eine Kapuziner ein Mann ist ... o ein unvergleichlicher Mann ! Hast Du ihn nicht erkannt , liebe Mutter ? Ernest war es ! « » Bestes Kind , « entgegnete Madame Miranes , » glaubst Du , Ernest werde hier auf seine eigene Hand lebende Bilder aufführen ? « » Ernest war es ! « wiederholte Judith ; » älter geworden , wie man eben wird in acht Jahren , verändert durch die Tracht .... aber er war es . Damals in Frankfurt , « sagte sie zu Orest , » war ich seine Schülerin in der Malerei . Jetzt ist er Kapuziner und ich bin Opernsängerin ! - welche Kluft ! ich möchte ihn nicht wiedersehen . « » Bravissimo , Signora ! « rief Florentin . » Wenn Sie mich loben , Signor Fiorino , « entgegnete sie kalt , » so fürchte ich Unrecht zu haben . Was sagt Graf Orestes ? « wendete sie mit ihrem bezaubernden Lächeln zu diesem sich hin . » Diesmal hat Florentin recht , « erwiderte Orest . » Die Kapuziner sind äußerst respektable Männer , ich kenne sie von meiner Heimat und Kindheit her und in ihrem Kloster am Main ist die Begräbnisgruft meiner Familie ; aber mit Ihnen , Judith , und mit dem Leben haben sie nichts gemein . « - Sie fuhren nach dem Corso , wo Judith eine große , elegante Wohnung hatte . Dort angelangt , verabschiedete sich Orest , setzte sich auf sein Pferd , das im Hof des Palastes ihn erwartete , und ritt der Porta del popolo und der Milvischen Brücke zu - denn auf der Straße sollte heute Graf Damian mit Corona von Florenz nach Rom kommen . Orest schien keine Eile zu haben , die Seinen wiederzusehen . Er ritt im Schritt , nichts weniger als heiter war sein Ausdruck und das schlanke Vollblutpferd fühlte mit Unbehagen und mit nervosem Unwillen die Verstimmung des Reiters an dessen unstäter Hand . Orest dachte bei sich selbst : O hätte ich eine Wünschelrute ! ich versetzte den Schwiegerpapa von dem ponte molle nach Windeck zurück ! Corona allein - würde der Vernunft Gehör geben , aber er ! aber er ! Hyazinth ist freilich auch da .... als Moralprediger - aber als Prediger in der Wüste ! auf einen Bruder hat man nicht Rücksicht zu nehmen , wenn es das Lebensglück gilt - und Hyazinth hat das zuerst bewiesen , als er , ganz gegen meinen Rat und meine Ansicht , geistlich wurde . Uriel will auch kommen - schreiben sie . So wäre dann die Familie ziemlich beisammen ! allein Uriel macht auch Extravaganzen .... in seiner Art ! drum ist mir niemand lästig als der Papa . Schwiegervater , Pflegevater , Onkel und Vormund in einer Person - das gibt eine Respektsperson sondergleichen ab , wenn man auch längst der Vormundschaft entwachsen ist . - - Orest fühlte sich dem Grafen Damian gegenüber deshalb unfrei in seinen Projekten , weil er voraussah , daß derselbe sie ganz kalt und ohne die mindeste Berufung auf religiöse Grundsätze und einen übernatürlichen Standpunkt abfertigen werde . Seinen Brüdern war er entschlossen zu antworten , daß sie mit ihren exzentrischen und schwärmerischen Ideen nicht im Stande wären , die Herrschaft der großen Leidenschaften zu begreifen ; allein dem Grafen Damian , der mit ihm , was den Egoismus betraf , ungefähr auf gleicher Stufe stand - dem scheute er sich , Rechenschaft ablegen zu sollen . Seine Hoffnung war Corona . O ! seufzte er aus tiefster Brust , die Jagd nach dem ersehnten Glück ist etwas Verzehrendes ! Wäre nicht Judith mein Ziel und erreichte ich es nicht bald - ich weiß nicht , ob ich noch lange die Folter des Lebens aushalten könnte . - - Unfern des ponte molle traf er die Reisenden , stieg zu ihnen in den Wagen und gab sein Pferd seinem Reitknecht . Graf Damian war seinem Schwiegersohn nicht sehr gewogen ; es trafen zwei selbstsüchtige Naturen aufeinander , welche beide Rücksichten forderten , aber nicht nahmen , und welche beide geneigt waren , im Universum nur sich selbst und ihre Persönlichkeit zu sehen . Diese überwiegende Wertschätzung seiner Persönlichkeit hatte sich bei Graf Damian durch seine Liebe für Corona nur gesteigert , gleichsam ausgedehnt . Er zog seine Tochter in den Kreis seines Ichs hinein und verlangte , sie glücklich zu sehen , um ihr Glück zu genießen . Dahin ließ es aber Orest nicht kommen und so fühlte er sich beeinträchtigt in seinen so äußerst edlen Glücksansprüchen , die ihm umso rechtmäßiger erschienen , als sie ja nur das Glück der Tochter verlangten . Der Mensch hat immer allerhand Scheingründe , um seine Schwächen - und gerade sie ! als Tugenden darzustellen ; denn seine Schwächen - sind seine Schoßkinder ! seine großen Fehler wäre er wohl meistens selbst gerne los . - Eine gewisse Spannung zwischen dem Schwiegervater und Schwiegersohn ergab sich aus diesen Verhältnissen , und Corona , zwischen beiden stehend , mußte noch gar die Vermittlerin abgeben und das Öl ihrer schonenden Milde über die bitteren Fluten der Gereiztheit und des Trotzes sänftigend ausgießen . Hyazinth , der zur Vervollkommnung seiner theologischen Studien auf ein Jahr nach Rom gegangen war und dort im deutschen Priesterhause Santa Maria delle anime lebte , hatte für die Ankommenden eine Wohnung am spanischen Platz genommen und erwartete sie in derselben . Sie war sehr freundlich und empfing die müden Reisenden mit behaglichem Kaminfeuer und Lampenlicht . » Guter Hyazinth ! « rief Graf Damian und rieb sich vergnügt die Hände , » bei Dir ist ' s warm und häuslich . Bisher war es recht frostig ! « » Du bist hier bei Dir und nicht bei mir , lieber Onkel ! « entgegnete Hyazinth . » Ich weiß ! ich weiß ! « rief der Graf . » Es war nur , um Dir zu sagen , daß Du Deine Sache vortrefflich gemacht hast