schon bei dieser ersten Geschichte vor prickelndem Schauer ein leises Zähneschnattern . Als Malimmes den zweiten Hänfenen an den Eichbaum im Clevischen knüpfte , wurden die lauschenden Weiblein zappelig vor Neugier nach der bösen Sünde , durch die er des Rappenholzes schuldig geworden . Sie baten , wurden ärgerlich , reizten ihn durch Spott und wollten ihm die Wahrheit abschmeicheln . Er schüttelte lachend den Kopf . » Und nit ums Leben ! Ich sag ' s nit . Und nit um euren süßen Leib . Das Ding ist grauslich gewesen . Ich tät mir lieber die Hand abhacken , eh daß ich was Schieches hinlegen möcht vor eure lieben , sauberen Füßlein . « Und während sie noch baten und schmeichelten , erzählte er schon weiter , ließ den Blitz mit Gerassel herunterfahren in den Eichbaum und malte den Heiligenschein , der die Sünde des Malimmes umlodert hatte , mit so schaudervollem Humor , daß die Frauen stumm wurden und sich zitternd aneinanderhuschelten . Dann wandelte die lustige Geschichte vom Ulmer Schragen und vom ungeschickten Freimann ihr abergläubisches Gruseln in heiteres Gelächter . Und als er vom Wolf erzählte , der den mageren Schultheiß zu Landshut fraß , vom empfindsamen Henker , der das Frieren nicht vertrug , und von der Schlittenfahrt auf dem dünnen Hosenboden , spickte er das Bild des kleinen , verdutzten Herzogs mit den Kletten eines so beißenden Spottes , daß die Zierliche vor Freude und Lachen ganz närrisch wurde . Nun rauschte die Ramsauer Ache . Und es zitterte ein weher Ton durch die übermütige Lustigkeit des Malimmes , als sein Bidenhänder die fliegenden Eier in der Luft zerschnitt und als der schlechte Reusenstrick des Fischbauern vom Hintersee entzweisprang wie eine kraftlose Saite bei verrücktem Spiel . » Das will ich sehen ! « bettelte die junge Frau wie eine Fiebernde . » Das mußt du mir zeigen . Willst du ? Willst du ? « Er lachte rauh . » Einer schmucken Frau tut man alles zulieb . « Ihr Stimmchen zitterte . » Komm her zu mir ! Knie nieder vor meinem Schoß ! Ich will die Schlinge machen . Ich lege sie um deinen Hals . Dann mußt du wieder auferstehen . Willst du ? Willst du ? « Malimmes nickte und ließ sich niederfallen . Immer lachte sie , war wie eine hübsch Betrunkene , und während sie die Gürtelschnur an ihrem leichten Kleide löste , wies sie die anderen Frauen mit einem herrischen Wink aus der Stube . Er hörte die leisen Schritte und das Rauschen der Gewänder . Seine Augen wurden klein . Doch er wandte keinen Blick . Mit einem sonderbar starren Lächeln sah er an der zarten , heiß erregten Frau hinauf . Und als sie ihm mit bebenden Händen die Schlinge der Gürtelschnur um den Hals legte , beugte er den Kopf zurück , wie in Sorge , daß ihre Brüste sein Gesicht berühren könnten . » Darf ich ? « fragte sie mit der Ungeduld eines glühenden Kindes und wollte die Schlinge straffen . Da faßte er die Schnur mit den Fäusten und lachte müd , während ihm das Gesicht wie Feuer brannte . » Ein lützel langsam ! Das ist der achte . Der könnt mir gefährlich werden . Da muß ich Fürsicht üben . Und für den Fall , daß der Spaß heut schiefgeht - da möcht ich mich erst noch ledig machen von meiner Pflicht . Ich muß doch erst erzählen vom sechsten und vom siebenten Hänfenen . Nit ? « In seinen Worten war etwas so Unheimliches , daß die junge Frau erschrocken vor ihm zurückwich und schlaffe Hände bekam . » Das sechstemal , das ist zu Berchtesgaden gewesen . Da haben sie mich hängen wollen , weil ich ein Esel war . Und einer hat mich gelöst . Dem hab ich ' s teuer bezahlen müssen . « Seine Stimme zerbrach . » Und das siebentemal , das ist bei Dachau geschehen . Da wär ich von Herzen gern gestorben , schöne Frau ! « Sie fragte leise : » Warum ? « » Weil ich am selbigen Tag so arm geworden bin wie eine Maus , der man die Kirch verbronnen hat . Und da hat mich ein Grausamer wieder herausgerissen ins Leben . Ich hab ' s ihm nit gedankt . Aber seit heut am Abend weiß ich , warum es sein hat müssen . Bei allem Harten ist ein Gutes . « Er machte eine Bewegung , wie um etwas Schweres von sich abzuschütteln . » Und jetzt ? Wenn ' s dumm geht ? Soll ich mich da erwürgen lassen von Eurer spaßigen Lust ? Da müßt mir leid sein um Eure weißen Fingerlein ! Auch möcht ich noch leben , bis ich auf der Welt ein rechtschaffenes Ding getan . « Durch eine Drehung der Fäuste sprengte er die feste , mit Silber durchwobene Schnur entzwei , ließ die Stücke auf den Teppich fallen und lachte ein bißchen . Stumm betrachtete sie den Unbegreiflichen . Seine wunderlichen Worte waren dunkle Rätsel für sie gewesen . Doch im Klang seiner Stimme war eine Macht , die sie empfand . Und ganz verstand sie die brennende Marter in seinen Augen . Rasch sich vorbeugend , nahm sie seine Gesicht zwischen ihre Hände und wollte ihn küssen . Er faßte ihre Handgelenke und schob sie zurück . » Nit , schöne Frau ! Auf die Letzt ist jeder ein schwacher Mensch . Auch der Stärkste . « Schwül atmend erhob er sich und gab ihre Hände frei . Seinen Kampf erkennend , fragte sie lächelnd : » Mißfall ich dir ? « Er schüttelte den Kopf . » So ein feines Weibl hab ich im Leben nit oft gesehen . « Und ganz leise : » Nur ein einziges Mal . « » Heute ? « Weil er nicht antwortete , streckte sie die Hand zu seiner Schulter hinauf und schmiegte sich an ihn . Und