Mittel , verfolgt von dem Zorn seines Vaters , ungerecht beschuldigt und ohne einen Freund - wozu sollte er noch leben ? Er sah Mongos schwarzes Gesicht vor sich . - Ach , hätte er ihn in seiner Nähe gehabt , ihm hätte er alles anvertrauen können . Langsam ging er weiter . Überall saubere Gärten und helle Fenster . Er sah die beladenen Erntewagen , das schwarzbunte Vieh und die großen Gehöfte , sah Menschen bei der Arbeit und fühlte sich von allem so ausgestoßen . Er wollte fort von hier , wo es Menschen gab , die ihn kannten . Niemand sollte erfahren , daß er das Haus seines Vaters nicht mehr betreten durfte . Fast laufend durcheilte er den kleinen Ort und folgte unwillkürlich der Straße nach Hamburg . Er besaß nicht einen Groschen , also blieb ihm nur übrig , den Weg zu Fuß zurückzulegen und vor allen Dingen erst einmal mit dem Seiler Abrechnung zu halten . Dann mußte vor allem die Seekiste verkauft werden , um nur das Allernotwendigste zum Leben zu haben , und darauf wollte er sich bei dem nächsten besten Reservebataillon einstellen lassen . Er fühlte sich zerschlagen an Leib und Seele , selbst seine Vaterlandsliebe schien wie ausgestorben . Die Sonne brannte unbarmherzig herab , der Durst quälte ihn , und die Füße versagten schon jetzt bei Beginn der Wanderung den Dienst . Und weiter ging er , immer weiter , am Himmel zog ein schweres Gewitter herauf und die Tropfen fielen erst langsam , dann schneller herab auf seine heiße Stirn . Er bemerkte es kaum , er sah nicht die schwarzen Regenwolken und spürte nicht die Feuchtigkeit , die ihm durch die Kleider drang . Ganze Schauer stürzten herab , und Robert troff vor Nässe . Als ihm mitleidige Menschen in Rellingen ein Obdach anboten , da schüttelte er nur stumm den Kopf und ging weiter . Und einmal hörte er hinter sich die Stimme einer Bäuerin . » Mein Gott , ist das nicht Robert Kroll , den ich schon gekannt habe , als er noch nicht über den Tisch sehen konnte ? - Lauft ihm doch nach , der arme Junge muß ja krank sein , er sah ganz verstört aus . « Aber Robert lief , als habe er ein Verbrechen begangen . Der Regen durchnäßte ihn bis auf die Haut , und seine Zunge klebte am Gaumen . Er setzte sich auf einen Stein am Wege und stützte den Kopf in die hohle Hand . Seine Glieder schmerzten ihn . Unwillkürlich dachte er an den Tag in Lenchi , als er mit den beiden Gefährten so dasaß auf dem gestürzten Baumstamm , auch von Kopf bis zu den Füßen durchnäßt , auch ohne jegliche Aussicht , aber doch war ihm damals so ganz , ganz anders zu Mute gewesen als heute . Noch nie hatte ihn ein äußeres Unglück beugen können . Heute aber spürte er zum ersten Mal die innere Qual der Reue , und ihr konnte er sich nicht widersetzen . Wie er gemessen hatte , so war ihm gemessen worden , wie er die schönsten Hoffnungen seiner Eltern zerstört und ihr Eigentum ohne Erlaubnis an sich genommen hatte , so mußte er , es jetzt selbst erfahren . Aber diesmal erwachte nicht sein Trotz , diesmal ballte er nicht die Faust , wie er es sonst wohl getan haben würde , sondern er senkte den Kopf noch tiefer herab und gab sich immer mehr seinen trostlosen , bitteren Gefühlen hin . Zum erstenmal erkannte er die Gerechtigkeit des Schicksals , er sah sein Unrecht ein , und es schmerzte ihn tief . Viertelstunde auf Viertelstunde verging , da tönte Hufschlag auf der durchnäßten Landstraße . Robert fuhr erschrocken auf , er horchte und spähte durch das Gebüsch . Wenn zufällig ein Gendarm oder Polizist des Weges kam , so mußte er gerade jetzt im Kriege darauf gefaßt sein , nach seinem Paß gefragt und , da er gänzlich ohne Papiere war , zur nächsten Polizeistation geführt zu werden . Einige schnelle Schritte , ein rascher Sprung , und er stand hinter einem Baum . Seine Geschichte anderen erzählen , das konnte er nicht , also blieb ihm nichts übrig , als nur das Versteck unter den tropfenden Zweigen ? Als der Gendarm vorüber war , ging Robert auf der Straße weiter , immer weiter , bis er die ersten Häuser von Altona erreicht hatte . Es dämmerte jetzt bereits , seine Stirn brannte , und er spürte , daß er den ganzen Tag nichts gegessen hatte . Nur wie im Traum setzte er seinen Marsch durch die Stadt fort . » Wenigstens heute kann ich mich ruhig schlafen legen « , dachte er , » die Kiste sichert ja dem Wirt das Geld , das ich ihm für ein Abendbrot und für die Schlafstelle schuldig bin . Ich könnte jetzt nicht mehr zu einem Trödler laufen und um einige Groschen feilschen . Auch Georg kommt morgen erst an die Reihe - er ist ja ein Gefangener und kann mir nicht entkommen . « Nachdem er sich verschiedene Male in der Straße geirrt hatte , erreichte er endlich das Hafentor . Jetzt war er seinem Ziel nahe , hatte die Aussicht , bald ins Bett zu kommen und vorher etwas zu essen , daher wurde er unwillkürlich etwas ruhiger . Von weitem erkannte er die Buchstaben des Schildes . Der » Richtige Ankergrund « war noch offen , obwohl es schon nach zehn Uhr war und draußen im strömenden Regen kaum noch ein Mensch zu sehen war . Gerade an der Biegung der Straße , in der Nähe des Gasthauses , öffnete sich der Blick auf das Wasser . Im Dämmergrau des Abends und der nassen Luft ragte der Mastenwald unheimlich bis zu den Wolken empor , das Takelwerk knarrte und knisterte im Wind . Mehrere Matrosen , Arm in Arm , offenbar etwas angeheitert , lavierten singend über die ganze Breite