, da such ' ich dir eine aus - Gnäd ' ge Frau ! rief Treudchen und schlug die Hände wie ablehnend und bittend zusammen ... Nein , nein , sagte Madame Delring , wir geben ja deine alten Ohrringe an ! Herr Modes gibt schon etwas dafür ! Solche kleine Handelsgeschäfte müssen Frauen immer machen ! Sie griff nun nach dem kostbar gestickten Schellenzuge dicht neben ihr und zog zweimal . Der Bediente kam und erhielt in Gegenwart des vor Erstaunen fast bewußtlosen Mädchens den Auftrag , der Juwelier Modes möchte eine Anzahl einfacher Brochen zur Auswahl schicken . Der Diener ließ Morgenblätter und den heutigen Theaterzettel zurück und meldete schon einen Besuch : Herr Medicinalrath Goldfinger ! Ich bin ganz wohl ! sagte Madame Delring plötzlich streng ... Sie lehnte den Empfang des Arztes ab . Während Treudchen sich erhoben und kaum den Muth hatte , in einen gerade dicht vor ihr hängenden viereckigen Spiegel mit goldenem Rahmen zu blicken und von Madame Delring gewinkt bekam , sie wollte ihr auch noch den Hut aufsetzen , sah die Herrin zugleich in den vor ihr aufgeschlagenen Theaterzettel und las halblaut und ganz nur wie mechanisch : » Gastvorstellung von Madame Serlo-Leonhardi . Das letzte Mittel . Madame Serlo-Leonhardi : Frau von Waldhüll . Im Zwischenacte Tanz : Cracovienne von Emmy und Flora Serlo « ... Kinderballet ! sagte sie . Ich mag die kleinen Affenkomödien nicht leiden ... Und dabei band sie die Schleife an Treudchen ' s Hut , strich ihr noch einmal die Wange , zog und drückte den Hut ihr recht in den Nacken und gab , als sie sich überzeugt hatte , daß die schwarzen Trauerhandschuhe Treudchen ' s noch ganz neue waren , ihr die Hand , die diese mit überströmender Innigkeit an ihr Herz drückte und wiederholt küßte . Inzwischen kam der Bediente zurück und meldete : Herr Pötzl ! Madame Delring schüttelte den Kopf und sagte : Nein ! Herr Kanonikus Taube ! Finster blickend ließ sie für alle Erkundigungen danken . Auch diesen Besuch nahm sie nicht an . Wol aber war ihr , als hörte sie einige Secunden später die Stimme ihres Gatten - Der war es denn auch . Herr Delring kam , weil der Medicinalrath und jetzt auch der Schauspieler und der Kanonikus nicht waren angenommen worden - alle drei hatten ihre Meldung von dem Zimmer der Mutter aus , wo er selbst den Morgengruß gebracht , nach oben ankündigen lassen - ; er besorgte , daß seine Gattin vielleicht nicht wohl , nicht guter Laune wäre ... Schon hörte man draußen seine Fragen nach dem Befinden seiner Gattin ... Da aber , ehe er noch dasein konnte , erhob sich Madame Delring plötzlich und fuhr auf wie aus einem Traume . Ihre weitgeöffneten Augen schauten ringsum . Ihr Blick suchte irgendetwas , was sie beängstigte ... da - auf dem wieder hergerichteten Hausaltar unter der Epheulaube stand die Störung . Schnell deutete sie auf einen in den Zweigen und Holzverzierungen der Laube hängenden Gegenstand und winkte Treudchen , diesen ihr zu reichen ... Treudchen , die so an den Mienen der freundlichen Herrin hing und sich in ihre Art schon gefunden hatte , daß sie jeden ihrer Winke verstand , reichte ihr das Bedeutete dar - Es war ein durchsichtiger großer , langer Silberflor , wie man ihn über werthvolle Gegenstände zu breiten pflegt , um sie vorm Staube zu schützen ... Schnell ! rief Madame Delring ... Diesen Silberflor ließ sie Treudchen jetzt anfassen und bedeckte rasch damit die Madonna auf dem Altare . Inzwischen trat Herr Delring ein ... Er war , wie immer , schon in weißer Halsbinde und schwarzem Frack , gleichsam als Repräsentant des großen Hauses , der er früher auch gewesen war , ehe ihn Piter entthront hatte , - ein ernster , fast vornehmer Mann . Nun die plötzlich ausbrechenden zärtlichen Grüße , den Kuß , die liebevollen Wechselreden der beiden Gatten hörte Treudchen nicht . Sie eilte mit klopfendem Herzen von dannen . Hinter ihr blieb ein Weib zurück , das ihren Himmel im Manne ihrer Liebe fand . 3. Im Hause unten , an dem Treppengeländer fand Treudchen Lucinden stehen , die ein Papier in der Hand hielt und ganz in ihm versunken schien . Es war ein großer grauer Zettel . Treudchen erkannte , daß es derselbe Theaterzettel war , der heute wie jeden Morgen oben wie unten abgegeben wurde ... Es war schon spät geworden , aber gern hätte Treudchen sich in dem überströmenden Gefühl ihres Glückes und ihrer Dankbarkeit noch zu Lucinden ausgesprochen ... Sie trat auch zu ihr heran ... Lucinde aber stand , als weilte sie gar nicht auf dieser Erde ... Sie bemerkte Treudchen nicht , so versunken war sie in die Angabe der heutigen Theatervorstellung ... Treudchen wollte keine Zeit verlieren , störte Lucinden nicht länger und sprang die Stiege hinunter . Unten in der Hausflur sah man recht , daß » der junge Herr « auf Reisen war ! Es war schon neun Uhr , alle Räume unten waren vom Geschäftsverkehr belebt , Makler kamen und gingen , in den auf den Treckkamp , Aschenkötter und Heiligenpütz hinausgehenden Hinterhöfen war das rührigste Leben hörbar , aber der Portier grüßte noch aus seiner unterirdischen Loge , stand noch nicht mit Dreimaster , Stab und Bandelier , wie Piter seit einem halben Jahre eingeführt und im Modell mit Aquarell selbst vorgemalt hatte , in der Hausflur und wies die Ankommenden mit Inquisitormiene zurecht . Aber auch aus dem Keller heraus ließ sich Treudchen die beste Richtung beschreiben , in der sie zum Waisenhause und von dort zur Kathedrale kommen konnte . Es war ein Markttag . Das Gewühl in den Straßen kaum zum Ausweichen . Die Straßen dabei so eng ; die Lastwagen drängten sich ... zu ihnen kamen heute noch die Bauerwagen mit ihrem Stroh , ihrem Heu , Holz , Kartoffeln für den Winter ... alles , wie Treudchen das