ihrem Vortheil benutzen zu können . Antipater indessen schien an allen den Lustbarkeiten , die jetzt so rasch auf einander folgten , nur wenig Theil zu nehmen , und anstatt in einem so lebhaft unterhaltenen Feuer endlich zu schmelzen , vielmehr mit jedem Tage spröder und unempfindlicher zu werden . Ich gestehe , daß mir eine so hartnäckige Kälte oder Zurückhaltung an einem so kräftigen und ungeschwächten Jüngling zu wenig natürlich schien , um nicht verdächtig zu seyn . Aber wohin ich auch meine Vermuthungen richtete , nirgends zeigte sich eine Spur , die mich auf den Grund seines unerklärbaren Benehmens hätte leiten können . Er selbst zeigte sich bei allem was vorging so ruhig , und schien eine ihm so natürliche Rolle zu spielen , daß ich mich endlich gezwungen sah , entweder das seltsame Problem unaufgelöst zu lassen , oder anzunehmen , der junge Mensch besitze bereits so viel Stärke des Charakters , daß er sein Verhalten gegen Lais bloß nach reinsittlichen Grundsätzen bestimme , und die Würde unsers Geschlechts gegen die übermüthigen Anmaßungen einer von der Natur und dem Glücke allzu sehr verzärtelten Hetäre behaupten wolle , die ihr höchstes Vergnügen daran findet , so viel Sklaven als nur immer möglich vor ihren Triumphswagen zu spannen , und Begierden und Leidenschaften zu erregen , welche sie weder zu befriedigen gesonnen noch zu erwiedern fähig ist . Wahrscheinlich war eine solche Voraussetzung nicht ; aber wenn ich irgend einem jungen Manne Stolz und Kaltblütigkeit genug , um so zu denken , und Stärke genug , um ein dieser Denkart angemessenes Betragen sogar gegen eine Lais auszuhalten , zutrauen durfte , so war es Antipater . Indessen hat sich ' s am Ende doch gezeigt , daß man in dergleichen Fällen am sichersten geht , wenn man zu ihrer Erklärung die natürlichste Ursache annimmt . Antipater hatte sie mir bisher verschwiegen , aus unnöthiger Furcht , die schöne Lais möchte Mittel finden mir sein Geheimniß abzulocken . Da ich ihm aber vor etlichen Tagen seines Heldenthums wegen eine kleine Lobrede hielt , konnte der wackere Jüngling den Gedanken nicht ertragen , mich durch sein Schweigen um eine Achtung , die er nicht verdiene , zu betrügen ; und so that er mir ein Geständniß , wodurch mir nun freilich alles sehr begreiflich ward , und wovon ich nichts weiter sage , da er dir das Nähere selbst geschrieben zu haben versichert . Lais belustigt sich inzwischen damit , sich durch eine ziemlich kostbare Selbsttäuschung nach Sardes in die Zeiten ihrer höchsten Glorie zu versetzen . Von drei oder vier Kreisen hoffender und betrogener Anbeter umgeben , lebt sie wie eine unumschränkt regierende Königin unter ihren Höflingen , verschwendet das Persische Gold wie eine ächte Griechin , und findet sich reichlich entschädiget , wenn sie sich in ihren Ruhestunden mit mir und Euphranor über die Unterhaltung lustig macht , die ihr so viele verzauberte Gecken , Thoren und Narren von allen Altern , Ständen , Charaktern und Figuren auf ihre eigenen Kosten verschaffen ; während diese vielleicht über die Thörin lachen , die das eitle undankbare Vergnügen , ihre Liebhaber mit weit offnen Schnäbeln in die leere Luft schnappen zu sehen , theurer erkauft , als eine andere an ihrer Stelle sich dafür bezahlen lassen würde jedermann zufrieden nach Hause zu schicken . Uebrigens muß ich ihr nachrühmen , daß sie in der Kunst kleine Gunsterweisungen zu vervielfältigen und weit über ihren wahren Werth auszubringen , eine unübertreffliche Meisterin ist . Wäre sie so gewinnsüchtig und raubgierig , als sie im Gegentheil freigebig und verschwenderisch ist , wahrlich mit diesem einzigen Talente könnte sie die reichste Person auf dem ganzen Erdboden seyn . Ueber den ungefügigen Antipater hat sie endlich ihre Partie wie eine weise Frau genommen . Sie bemerkt jetzt sein Daseyn nur selten ; wenn es geschieht , beträgt sie sich eben so unbefangen und verbindlich gegen ihn wie gegen jeden andern , scheint sich aber , so oft sie ihm etwa ein paar Worte sagt , nicht zu erinnern , ihn jemals zuvor schon gekannt zu haben . Nach allem , was du bisher gelesen hast , lieber Kleonidas , ist es wohl überflüssig , dir zu sagen was aus meinem Anschlag auf die schöne Lais geworden ist . Ich komme mir jetzt selbst mit meiner leichtgläubigen Treuherzigkeit gewaltig lächerlich vor , und gelobe der weitherrschenden Aphrodite Pandemos und allen ihren Grazien , mich in meinem Leben nie wieder so schwer an ihnen zu versündigen , um aus einer Lais , und wenn sie noch liebenswürdiger wäre als diese , eine - gute ehrliche Hausfrau machen zu wollen . Alles ist nun wieder zwischen uns wie es seyn soll , und wie es auf ihrer Seite immer war . Aber , wiewohl ich die Hoffnung , sie jemals nach meiner Idee glücklich zu sehen , auf ewig aufgebe , so erneuere ich doch zugleich den Schwur , so lange ich athmen werde ihr Freund zu bleiben . Da ihr mit dem Mehr , was ich für sie zu thun fähig gewesen wäre , nicht gedient ist , so ist dieß das Wenigste was ich ihr schuldig bin . Um dir eine Probe zu geben , wie wir uns in den zwei ersten Dekaden , so lange unsre Gesellschaft noch klein und auserlesen war , zu unterhalten pflegten , schicke ich dir die Abschrift eines großen Briefes an unsern Freund Eurybates , der in diesem Jahr einer von den sechs Thesmotheten127 von Athen ist , und , dieser Würde wegen , des Vergnügens den schönsten Theil des Jahres in Aegina zuzubringen entbehren mußte . Dieser lege ich noch die Abschrift einer großen Epistel bei , die ich von Lais , kurz vor unsrer Zusammenkunft in Aegina , erhielt . Sie enthält die sonderbare Geschichte einer von ihr an einem jungen Aspendier verrichteten Wundercur ; eines von den Abenteuern , die nur ihr begegnen , und woraus sich keine andere so wie sie zu ziehen wüßte . In drei