Eisenbahnverbindung die Reisenden eher und sicherer ans Ziel führt . Eher unter allen Umständen , und zwar um so mehr , als es bei niedrigem Wasserstande vorkommt , daß die Fahrt auf Stunden unterbrochen oder gar wohl ganz eingestellt werden muß . Die Regulierung des Oderbetts , ein in den Zeitungen stehend gewordener Artikel , würde diesem Übelstande vielleicht abhelfen und eine Konkurrenz der Dampfschiffe mit der Eisenbahn möglich machen . Damit hat es aber noch gute Wege , Flußregulierungen sind nicht unsre starke Seite , und so werden sich die beiden Passagierboote , die jetzt das Bedürfnis decken , noch längere Zeit mit dem Publikum behelfen müssen , das jetzt zu ihnen hält . Das Publikum , wenn auch nicht zahlreich , ist immerhin mannigfach genug . Tagelöhner , die auf die Güter , Handwerker , die zu Markte ziehen , dazu Kaufleute und Gutsbesitzer , auch gelegentlich Badereisende , besonders solche , die in den schlesischen Bädern waren . Nur eine Klasse fehlt , der man sonst wohl auf den Flußdampfern unserer Heimat , besonders im Westen und Süden , zu begegnen pflegt : der Tourist von Fach , der eigentliche Reisende , der keinen andern Zweck verfolgt , als Land und Leute kennenzulernen . Dieser » Eigentliche « fehlt noch , aber er wird nicht immer fehlen ; denn ohne das unfruchtbare und mißliche Gebiet der Vergleiche betreten zu wollen , so sei doch das eine hier versichert , daß an den Ufern der Oder hin allerlei Städte und reiche Dörfer liegen , die wohl zum Besuche einladen können , und daß , wenn Sage und Legende auch schweigen , die Geschichte um so lauter und vernehmbarer an dieser Stelle spricht . Sehen wir selbst . Es ist Sonnabend um fünf Uhr morgens . An dem breiten Kai der alten Stadt Frankfurt , hohe Häuser und Kirchen zur Seite – das Ganze mehr oder weniger an den Kölner Kai zwischen der Schiffbrücke und der Eisenbahnbrücke erinnernd – liegt der Dampfer und hustet und prustet . Es ist höchste Zeit . Kaum daß wir an Bord , so wird auch das Brett schon eingezogen und der Dampfer , ohne viel Kommando und Schiffshallo , löst sich leicht vom Ufer ab und schaufelt stromabwärts . Zur Linken verschwindet die Stadt im Morgennebel ; nach rechts hin , zwischen Pappeln und Weiden hindurch , blicken wir in jenes Hügelterrain hinein , dessen Name historischen Klang hat trotz einem , – Kunersdorf . Wir werden noch oft , während unserer Fahrt , an dieses Terrain und diesen Namen erinnert werden . Der Morgen ist frisch ; der Wind , ein leiser aber scharfer Nordost , kommt uns entgegen und wir suchen den Platz am Schornstein auf , der Wärme gewährt und zugleich Deckung gegen den Wind . Es ist nicht leicht mehr , ein gutes Unterkommen zu finden , denn bereits vor uns hat ein Gipsfigurenhändler , mit seinem Brett voll Puppen , an eben dieser Stelle Platz genommen . Er ist aber umgänglich , rückt sein Brett beiseite und wartet auf Unterhaltung . Das Puppenbrett bietet den besten Anknüpfungspunkt . König und Königin ; Amor und Psyche ; Goethe , Schiller , Lessing ; drei » betende Knaben « und zwei Windhunde , außerdem , alle andern überragend , eine Aurora und eine Flora bilden die Besatzung des Brettes . Der Aurora sind ihre beiden Flügel , der Flora das Bukett genommen ; beides , Bukett und Flügel , liegen , wie abgelegter Schmuck , zu Füßen der Figuren . » Was geht denn so am besten ? « eröffne ich die Konversation . » Ja das ist schwer zu sagen , mein Herr « , erwidert der Figurenmann ( der sich durch das hierlands selten gebrauchte » mein Herr « sofort als ein Mann von gewissen » Allüren « einführt ) , » es richtet sich nach der Gegend . « » Ich dachte König und Königin . « » Versteht sich , versteht sich « , unterbricht er mich lebhaft , als sei er mißverstanden , » Königliches Haus und Goethe-Schiller immer voran . Selbstverständlich . « – » Aber außerdem ? « » Ja , das war es eben , mein Herr . Hier herüber « – und dabei deutete er , nach rechts hin , in die Sandgegenden der Neumark hinein , » hier herüber verkauf ich wenig oder nichts , nur dann und wann einen › betenden Knaben ‹ . Ich könnte von meinem Standpunkt aus sagen « – und dabei überflog ein feines Lächeln sein Gesicht – » wo der gute Boden aufhört , da fängt der › betende Knabe ‹ an . « » Nun da gehen diese wohl ins Bruch « , erwiderte ich lachend , indem ich auf Flora und Aurora zeigte . » Aurora und Flora gehen ins Bruch « , wiederholte er mit humoristischer Würde . » Auch Amor und Psyche . « Ich nickte verständnisvoll . Wir standen nun auf und traten an die Schiffswandung . Er sah , daß ich einen Blick in die Landschaft tun wollte und wartete , bis ich die Unterhaltung wieder aufnehmen würde . Das linke Oderufer ist hügelig und malerisch , das rechte flach und reizlos . Der eigentliche Uferrand ist aber auch hier steil und abschüssig und die Wandung mit Weidengebüsch besetzt . Inmitten des gelblichen , um die Sommerzeit ziemlich wasserarmen Stromes schwimmen Inseln , und die Passage erweist sich , selbst bei genauer Kenntnis des Fahrwassers , als sehr schwierig . Vorn am Bugspriet stehen zwei Schiffsknechte mit langen Stangen und nehmen beständig Messungen vor , die um so unerläßlicher sind , als die Sandbänke ihre Stelle wechseln und heute hier und morgen dort sich finden . Fluß , Ufer , Fahrt , alles hat den norddeutschen Charakter . Inzwischen ist es heller geworden , die Nebel haben der Sonne Platz gemacht und mit dem Sonnenschein zugleich dringen , von rechts her , Glockenklänge zu uns herüber . Dorf