sehen , als bis ich etwas gethan , das unläugbar von meinem guten , aber schnöd verkannten Sinne zeugt . Komm , Else , hilf mir , und Du , mein Junge , setze Dich dort in den Winkel , und weine nicht , und plaudre nicht . Ich werde wiederkommen , und Dir schöne Sachen mitbringen . « - Hans that , wie ihm geheißen war , und Else warf der Gebieterin den Mantel um . » Gott schütze Euch ! « schluchzte die gute Seele , da sie die schweren silbernen Hacken am Halse Margarethens zumachte , und ihr das Kästchen unter den Arm schob : » Der Himmel gebe , daß wir alle es nicht bereuen mögen , daß Ihr heute fortgegangen von Euerm Herrn und Sohne . « - » Das gebe der Himmel ! « erwiederte Margarethe , und öffnete die Thüre des Gemachs leise und vorsichtig . Else folgte der voranschleichenden Herrin , wie ein lauschender Dieb , und der Zufall wollte , daß kein Verräther über ihren Weg ging . Die schwere Hauspforte wurde halb aufgezogen , und in die braune Dämmerung entschwand Margarethe . Die aufgeregte Einbildungskraft zeigt uns oft , wenn uns die Nacht auf Haide und Blachfeld überrascht , am Saume der Wolken Schatten und Gestalten , die dahin gleiten wie in Flören und weit verhüllenden Gewändern schwebend , Klagefrauen ähnlich , die um den in Meeresfluthen begrabnen Tag trauern , und die Hände ringen . Also durcheilte Margarethe die Straßen der Stadt , über welche der neu eingetretne Vollmond einen feuchten , düstern Himmel gespannt hatte . Mit der Sonne hatte auch das schöne Wetter Abschied genommen , und gewitterliche Wolken den Schauplatz bezogen . Wohl leuchtete der Mond , aber seine Scheibe war bleich , und diese blasse Helle deutete auf herannahenden Sturm und Regenguß , so wie die Mitternacht herankommen würde . Wann hätte jedoch des Firmaments Beobachtung einen Menschen abgehalten von dem Vorsatz , zu welchem ihn der feste Wille treibt , oder die unerschütterliche Nothwendigkeit ? Auch das schwächre Weib zittert nicht vor den drohenden Schrecken der Natur , wenn sein Herz zu höhern Pflichten , zu wirklichen oder eingebildeten ruft , und Margarethe bemerkte , rasch fortschreitend , nicht den stillen Wolkenkampf am Himmelsbogen , nicht das dumpfige Wehen der näßlichen Luft . Es war ein seltnes Schauspiel , um jene vorgerückte Abendstunde ein Weib aus dem bessern Stande allein auf den Gassen der Stadt zu gewahren , und mehr als ein zudringlicher Junker bot der Eilfertigen seine Begleitung an . Kaum hörte sie jedoch die Begrüßung der Schüchternen , die Frechern wies sie mit harten Worten zurück , und verschloß ihre Ohren vor den Spöttereien der Wächter am Thore . Ein Ziel vor Augen habend , ging sie muthig hinaus in ' s Weite , und das Mondlicht sowohl , als auch dann und wann ferne am Feldberg aufzudeckende Blitze leuchteten ihr mitleidig auf dem Weg zum Schellenhof . Keine menschliche Seele war ihr vor der Stadt begegnet . Züge von Dohlen und Krähen , die , vor dem fern dräuenden Sturm einen Zufluchtsort suchend , dicht am Boden vorüberflatterten , waren die einzigen lebenden Geschöpfe , die sich zeigten . Frau Margarethe , trotz aller Standhaftigkeit dennoch solcher einsamen Wanderungen ungewohnt , dankte dem Himmel im Stillen , als die Hunde des Schellenhofs bei ihrer Annäherung anschlugen , obwohl hier erst der halbe Weg zur Gefahr überwunden war . Die Hunde tobten an der Kette , und der geschloßne Fensterladen im Erdgeschoße ging auf . Crescentia , die nach der Ursache des Gebells aussah , erschrack in die tiefste Seele , als sie die Stimme der Dienstherrin vernahm , die auf einen Augenblick den Eintritt in ' ß Haus verlangte . Die Beschließerin gehorchte indessen auf der Stelle , und that ihr gastliches Gemach auf , in welchem Margarethe einen langen Mann gewahrte , welcher so eben einen mäßigen Nachtimbis einnahm , und verlegen aufsprang , da Margarethe in die Thüre trat . - » Sieh da , Vollbrecht ! « rief die Altbürgerin , schmerzlich und freudig betroffen von dem Anblick des Knechts : » Du hier ? Ei , sprich , wo ist Dein Herr , und kehrt er zurück ? « - » Ehrsame Frau ! « lautete die Antwort : » Wir sind herumgezogen in der Irre , wie Roland ' s Knappen , haben aber nichts erlauert , nichts erspürt . Wir haben zwar manchen Span bestanden mit den adelichen Herren , die rundum an den Straßen und Flüssen die Schlagbäume machen , und von Freund und Feind den Zoll heischen , - aber , die wir suchten , fanden wir nicht , und des Fräuleins leibeigner Knecht Rüdiger , nachdem er uns lange links und rechts und kreuz und quer im Lande umhergeführt hatte , meinte endlich , er werde doch nimmer das Schloß erkennen , in welchem sie gesteckt , - das Fräulein , Er und die Zofe , - und glaube steif und fest , man habe das Fräulein umgebracht , weil auch kein Laut mehr , von ihr zu hören sey . Darauf haben wir uns auf den Rückweg gemacht , und wollten heut zur Vesperzeit in Frankfurt einreiten , als mit einemmale der Rüdiger krank wurde , und so bresthaft , daß er wohl nimmer erstehen wird . Der Mensch hat sich so viel Gedanken um seiner Herrschaft Schicksal gemacht , und sich so sehr darob gegrämt , daß , er sicher schon verschieden wäre , wenn er nicht etwas auf dem Gewissen gehabt hätte , das ihn , wie er sagt , seit geraumer Zeit gedrückt hat , wie ein Fels . Der Junkherr hat ihm zugesprochen , wie ein Beichtherr , denn das versteht er aus dem Grunde , und endlich hat der Knecht sich drein ergeben , und versprochen , ihm Alles zu bekennen , und sein Herz zu erleichtern vor dem Ende . « - » Was kümmert