, zu wanken , und über dir will die Lawine stürzen ; man gab von dort das Zeichen , daß sie kommt . Du willst dem Schah-in-Schah die Herrschaft stehlen und - - - « Ein schmetterndes Gelächter schnitt ihm die Rede ab . Aber nicht der Mirza lachte , der sich immer noch nicht regen zu können schien , sondern die Gul war aufgesprungen , um in dieser Weise zu zeigen , daß das Weib in den Augenblicken der Gefahr oft hoch über dem Manne stehe . Sie riß dem vollständig Ratlosen den Säbel aus der Scheide , trat bis ganz an den Rand der hohen Mauer vor und schrie herab : » Erzähle keine Fabeln , sondern schau dich nach der Wahrheit um ! Die Lawine will nicht erst kommen , sondern sie ist schon da . Sie wird Euch packen , sofort , sofort ! Heran , Ihr Leibscharen des neuen Schah- heran ! Hier blitzt der Stahl ; ich rufe Euch zum Siege ! Yallah103 - yallah - - yallah ! « Sie schwang den Säbel hoch empor , indem sie diesen Ruf ebenso hinausschmetterte , wie vorher das Gelächter und - - - war das tollkühne Absicht oder die Folge des unvorsichtigen , zu weiten Vortretens ? Sprang sie , oder stürzte sie ? Ließ sie die Klinge fallen , oder hielt sie sie fest ? Man konnte das nicht unterscheiden , aber - - - bei dem dritten Yallah flog sie von der Mauer herunter . Das sah genau so aus , als tue sie das , um durch diesen verwogenen Sprung in die Feinde herunter die zögernden Schatten zum Angriff zu begeistern . Und es wirkte ! » Yallah , yallah ! « riefen die Päderan , indem sie vorwärts stürmten . » Yallah , yallah ! « schrien die ihnen nachdrängenden Schatten . » Yallah - yallah - - yallah ! « brüllte es , weiterlaufend , rund um den ganzen See . Die beiden Kolonnen drängten nach vorn . Da winkte der Chodj-y-Dschuna vom Boote aus dem Hauptmanne zu . Dieser gab das Zeichen . Es wurde zu beiden Seiten gesehen , und die Geschütze begannen , den Tod in die Feinde zu sprühen , nicht nur die zwölf im Duar , sondern auch die übrigen acht . Der Donner der Kanonen riß den Mirza aus seiner Erstarrung . Er fuhr sich mit beiden Händen nach dem Kopfe und trat , so wie vorher die Khanum , ganz an den Rand der Mauer vor , um ihr nachzublicken . Aber unsere Augen wurden durch etwas Anderes von ihm und von der Wirkung der Schüsse ab- und in die Höhe gezogen . Wir konnten vom Beit-y-Chodeh aus das ganze abschüssige Terrain am Alabasterzelte übersehen . Die Moräne hatte das lockere Geröll erreicht und schob es vor sich her . Sie wuchtete selbst die größten Blöcke aus , welche infolge ihrer Schwere ins Rollen kamen und der eigentlichen Lawine vorausstürzten . Das geschah gerade in der Pause nach dem ersten Krachen unserer Kanonen . Die Massaban schauten von der Kampfesszene weg , hinauf nach der Bergeskuppe . Sie wußten von dem Aschyk , daß ein Bergsturz erfolgen werde , und als sie nun Stein auf Stein herniederfallen sahen , ergriffen sie schleunigst die Flucht . Der Duar lag zu nahe am Berge ; von ihm aus konnte der Eintritt der Katastrophe noch nicht bemerkt werden . Aber den Schatten draußen am Wasser mußte er unbedingt in die Augen fallen . Sie hielten im Vordrängen wieder inne . Sie schrieen nicht mehr » yallah « , sondern ganz anders . Sie richteten ihre Blicke nicht nach vorn , obgleich da unsere Geschütze weiterdonnerten , sondern nach oben , wo die Moräne sich am Felsen des Zeltes in zwei breite , wirbelnde Ströme geteilt hatte und nun herniederschoß . Noch ehe sie unten auftraf , erscholl von allen Punkten des Tales ein vieltausendstimmiger Schrei , dann - - Das war kein Krach , den es gab , kein Schlag , kein Knattern und Prasseln , kein Dröhnen und Rasseln , kein Knirschen und Tosen , kein Brausen und Sausen , kein Zerbersten , Zerspringen und Zerplatzen , kein Knallen , kein Beben , kein Zittern , kein Rollen , und doch aber war es dieses Alles , Alles , Alles , aber in so entsetzlicher und betäubender Weise vereint , daß es ganz unmöglich beschrieben werden kann . Die Wucht des Sturzes dieser schweren Massen erregte einen Luftdruck , der uns hier hüben wie ein unsichtbarer Schlag an die Köpfe traf , drüben aber Alles , was da stand , zu Boden warf . Ahriman Mirza wurde von der Mauer hinweg und weit in die Luft hinausgeblasen . Wohin er fiel , das sahen wir nicht , weil aus der höllischen Verwirrung eine Staubwolke aufstieg , welche zunächst die ganze Ruinenseite des Tales verhüllte und sich dann in der Weise weiter verbreitete , daß wir nur mit Vorsicht atmen konnten . Die Atmosphäre wurde in solcher Höhe und Weite von diesem Staube erfüllt , daß noch einige Tage später der Bergwald am äußersten Ende des Sees aus Grün in Grau verwandelt lag . Das Auftreffen der Lawine hatte eine Bodenerschütterung zur Folge , die als Zittern weiterlief und von einem Geräusch begleitet wurde , als ob ein Kegeljunge alle seine Kugeln auf der Laufrinne hinunterrollen lasse . Obgleich wir auf dieses Ereignis vorbereitet gewesen waren , konnten wir uns dem Eindrucke seiner elementaren Gewalt doch nicht entziehen . Wie mußte es da erst bei Denen wirken , die es unerwartet traf ! Wir sahen das zwar nicht , aber wir hörten umso mehr . Das war kein Lärm , der zu uns heraufdrang , sondern ein überlaut zeterndes Getöse . Menschliche Stimmen erschallten in jeder Klangfarbe des Entsetzens . Pferde wieherten überall , aber in einer mir bisher ganz fremden Weise . Kamele brüllten ; Hunde heulten . Auch im Walde wurde es laut .