solches gewesen wäre ! Aber , teuerster Pastor , es war kein Ausharren , und am wenigsten ein Ausharren bis in den Tod . Ich habe die Tante gekannt und las in ihrem Herzen . Das war ihr lästig . Ein tapferes Bekenntnis des Unglaubens ! Ach , wie Sie sie verkennen . Sie schrieb das nieder , nicht in der Tapferkeit , sondern in der Eitelkeit ihres Herzens und freute sich der Vorstellung , mit welch erstaunten Augen das alles einst nach ihrem Tode gelesen werden würde . Von Bamme , von Krach und vielleicht auch von dem langen Hauptmann . Aber der Tod war noch nicht da . Wär er dagewesen , von Angesicht zu Angesicht , sie hätte diese Zeilen nicht geschrieben , dessen bin ich gewiß . Sie hatte Mut , aber bloß den Lebens- , nicht den Todesmut . « Jeetzes Eintreten unterbrach das Gespräch . Er erschien mit einem Tablett , auf dem kleine bemalte Tellerchen und ein altmodischer silberner Obstkorb standen . Da niemand gewillt schien , den Platz am Kamin aufzugeben , so wurde das Tablett auf ein rundes , mit Tulaer Arbeit ausgelegtes Tischchen gestellt und dieses Tischchen in den Halbkreis hineingeschoben . Marie , deren Hände frei waren , machte die Wirtin und schälte das Obst . Allmählich , während der Teller von Hand zu Hand ging , begann das Gespräch wieder , wandte sich aber , da Friedensschlüsse , wie jeder wußte , nicht wohl möglich waren , anderen Gegenständen zu . Natürlich behielt Seidentopf das Wort ; war er doch , seines Aufenthaltes bei Graf Drosselstein ganz zu geschweigen , unmittelbar nach dem Guser Begräbnis einen Tag lang in Küstrin gewesen und hatte während dieses Tages vieles gesehen und noch mehr gehört . Ein besonderes Interesse weckten seine Mitteilungen über die von Tag zu Tag sich mehrenden Desertionen , die freilich , wie Seidentopf hinzusetzte , nicht überraschen dürften , da die Hälfte der Garnison aus Westfalen unter dem Kommando des Generals von Füllgraf bestünde , eines alten Haudegens , der selber , wie man in der Bürgerschaft wohl wisse , aus dem Konflikt zwischen seinem deutschen Herzen und seinem französischen Eide nicht herauskäme . Auch seine Leute wüßten es und gingen deshalb in ganzen Trupps auf und davon . Andere , die vorläufig noch aushielten , hätten ihm einen Vers an die Türe geklebt , der habe gelautet : Füllgraf bist du ? Sage nein , Fülle nicht des Feindes Reihn . Führ uns . Vollgraf sollst du sein . Der alte Füllgraf selber , schon um nicht persönlich in Verdacht zu kommen , als sympathisiere er mit den Unzufriedenen , habe bei General Fournier , seinem Oberkommandanten , Anzeige von diesem Vorfalle gemacht und auf Untersuchung angetragen , aber die Untersuchung habe nichts ergeben , und die Desertionen hätten sich nur gemehrt . Der letzte Trupp sei siebzehn Mann stark gewesen und habe sich auf Kirch-Göritz zu davongemacht . Das sei nun drei Tage . Auf dem » Hohen Kavalier « hätten sie dann freilich die Alarmkanone abgefeuert , aber wozu ? Die Bürger hätten gelacht und die Franzosen auch . Denn diese hörten von nichts anderem mehr als von » Volksbewaffnung « und wären natürlich klug genug , einzusehen , daß dieselben Bauern , die jetzt einen Aufstand vorhätten , nicht Lust haben könnten , die Schergen zu spielen und Deserteure zu fangen und abzuliefern . Hier unterbrach Lewin den Pastor , um sich nach dem Stande der Landsturmorganisation zu erkundigen , und erfuhr nun mit vielen Details , welche Fortschritte die Volksbewaffnung im Laufe der letzten drei Wochen gemacht habe . Anfangs sei Hohen-Vietz an der Spitze gewesen ; die fast achttägige Abwesenheit Berndts aber habe zu kleinen Hemmnissen geführt , so daß jetzt Drosselstein voraus sei und vor allem Rutze . Er wisse das von Bamme selbst , mit dem er am Begräbnistage einen Spaziergang durch den Guser Park gemacht habe . Dieser Spaziergang sei überhaupt sehr angenehm gewesen , denn es plaudere sich gut mit dem Alten . Daß er nicht in die Groß-Quirlsdorfer Kirche zu bringen sei , oder doch nur ausnahmsweise , das sei seines Amtsbruders Sache . Der habe ihn mit seinem Schablonenchristentum herausgepredigt . Und das Schablonenchristentum sei nicht besser als das Pehlemannsche Angstchristentum . Aber gleichviel , sie seien in lebhaftem Gespräch die große Rüsternallee hinaufgegangen und durch den Dohnenstrich zurück , bis sie wieder vor dem Schwanenhäuschen gestanden hätten . Hier hätte Bamme nach dem Eckfenster hinaufgesehen und endlich vor sich hin gesprochen : » Sehen Sie , Seidentopf , es war doch eine merkwürdige Frau . Sie traf es immer , und auch mit diesem Rutze . Ja , da reichen keine hundertmal , daß ich ihr zugeschworen , den ganzen Rutzeschen Verstand in eine Haselnuß einpacken zu wollen , aber sie gab nicht nach und sagte nur immer wieder : Lieber Bamme , der Charakter entscheidet . Und sie hat recht gehabt . Gestern war ich bei ihm in Protzhagen . A la bonne heure . Was er da zusammengebracht und einexerziert hat , ist unsere beste Compagnie . Ein Triumph der Disziplin . Kerle , um den Teufel aus der Hölle zu jagen . « Über dieses Bammesche Zitat kam Seidentopf nicht hinaus , denn es schlug eben neun , um welche Zeit er regelmäßig in seine Wohnung zurückzukehren liebte ; außerdem gefiel ihm heute Lewins Aussehen nicht . So brach er auf , von Marie begleitet , die denselben Heimweg mit ihm hatte . Als sie den Hof passiert und auch das niedrige Vorderhaus , in dem Krist und der Gärtner wohnten , schon im Rücken hatten , sagte Seidentopf : » Wie fandest du Lewin ? Mir gefiel er nicht . Keine dreimal , daß er das Wort nahm . Und wie spitz und abgespannt er aussah . « » Er sprach wenig « , sagte Marie . » Aber das darf uns nicht wundernehmen . Es war heute zuviel für