erhalten . Für die streng weidmännische Erfüllung dieses Wunsches weiß ich mir keinen Besseren als Sie , lieber Hornegger ! Sie haben mein volles Vertrauen , und Ihr Wort hat den Jägern zu gelten wie das meine . Auf Wiedersehen im nächsten Jahr ! « Tassilo empfing den festen Druck dieser braunen Fäuste ; dann gingen die Jäger ; nur Franzl blieb noch ; er stand wie angewurzelt , drehte den Hut zwischen den Händen und rang nach Worten . » Herr Graf - Herr Graf - « Mehr brachte er nicht heraus . » Schon gut , Franzl ! « Tassilo legte ihm die Hand auf die Schulter . » Und wie steht ' s daheim ? « In Franzls Augen wurde die Freude zu Wasser . » Allweil im gleichen . Noch allweil net besser . Der Herr Doktor macht schieche Augen an dös gute Madl hin ! « » Jetzt nicht mehr ! « klang eine Stimme von der Tür . Doktor Eisler war eingetreten . » Ich komme gerade zu gutem Trost , wie mir scheint ! Munter , lieber Hornegger ! Das Mädel hat ' s überklettert , das Fieber sinkt ! « Er fügte bei , daß es noch ein paar Tage dauern könnte , bis die Kranke aus der Bewußtlosigkeit erwachen würde . Aber das hörte Franzl nimmer . Mit stammelndem Laut hatte er einen Sprung zur Tür gemacht ; den Abschied von seinem Herrn und den schicklichen Dank für die gute Botschaft des Doktors vergessend , stürzte er in den Flur hinaus , stieß mit der Schulter an eine Säule der Veranda , daß er taumelte , sprang über die Stufen hinunter und rannte - und rannte - - Doktor Eisler blieb bis zu Tassilos Abfahrt . Was sie miteinander zu reden hatten , betraf den » guten Jungen « , der nicht einsam und getrennt vom Vater im Friedhof des Dorfes schlummern sollte . Auch er sollte die Heimkehr finden in die Erbgruft seines Geschlechtes . Der Abend war lau , und sanftes Geflüster ging durch das Laub der Ulmen , als Tassilo sich von Doktor Eisler verabschiedete und in den Wagen stieg . Seine Augen glitten über die stillen Fenster des Schlosses , über den weiten Park und zu den Bergen hinauf , deren Höhen vom Goldglanz des Abends so klar beleuchtet waren , daß man jeden Baum und jeden einzelnen Felsblock unterscheiden konnte . In reiner Schönheit zeichneten sich die schimmernden Grate vom tiefen Blau des Himmels ab , und ihre Schatten milderten sich im Duft der farbigen Lüfte . * * * Zwei Tage später wurde im Friedhof ein grün überwachsenes Grab geöffnet . Und während hier die Tragödie des Schlosses ihre letzte Szene fand , nahm an anderer Stelle ein Satyrspiel der Bauernstube seinen Anfang . Im Steinbruch stand der Pointner-Andres vor dem mit Quadern beladenen Wagen ; er wollte mit der Ladung zur Bahn fahren , hatte die Pferde zur Deichsel geführt und entwirrte gerade den ledernen Leitstrang , um den Riemen in die Zäume einzuschnallen . Da ging eine junge Dirn vorüber ; sie lächelte ganz merkwürdig , als sie den Pointner gewahrte , der mit verdrossenem Gesicht an den Schlingen des Riemens nestelte ; ein paarmal guckte sie kichernd über die Schulter , und an der Waldecke blieb sie stehen und rief dem Pointner lachend zu : » Du , Andresl , mir scheint , du hast was Schöns mit der Post kriegt . Ja ! Grad hab ich den Biamtn bei dir daheim einkehren sehen - der hat a blaus Röckerl an ! « Kichernd verschwand sie . Eine Weile stand der Pointner regungslos , den Kopf mit dem Stiernacken vorgestreckt , die Augen funkelnd ; dann drehte er dem Gespann den Rücken , und mit dem verschlungenen Riemen in der zitternden Faust ging er langen Schrittes dem Dorfe zu . Als er sich seinem Gehöfte durch die Gärten näherte , gewahrte er , daß eine Magd sein Kommen bemerkt hatte und erschrocken in das Haus rannte . Er änderte die Richtung seines Weges , und statt die Haustür zu suchen , lief er um den Stall herum zu dem Hintertürchen , das aus der Küche ins Freie führte . Da hörte er schon das Gewisper einer Stimme und das Klirren des Riegels . Die Tür wurde aufgerissen , und einer im » blauen Röckerl « wollte das Weite suchen . Aber der Pointner hatte schon die Faust geschwungen . Die Riemen pfiffen . Und auf dem Gesicht des Herrn Postpraktikanten , der halb bewußtlos gegen den Düngerhaufen taumelte , brannten drei dunkelrote Striemen . Was weiter mit dem Gezeichneten geschah , schien den Pointner-Andres nicht zu kümmern . Er hatte in der dunklen Küche einen kreischenden Laut gehört und war mit einem Sprung über der Schwelle . Zwei Türen krachten ins Schloß , ein Gepolter und Geklirr ließ sich vernehmen , als wäre ein Tisch umgefallen und ein Haufen Geschirr zu Boden gestürzt . Und trotz der geschlossenen Fenster klangen aus der Stube des Pointnerhofes zeternde Schmerzensschreie so laut in den Hofraum und auf die Straße , daß die Dienstboten zusammenliefen und die Nachbarsleute aus den Häusern sprangen . Nach einer Weile wurde es in der Stube des Pointners still , ganz still . Mit rotem Gesicht trat der Bauer aus der Haustür . Er schien die Dienstboten nicht zu sehen , die sich in Stall und Scheune verzogen . Schmunzelnd hob er die Faust , betrachtete den Riemen und atmete erleichtert auf : » Mein lieber Herrgott , ich dank dir , daß ich bloß den Riem in der Hand ghabt hab ! Und net die Brechstang ! Jetzt hätte ich nimmer gfragt , mit was ich zuschlag . « Er blies die Backen auf und ging zur Straße . Vor dem Zaun des Försterhofes stand die Horneggerin , mit dem Netterl auf den Armen . » Aber Andres ! Andres ! « rief sie den Bauer an . » Du