Lilli heißt sie , versorgt mich mit Champagner . Wir lieben einander wie zwei Küsse , die sich unvermutet im Universums begegnen . Ich habe sie hier in St. Pelagie gefunden , wohin sie nach einer stillen Klause geflüchtet war , weil die Welt ihr Fallstricke legte , und ihre Revenuen unvermutet ausgeblieben waren . Wir haben geschwärmt und gedichtet und gerungen miteinander vom Aufgange bis zum Niedergange , es ist endlich still um uns geworden , der Priester hat seine Weihe über uns gesegnet , ein Verwandter hat die Schulden bezahlt , sie hat den Staub dieses Hauses von ihren Füßen geschüttelt , und ich erwarte jetzt täglich , daß sie auch mir die Palme des Ausgangs senden werde . Später . Es hat sich ein junger Mann an mich angeschlossen , der zu denen in Frankreich gehört , welche die unruhige , haltlose Welt wieder zu einem religiösen Mittelpunkte führen wollen . Er sagt , gerade die lebhaftesten Kinder der Welt müßten zuerst gewonnen sein , weil in ihnen die größte Bewegung , also auch die größte Empfänglichkeit herrschte ; der neue Glaube müsse die Welt mit ihrem Sturm und Drange des sinnlichen Lebens nicht leugnen , sondern just auf den Fittichen derselben hindurchführen . Auch meine Frau hat er hier kennen gelernt und ihr sehr gut gefallen , er geht immer hellblau gekleidet , halb elegant , halb orientalisch , und in St. Pelagie hält er sich nur auf , um Proselyten zu machen ; Geld hat er hinreichend , da er einer großen wohlversehenen Gesellschaft angehört . Wenn ich nicht bald bereit würde , so hat er mir versprochen , mich aus seinen Mitteln zu lösen . Später . Der wackere Lichtblaue hat Wort gehalten . Wir sind sogleich zu Véry gegangen und haben gut gespeist , dann haben wir mein Manuskript in die Druckerei seiner Gesellschaft gebracht , dann bin ich nach meiner Frau ausgewesen . Jener Verwandte war bei ihr und wollte mich eine Zeitlang nicht ins Zimmer lassen - unsere Ehe ist noch ein Geheimnis . Lilli war sehr aufgeräumt , obwohl sie mir zu erzählen hatte , daß sie um ihre Güter in der Champagne betrogen sei . Sie hat keine Vorurteile und hat sogleich ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in Kontribution gesetzt : sie tanzt und singt an einer scharmanten Bühne und gefällt sehr . Der Lichtblaue und ich , wir machen Proselyten unter dem Personal . Später . Lilli hat vollkommen recht : sie sagt , das Geld sei unter Liebenden eine Nebensache , aber wenn die Liebenden in der großen Welt lebten , so sei es keine Nebensache , und ich müßte mit meinen Talenten auch etwas verdienen . Sie hat mir mit ihrem Verwandten , welcher der vortrefflichste Pierrot von der Welt ist , Unterricht gegeben , und ich wirke jetzt schon ganz leidlich als kleiner Harlekin . Der Himmelblaue sagt , in dieser Weise könnte meine Einwirkung auf das Personal immer intimer werden . Meine Gage ist noch klein , aber der Direktor meint , wenn ich so fortstrebte , würde sie wachsen . Sobald mein Musikhimmel in Lettern steht , sende ich Dir ein Exemplar , die Druckerei scheint sehr langsam zu arbeiten . Ich lege Dir ein Rezept bei zu Cotelettes à la Dejanira , sie sind eine superbe Speise ; denke dabei an mich . Adieu , millionen- , myriadenmal Adieu ! 12. Hippolyt an Valerius . Sie haben hier in England so starre Gesetze der Religion und Moral , daß die Ausnahmen nirgends besser schmecken ; und das junge Geschlecht ist hungrig und durstig ; das Gesetz ist einmal der Tod für alle Jugend ; wenn die Wildheit Gesetz wäre , ich glaube , wir lebten dann des Gesetzes wegen zahm . Unter dem Kreise , mit welchem ich mich in Tollheit herumbewege , zeichnet sich mir ein Lord Henry aus , von dessen Landsitz ich Dir schreibe . Wir sind zur Jagd hier und zum Ausruhen von den Mühen des Vergnügens - über die saftgrünen weiten Hügelflächen jagen wir hin mit dem Morgenwinde , welcher den Nebel jagt , die langgestreckten Pferde weifen dahin , als hätten sie Atem und Kraft der Götter ; das Wort Gefahr spricht niemand aus ; wer stürzt , möge sich helfen , der Jockei und die Hunde wissen auch nichts davon . Der Körper streckt sich und prustet Frische in diesem zehrenden Klima , die Leiber sind hier lang aufgeschossen , die Hautfarbe ist klar und fein und rot behaucht , und es ist zum ersten Male , daß mir diese weißen Menschen nicht unkräftig erscheinen . Lord Henry ist solch ein langer schmaler Engländer mit schweigendem länglich englischem Gesichte , das so schöne Ähnlichkeit mit dem Kopfe des hiesigen Pferdes hat . Er ist still und verschlossen , aber was heraustritt , ist so energisch wie ein donnernder Windstoß aus übrigens ruhender Luft , sei es Meinung , sei es Empfindung . Das ist überhaupt ein Wort Eurer Sprache , welches ich liebe , Empfindung ; statt dessen sprecht Ihr immer von Gefühl ; kann sein , daß ich Gefühl nicht habe , aber Empfindung hab ' ich . Es soll eine vulkanische Vergangenheit unter Henrys schweigender Oberfläche und deren Geschichte ruhen , wenigstens erzählt man so ; an ihm selbst ist nichts zu spüren : wenn er das Berührende findet , so steigt der Anteil und Drang in ihm auf wie ein kochender , gewaltiger Strudel ; wenn der Jockei ein humoristisch Verhältnis trocken schildert , so lacht er tüchtig . Er soll zu einer nahen Verwandten in früher Jugend liebend entbrannt gewesen sein und wie ein Berserker alles beiseite geworfen haben , was im Wege stand ; donnerndes , blitztreffendes Durcheinander wird da erzählt - das Mädchen sei aus der Welt verschwunden , niemand wisse wohin . Ich weiß , daß ich Dir ein Greuel bin , wenn ich diesen Punkt der Verwandtschaftsliebe anrühre ; Dir ist sie ein Zivilisationsfrevel - ich habe nie