Kreis mein Hirn durchlief . Und als ich seufzend meine Uhr dann fragte , Sah ich , daß von der schönen Gegenwart Ich einer Stunde Blüthe mir zernagte Mit löblichen Entschlüssen solcher Art. Die Harmonie von Leib und Seele - Halb Sportsman , halb Gelehrter sein - Das ist ein Humbug . Eines wähle , Sonst wirst Du keines von den Zwei ' n. Seit mir die Liebe schien ins Herz gleich wie Aurora , Beklage ich nicht mehr , wie sehr mein Loos zerüttet . Was immer bergen mag die Büchse der Pandora , Hoffnung und Liebe jetzt mit Blumen mich beschüttet . Ich weiß , daß jedem Ding spät oder früh bescheeret Ein Himmel der Natur , des Ueberird ' schen Gleichniß : Geliebt zu werden von der Frau , die er verehret , Ist jedem Mannessein das krönende Ereigniß . Zum Himmel ich erhob die abendmüde Seele , Schon öffnete er mir sein leuchtend Sternenzelt . In goldnem Nimbus da , göttlich und ohne Fehle , Im Halbmond mir erschien die Königin der Welt . Es singen um sie her die Sphärenharmonien : » Ave , Maria stella ! Heil , Herrscherin der Fluthen ! « Seltsame Horden auch von Geistern sie umziehn , Die machtvoll in dem Schooß der großen Wasser ruhten . Sie boten Schätze dar , die dort im Abgrund schliefen , Schätze , die kaum geträumt der prächtige Aladin , Schätze , die aufgespürt zur Hülfe dem Merlin Die Artusritter nicht aus den verborgnen Tiefen . Die Jungfrau sie empfing mit Huld all ' diese Gaben , Indem die Wimpern sie auf schwarze Augen senkte . Doch Er , den ihrem Schooß mystische Liebe schenkte , Oeffnete groß den Blick , sich an dem Glanz zu laben . Indessen zitterte der Ocean empor Aus seiner Tiefe , da die Herrin ihm erschien . Und Deines Halbmonds Rand umfloß der Wogen Chor , O Jungfrau , liebevoll Dir murmelnd Melodien . Ja , jeder Silberschaum , ja alle Azurwogen Des flüss ' gen Elements zu Dir empor sich bäumen , Von Deinem holden Leib ward himmelan gezogen Dies Meer voll Hoffnungen und gläub ' gen Liebesträumen . » O Ewig-Weibliches ! « Die Sphärenchöre sangen , Prinzipien des Seins , die aus dem Meere stammen . » O Ewig-Weibliches ! « O wolle Du empfangen Die Bitten hier von Luft und Erde , Fluth und Flammen ! O Unsre Liebe Frau , daß uns Dein Schutz behüte ! Kein Wesen ohne Dich gedeiht auf keine Weise . Denn unsre Kraft bedarf all Deiner Frauengüte , Zu einem Großen sie verknüpft verschiedne Kreise . Durch Dich nur leben wir und blühn , Du unbeschreibliches Geheimniß jedes Glücks , das sie ins Herze wob . O Gattin , Schwester Du , o Mutter ! Ewig Weibliches ! Nur Dir , nur Dir allein sei Ehre , Preis und Lob ! » Ah , bravo , bravo , lieber Graf ! « rief Dondershausen . » Hier sieht man den gereiften Mann , welcher das Leben kennt ! « » Daß ein Mann wie Sie sich unter diese vorlauten Musenknaben und Maultitanen mischt ! « flötete Adolf der Schöne . » Nun , ehrlich gestanden , « Krastinik zuckte die Achseln , » mein Alter in Ehren ! Daß meine Gedichte darum besser wären als die der Andern , kann ich nicht finden . Unreife - ja , die erkennt man wohl dort überall , aber auch echte Leidenschaft und mächtiges Wollen ! « Die vornehmen Kritiker und die feinsinnigen Eklektiker zuckten unisono die Achseln . Dann las man : Helmold Heinrichs . Erotik am Vesuv . Von Capris Kuppen rinnen nieder hier Die Bäche , roth beglüht vom Morgenschein , Als rinne schier ein Meer von Malvasier Zur blauen Grotte selbst ins Meer hinein . Und der Vesuv steigt weißlich aus der Flut , Gekrönt von Wolken . Wie ein Zuckerhut . Oder ein Beutel , oben dichtgeschnürt . Bald scheint ' s , ein Hütlein habe sich aufs Haupt Der Berg gesetzt . Bald scheint , vom Wind umschnaubt , Ein bleiches Segel an dem Felsenmast Stets auf- und abgezogen ohne Rast , Sobald ein Luftzug dort den Dunst berührt . Und hier im Angesicht - so malt ' s kein Pinsel - Des Flammenberges , des zerstörungsfrohen , Stürz ' ich mich in der Liebe Flammenlohen Und schwelg ' in Deinen Armen , Kind der Insel . » Ach , das ist mein Lieblingsdichter ! « schmachtete Herr von Lämmerschreyer . » Welche Gluth des Colorits ! « » Auch ein bescheidener Mensch ! « Wurmb wiegte anerkennend sein Denkerhaupt . » Er schreibt mir jede Woche zwei Postkarten aus Casamicciola . « » Mir ja auch ! « rief Feichseler . » Und mir auch ! « » Mir auch ! « Es ergab sich , daß dieser bedeutende Sänger an jeden Anwesenden gleichlautende Freundschaftsbriefe wohl immer zu gleicher Stunde absende . Ein Netz von Massencorrespondenz über das ganze litterarische Deutschland hin ! Weniger ergiebig schien freilich seine produktive Ader . Denn er leistete jeden Monat ein Gedicht und erklärte , daß der wahre Dichter nicht arbeiten dürfe . Er müsse sich langsam vorbereiten , die Welt im Kopfe tragend , und alles ruhig reifen lassen . Nur der sei ein wahrer Dichterheld , wer möglichst das Tintenfaß meide . » Nicht so ewig drauflosschmieren , als könnte man nicht eilig genug unsterblich werden , wie dieser Leonhart ! « eiferte der glatte Erich bei dieser gelegentlichen Feststellung der Heinrichs ' schen Prinzipien , worauf ein allgemeines » Sehr wahr ! « erscholl . Nur Krastinik runzelte leicht die Stirn und bemerkte ruhig : » Kennen Sie Leonhart so genau ? Ich glaube gar nicht , daß er des Ruhmes wegen so viel producirt , sondern bloß aus innerem Muß , um seine Naturanlage auszuleben . Ihm ist das Schaffen , wie uns Anderen das Athmen und Verdauen . Uebrigens , was den