großen Stadt ganz verlassen sein werde . Mein Ernst war es nicht mit dem Magnetismus , gegen welchen ich vielmehr von jeher gewesen bin , da er den Organismus nur noch tiefer zerrüttet . Ich empfahl die beiden Leidenden in die Obhut eines dortigen Freundes , auf welchen ich mich , wie auf mein zweites ärztliches Ich verlassen konnte . Diesem band ich ein , daß er meine Heilmethode , als Vorbereitung zu jener mystischen , verfolgen , und so ohne Streichen und Manipulieren den Zweck zu erreichen sich bestreben solle . Nun waren wir Männer allein , verkümmert , auf dem Schlosse , welches sonst von freundlicher Geselligkeit eine so angenehme Belebung empfangen hatte . Der Herzog schien ruhig zu sein , er erklärte verschiedentlich , daß ich recht gehabt , daß jeder nur für sich und seine Handlungen einzustehen verpflichtet sei , daß die Vergehungen dritter Personen in den Augen der Vernünftigen unsrer Ehre nicht schaden könnten , und was dergleichen mehr war . Allein mir wurde nicht wohl bei diesem Gleichmute , der offenbar sich als erkünstelt zeigte . Der Kaufmann hatte seine Anträge gemacht , welche dahin gingen , daß der Herzog die Güter auf den Todesfall abtreten , bei seinen Lebzeiten aber den Nießbrauch behalten solle . Letztres und ein bedeutendes Wittum für die Herzogin sollten den Kaufpreis bilden . Unter diesen Bedingungen war die Zurücknahme der Klage , die Ausantwortung des Reverses und die Geheimhaltung der ganzen Sache andrerseits versprochen worden . Der Herzog hatte sich nicht einen Augenblick bedacht , den entscheidenden Federzug unter die ihm vorgelegte Abtretungsurkunde , welche die gedachten Punkte enthielt , zu setzen . Als ich ihm über diesen eiligen Schritt Vorstellungen machte , sagte er : » Wollten Sie , daß der Krämer den Namen derer von * an den Pranger schlage ? Wäre ich nicht gebrandmarkt ? Besteht die Welt aus Vernünftigen ? Zudem , ich habe keine Leibeserben , und so möge denn unser altes Geschlecht in diesen gepriesenen jüngsten Tagen erlöschen . « Ich sah ihn ernst und nachdenklich , oft in später Nachtstunde , durch die Gänge des Schlosses wandern . Er stand vor den Türen , den Geräten , den Wappenschildern still , und musterte sie mit zerstörten Blicken . Am längsten pflegte er im Ahnensaale zu verweilen , wo er manches an den Familienbildern ausbessern , die durch Staub und Alter verdunkelten reinigen ließ . Das Bild des Großvaters wurde herabgenommen und beiseite geschafft , das seinige an die leer gewordne Stelle befördert . Wo es nur irgend geschehn konnte , brachte er das Gespräch auf den Selbstmord , gegen den er sich mit der größten Lebhaftigkeit erklärte . Alles , was über diesen Gegenstand Verwerfendes von jeher gesagt worden ist , trug er in den mannigfaltigsten Wendungen vor , und hob bei diesen Gelegenheiten besonders das Unanständige eines solchen Lebensabschlusses heraus , welcher in den meisten Fällen eine Menge von verletzenden Nachforschungen und das widerwärtigste Getümmel errege . Er sprach leider zu oft davon , als daß ich nicht die Absicht hätte durchschimmern sehn , und nicht um so besorgter werden sollen . Das Leben mußte ihm , wie er nun einmal war , unter den jetzigen Umständen eine Last sein , das erkannte ich wohl . Dennoch sträubt sich unser modernes Gefühl hartnäckig gegen den Entschluß , sie freiwillig abzulegen . In meinen trüben Ahnungen wurde ich nur noch mehr befestigt , als ich eines Tages bei einem Gange durch die Bibliothek ein toxikologisches Werk aufgeschlagen fand . Der Leser hatte gerade bei der Seite innegehalten , welche von jenem mit grauenvoller Raschheit spurlos wirkenden Gifte , von der Blausäure , handelte . Da der Herzog nun fast gleichzeitig über plötzliche Anwandlungen von Schwindel zu klagen begann , und seine Ahnung aussprach , daß er vielleicht einmal plötzlich am Schlagfluß sterben werde , ( zu dem seine Konstitution sich durchaus nicht hinneigte ) ; so wußte ich , daß er zu enden entschlossen sei , wie er gelebt hatte , nämlich ohne Verstoß gegen die äußere Sitte , in der Weise , die ihm für einen vornehmen Mann die schickliche bedünkte . Mich erschreckte , mich bekümmerte diese finstre Absicht , und dennoch war bei seinem Charakter keine Hoffnung vorhanden , sie zu wenden . XII. Auch eine Bekehrungsgeschichte Mich machten alle diese Vorfälle , Mißgeschicke , Krankheiten sehr unglücklich . Das Feuer einer verbotnen Leidenschaft hatte mich unter Menschen getrieben , die sich nun allgemach von mir und voneinander ablöseten . Alles Behagen um mich her war dahin . Meine Zeit schien in dieser Einöde ohne Frucht vergangen zu sein und die Beziehungen des Lebens kamen mir wie kurze Fäden vor , die man mit Mühe von einem verworrenen Knäuel abwickelt . Meinen Kranken widmete ich zwar eine pflichtgemäße Sorgfalt , aber ohne Freude am Berufe zu haben . Das eigentliche Leiden der Welt schien mir dem Arzte so unerreichbar zu sein , daß seine ganze Beschäftigung mir kleinlich und nutzlos vorkam . Wie sich das Leben vor meinen Augen zersetzte , so bröckelte mir auch die Wissenschaft auseinander und wurde ein lockres Aggregat problematischer Einzelheiten , welchen der eigentliche Mittelpunkt fehlte . Auch mich warfen die Anstrengungen und Gemütsbewegungen , verbunden mit einer starken Erkältung , die ich mir bei einem nächtlichen Ritte zuzog , auf das Lager . Ein starkes Fieber hielt mich drei Wochen lang zwischen glühenden Phantasien gefangen , und möchte leicht einen gefährlichen , nervösen Charakter angenommen haben , wären meine Eingeweide nicht frei von jeder Indigestion gewesen . Als ich erstand , war ich wie neugeboren , ich hatte das Gefühl eines Kindes , dem jeder Gegenstand tausend frische unabgenutzte Seiten zeigt , in den unbedeutendsten Dingen erkannte ich ein Glück , der Gruß eines Bekannten , seine Frage , wie es mir gehe ? konnte mir auf einen ganzen Tag Freude machen . So lebte ich einige Wochen für mich hin , mit Eifer meine Berufsgeschäfte treibend , und mich um die