens verfehlte nicht , eine wohlthätige Wirkung auf meine gedrückte Gemüthsstimmung auszuüben , und immer lieber schaute ich in die sanften , schwarzen Augen , die an mildem Glanz wohl kaum von den Augen meiner Tochter Jeannette übertreffen werden . Ihre sichtbar wachsende Zuneigung veranlaßte mich daher auch vorzugsweise , dem Zureden einzelner Mandanenhauptlinge nachzugeben und in ihrer Mitte meine neue Heimath zu wählen . Wohin hätte ich mich auch wenden sollen ? Ich befand mich , wie ich es so heiß ersehnte , fern jeder Spur der mir durch Erfahrungen der bittersten Art verhaßt gewordenen Civilisation , durch welche ich an meine herben Verluste hätte erinnert werden können , und die sehr wenigen Weißen , welche sich damals erst in diese Regionen wagten , waren eben nur rauhe Pelzjäger , welche sich in Sitten und Gewohnheiten kaum von den