» Nur die Prinzessin Idoine « ( sprach er , zu sich kommend ) » kann sie erfüllen und ihn erretten , wenn sie ihm erscheint und ihm Frieden zusagt , da sie eine so nahe Ass- Kos-168 , Kopie und Nebensonne von der Verstorbnen sein soll . « - » Ist das Ihre Bitte ? « sagte die Gräfin . » Meine größte « , sagte Schoppe . » Hat Sie sein Vater hergeschickt ? « sagte sie . » Nein , ich « - ( sagt ' er ) » der Vater , damit ich klar und frei und bestimmt sei , will es nicht . « » Sind Sie nicht der Maler des niesenden Selbst-Porträts ? « fragte sie . Er verbeugte sich und sagte : » Ganz gewiß ! « Als sie ihm geantwortet , in einer Stunde hör ' er die Entscheidung , machte sie ihm eine kurze achtende Abschiedsverbeugung - und die einfache , edle Gestalt verließ ihn mitten in seinem trunknen Nachschauen ; und er war unwillig , daß die kindischen Spiegel umher der einzigen Göttin so viele Nachschatten nachzuschicken wagten . Zu Hause fand er zwar den Wahnsinnigen , dessen Ohren allein nur in der Wirklichkeit fortlebten , wieder auf den Knien vor dem sechsten Glockenschlage ; aber seine Hoffnung blühte jetzt unter einem warmen Himmel . - Nach einer Stunde erschien der Lektor und sagte mit bedeutend-froher Miene : es gehe recht gut , er hole einen Ausspruch des Arztes über die Krankheit , und dann entscheid ' es sich darnach . Herr v. Augusti gab ihm mit hofmännischer Ausführlichkeit den bestimmtern Bericht : die Gräfin flog zur Fürstin , deren Achtung für den künftigen Reisegefährten sie kannte , und sagte ihr , sie würd ' es in Idoinens Falle ohne Bedenken tun . - Die Fürstin bedachte sich ziemlich und sagte , hierüber könne nur ihre Schwester entscheiden - Beide eilten zu ihr , malten ihr alles vor , und Idoine fragte erschrocken , was sie für ihre Ähnlichkeit und ihre wohlwollende Reise könne , daß man sie so tief in solche phantastische Verwicklungen ziehen wolle . - In dieser Sekunde trat Julienne blaß herzu und sagte , sie habe schon seit dem Morgen Nachricht davon , das Erscheinen sei einer so guten Seele Pflicht . - Da antwortete Idoine , sich und alles bedenkend und mit Würde : es sei gar nicht das Ungewöhnliche und Unschickliche , was sie schrecke , sondern das Unwahre und Unwürdige , da sie mit dem heiligen Namen einer abgeschiednen Seele und mit einer flachen Ähnlichkeit einen Kranken belügen solle . - Die Gräfin sagte , sie wisse darauf keine Antwort , und doch sei ihr Gefühl nicht dagegen - Alle schwiegen verlegen . - - Die gewissenhafte Idoine war im weichsten Herzen bewegt , das unter dem Gewichte einer solchen Entscheidung über ein Leben zitternd erlag . - Endlich sagte Linda mit ihrem Scharfsinn : » Es wird aber doch eigentlich kein moralischer Mensch getäuscht , sondern ein Schlafender , ein Träumer , und Einbildung und Lüge soll ja an ihm nicht bestärkt , sondern besiegt werden . « - Julienne nahm Idoinen mit sich , um ihr den Jüngling , den sie so wenig wie Linda gesehen , wahrscheinlich näher zu malen . - Bald darauf kam Idoine mit dem Ausspruche zurück : » Wenn der Arzt ein Zeugnis gibt , daß ein Menschen-Leben daran hänge : so muß ich mein Gefühl besiegen . Gott weiß es , « ( setzte sie bewegt dazu ) » daß ich es ebenso willig tue als unterlasse , wenn ich nur erst weiß , was recht ist . Es ist meine erste Unwahrheit . « Der Lektor eilte von Schoppe zum Doktor , um von ihm unter vielen Wendungen gerade das schicklichste Zeugnis mitzunehmen . Schoppe wartete lange und ängstlich - nach 7 Uhr kam ein Blatt von Augusti : » Halten Sie sich bereit , Punkt 8 Uhr kommt die bewußte Person ! « - Sogleich ließ er , um die Fieberaugen zu schonen , im Krankenzimmer statt der Wachslichter die magische Hänge-Lampe aus Beinglas brennen . Den kranken Jüngling zündete er mit Geschichten von Wiedergekommenen noch stärker an und riet ihm , mit langen Feuergebeten vor der festen Todespforte zu knien , damit Ihr milder , barmherziger Geist sie aufreiße und ihn auf der Schwelle heilend berühre . Kurz vor acht Uhr kamen in Sänften die Fürstin und ihre Schwester . Schoppe wurde selber schaudernd von dieser auferstandnen Liane ergriffen . Mit funkelndem Auge und versperrtem Munde führt ' er die schönen Schwestern in die Kulisse , auf deren Bühne draußen sie schon den Jüngling beten hörten . Aber Idoinens zarte Glieder zitterten vor der ungeübten Rolle , worin ihr wahrhafter Geist sich verleugnen sollte ; sie weinte darüber , und der fromme schöne Mund war voll stummer Seufzer ; oft mußte die Schwester sie umarmen , um ihr Mut zu machen . Die Glocke schlug - fürchterlich-heiß flehte der Wahnsinnige drinnen um Frieden - die Zunge der Stunde gebot - Idoine schickte einen Blick als Gebet zu Gott . - Schoppe öffnete langsam die Türe . - Drinnen kniete mit gen Himmel gehobnen Armen und Augen ein schöner , in der magischen Dunkelheit blühender Göttersohn im eisernen Zauberkreise des finstern Wahnsinus und rief nur noch : » O Frieden , Frieden ! « - Da trat die Jungfrau begeistert wie von Gott gesandt hinein ; weißgekleidet wie die Verstorbne im Traumtempel und auf der Bahre , mit dem langen Schleier an der Seite , aber höher gestaltet , weniger rosenfarb und mit einem schärfern , hellern Sternenlicht im blauen Äther des Auges und ähnlicher der Liane unter den Seligen und erhaben , als komme sie als ein verjüngter Frühling von den Sternen wieder , so trat sie vor ihn - sein greifender Flammenblick erschreckte sie - leise und wankend stammelte sie : » Albano , habe Frieden ! « - » Liane