und alle Ozeane geworfen , aber der Handel selbst ist ein Erwerb , ein Kramgeschäft , sei er noch so groß , die uneigennützigen , die grandiosen Bewegungen der menschlichen Seele , die Götter der Menschheit haben nichts damit zu schaffen . Wenn der Engländer heraustritt aus seinem Bannkreise der engen Sitte , des engen Glaubens , so ist er auch der großartigsten Frechheit fähig . Wer nicht frech sein kann , der ist auch ohne Gewalt , das Außerordentliche wird immer den Göttern geraubt ; die Griechen hatten ihren Prometheus , wir nennen es eben darum das Außerordentliche . So haben die Engländer die Republik erfunden , welche das schreckende Beispiel eines Königsschafottes gab , welche Cromwell mit Krallen zeugen und erziehen half , welche England heute noch besitzt , welche die ganze stürmische Welt der modernen Politik geweckt hat , und in Albion selbst nur prosaisch niedergehalten ist durch ihre Geburt aus dem dürren Puritanismus , durch ihre Verheiratung an den Kaufmann . Diese moderne Republik ist innerlich die frechste Forderung , sie heischt Genialität jedes einzelnen . So haben die Engländer das Meer bezwungen , sie haben die tausend und abertausend Lords geschaffen , deren jeder die Souveränität eines Imperators in sich trägt , uneingeschränkter Mensch sich fühlt ganz und gar . Sie haben Shakespeare gezeugt , der als ordinärer Schauspieler die Poesie des Universums an seine Brust riß , sie haben Gibbon gezeugt , der das Christentum verfluchte , haben Chesterfield gezeugt , der die Tugend mit der Klugheit zerdrückte , Shelley , der Gott leugnete mit einen sanften Herzen , Byron , der die Gesellschaft schlug mit Fäusten , welche von Ambra dufteten . Noch heut findet man Riesenpotenz im einzelnen Engländer , noch heute ist mitten in dieser Stadt Old Bailey , der Aufenthalt allerfrechster Gemeinheit , beiläufigen Mordes , unbezwungen . London hat soviel Freudenmädchen , wie ein deutsches Herzogtum Einwohner , und darunter die schönsten und die gemeinsten der Welt , noch heute findet man in England neben dem vernünftig berechnenden Kaufmanne die großmütigste , erschütternd unbefangene Anerkennung des Ungeheuren , Teilnahme am Verwegensten - mit einer Rakete bis auf den Mond geschossen zu werden , mach ' es möglich , und ein Engländer klammert sich kaltblütig an Deinen Raketenstock . Fähnrich , es ist etwas vom Geschlechte des Tantalus , das mit den Göttern frech verkehrte , im Engländer , was meine schlaff werdende Seele , welcher nichts großes mehr zu Hilfe kommen will , wunderbar schwellt - ich verkehrte mit einigen Lords und Baronets von dieser Weise , und mitunter schreit mein alter Mensch noch einmal auf in Jauchzen und Genüge . Ich lege Dir da ein Brieflein Leopolds bei , das er mir mitgeschickt hat , sieh ' zu , wie es Dich anmutet , mir wird die Faselei unausstehlich . 11. Leopold an Valerius . Nach langer Zeit drücke ich Dir wieder einmal , die Hand , mein Liebwertester . Ich bin , seit wir in Warschau schieden , noch durch manches Lebensverhältnis neben Hippolyt leicht und ohne innere Gedanken , ohne Beachtung des geheimnisreichen , tief liegenden Menschen geschlüpft . Du weißt , Hippolyt schöpft seinen Geist und seine Welt nur aus einem sinnlichen Herzen . Hier hatte ich mich brouilliert und geriet nach St. Pelagie , ein artiger Aufenthalt , der Zerstreuung bietet und Einsamkeit , wie man ' s kann und mag . Es sitzen Leute hier , die Millionen kommandieren und sich zur Bezahlung irgend einer Schuld nicht verpflichtet glauben , das Weltliche hat ja tausendfache Deutung . Es wird großer Aufwand gemacht , solange die Quellen fließen , man trinkt , singt , spielt , liebt , lacht , man zieht sich zurück in Beschaulichkeit und Ernst . Nach jenem ersten ist mir das zweite geworden , hier unter den fremd redenden Menschen ist mir die Identität Gottes und des menschlichen Gedankens aufgegangen , ich bin sehr glücklich und beruhigt in mir , still heiter , es weht ein Hauch des Himmels durch meinen Kopf , durch mein Herz . Valerius , Du wärst am ersten fähig und würdig , dieses Glückes auch teilhaftig zu werden , des Glückes , das ein Ineinanderleben des Geistes und Sinnes dieser Welt mit dem Geist und Sinne höherer Existenz bietet . Ich bin sehr glücklich , auch die Verse sind mir wieder gekommen , ich habe ein großes Gedicht in Komposition , wo die Gottheit säuselnd über eine Engelschar hinschwebt , die Engel wollen diesen ewigen Ton wiedergeben , um den Herrn der Heerscharen zu loben , jeder versucht ' s auf seine Weise , und so entsteht die Musik in ihrer verschiedenartigen Äußerung . Nun fliegen sie voneinander in alle Zeiten , in alle Länder , kehren ein bei diesem Menschen , bei jenem , schweben des Nachts über den Häuptern derselben und singen den Herrn ; diese glücklichen Menschen sind dann vom nächsten Morgen an die großen Musiker , welche das träumerisch Vernommene zu fesseln suchen und der Welt überliefern . So verbreitet sich der Himmel , die verschiedenen Apostel verstehen oft selbst nicht die Sprache , welche sie reden , der Dichter nur deutet sie , und das tu ' ich ; jeder Walzer ist die Geschichte eines Menschen , der sich im leichten Sinne zum Ewigen durchschaukelt ; die Symphonie ist schon der Versuch , sich einer ganzen Himmelsgegend zu bemächtigen , und der Schluß meines Gedichtes wird dann das große , letzte irdische Musikfest , das profane Menschen das Ende der Welt nennen , da löst sie sich auf in verschwebende Harmonie , der Mensch wird Ton , die Sinnesrichtungen entwickeln sich als Tonarten , der vereinte große Herzschlag der Menschheit wird Takt , das allgemeine Aufgehen in die Gottheit wird Weltenchorus , jene unendliche , nur von den zartesten Gemütern geahnte Symphonie der Sphären . Dies Land hat den Wein erfunden , um aus der irdischen Entzückung in die überirdische zu gelangen . Eine junge Gräfin aus der Champagne ,