einzurichten haben , damit es auf die Kranke nicht zu erschütternd wirke . Ich hoffe , daß ich Angelika in acht Tagen ihre Reise nach Richten antreten lassen darf , und ich will noch heute den Caplan von Ihrem Briefe in Kenntniß setzen , oder besser ihm Ihr Schreiben übermachen , damit dieser erfahrene und bewährte Freund , der mein und Angelika ' s Vertrauen ganz und gar besitzt , vorsichtig den Augenblick wähle , in welchem wir meiner Frau die von ihr sicherlich ersehnte , sie aber eben so gewiß sehr erschütternde Kunde zugänglich machen dürfen . Meinen Sohn habe ich aus der Stadt mit mir hieher genommen . Er sieht seiner Mutter völlig gleich und wird , wie ich hoffe , Ihre Liebe gewinnen , da er ja das älteste Ihrer Enkelkinder ist . In der Erwartung , Sie , bester Graf , und die Gräfin bald persönlich zu begrüßen , der Ihrige . « Er las das Geschriebene zu wiederholten Malen , ohne recht damit zufrieden zu sein . Er wollte nicht entgegenkommen , er wollte sich nicht ablehnend zeigen , und er ersah an der Art und Weise seines Erwägens , wie fremd die Familie seiner Frau ihm geworden war und wie fest die Abneigung gegen sie in seinem Innern gewurzelt hatte . Jetzt , da sie ihm , wie er es nannte , grundlos eine Versöhnung aufnöthigten , nachdem sie sich einst eben so grundlos von ihm und von ihrer Tochter losgesagt , weil diese sich freiwillig dem Bekenntnisse ihres Gatten angeschlossen , fühlte er sich fast erbitterter gegen sie , als zuvor , und daß er dieser Erbitterung nicht Worte geben durfte , daß er gezwungen war , sich aus Rücksicht auf Angelika und auf die Welt einer fremden Willkür hinzugeben , verdüsterte seine Seele nur noch mehr . Hätte er mit einem Federstriche Alles , was ihn umgab , vernichten können , er würde ihn gethan haben , auf die Gefahr , selbst dabei zu Grunde zu gehen ; und mitten in seinem zornigen Grimme dünkte ihm eben dieser doch wieder seiner und seiner Natur so unangemessen , daß er grade davon am allermeisten litt . Er konnte das ideale Bild , welches er von sich selber stets vor Augen gehabt und im Herzen getragen hatte , nie mehr in seiner Reinheit wiederfinden : das heißt , er wußte , daß er ein für alle Mal sich selbst verloren hatte . Grade , als der Freiherr den Brief an den Caplan beendete , meldete man ihm den Pfarrer . Er soll kommen ! befahl er kurz , und übergab dem Diener die Briefe an den Grafen und an den Caplan mit der Anweisung , sie sofort nach der Stadt zu senden , damit die am nächsten Morgen durchpassirende Post sie noch mitnehmen könne . Mit raschem Schritte ging er dem eintretenden Geistlichen entgegen . Der Pfarrer hatte sich auf eine harte Stunde vorbereitet . Er war nicht unterrichtet gewesen von dem Vorhaben seines Sohnes ; er beklagte und verdammte von Grund der Seele die in Rothenfeld geschehenen Frevelthaten und Verbrechen , denn er besaß nicht des Candidaten wilden Glaubenseifer ; er war duldsam und gelassen , und er hatte sich , als er zu so ungewohnter Stunde vor den Freiherrn beschieden worden war , fest gelobt , daß er , seine Würde und seine Ueberzeugung wahrend , dennoch versuchen wolle , den gerechten Zorn des Gutsherrn zu besänftigen . Aber der Empfang , welcher ihm zu Theil ward , ließ ihn das Aeußerste befürchten . Ohne ihm , wie er es sonst stets gethan , die Hand zum Gruße zu bieten , ohne ihm einen Sessel anzuweisen , sagte der Freiherr , während er den Greis inmitten des Zimmers stehen bleiben ließ : Ich habe Sie gleich kommen lassen , weil ich zuvor mit Ihnen im Klaren sein wollte , ehe ich weiter gehe , und weil Sie , Pastor , Sie ganz allein , mir für all den Schaden und für all das Unheil verantwortlich sind , die hier angerichtet worden ! Wer hieß Sie , den frechen Burschen meine Kanzel besteigen zu lassen ? Wer hieß Sie .... Gnädiger Herr ! fuhr der Pastor auf , den sein Vaterherz wie seine gekränkte Amtsehre alle seine Vorsätze vergessen machten , - gnädiger Herr , Sie sprechen zu einem Vater von seinem Sohne ! Sie sprechen zu einem Geistlichen , zu dem bestallten Pfarrer dieser christlichen Gemeinde , der ohne Frage die Befugniß hat , sich von seinem Sohne , von einem unbescholtenen jungen Manne , einem geprüften Candidatus theologiae in seinem Amte vertreten zu lassen , wenn er dieses nöthig findet ! Ja , allerdings , das ist es grade ! Ich spreche zu dem Vater ! betonte der Freiherr scharf , eben weil er mir als Vater einzustehen hat für die Frechheit seines Sohnes ! Ich spreche zu dem von mir erwählten und eingesetzten Pfarrer , weil er sich unterfangen hat , gegen meinen Glauben , gegen die Religion , zu der ich und mein Haus uns bekennen , in meiner Kirche und von meiner Kanzel herab freveln zu lassen ! Der Pfarrer machte eine abweisende Handbewegung . Die Kirche ist des Herrn , die Kanzel ist ihm heilig und der Wahrheit , Herr Baron , auf die wir getauft sind , auf die wir unser Bekenntniß abgelegt und die rein und lauter zu verkünden wir mit unserem Amtseide beschworen haben ! rief der Pfarrer , und seine Stimme und seine Haltung hoben sich , je länger er vor dem Freiherrn stand . Freilich steht es geschrieben : Es soll Friede sein auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen ! Und so weit es an mir gewesen , habe ich Frieden zu halten gestrebt , obschon es meinen Augen kein Wohlgefallen gewesen ist , hier , mitten in unserer lutherischen Gemeinde , die katholische Kirche sich erheben und ihre Heiligenbilder aufrichten zu sehen ! Aber , Herr Baron , es steht