darf mir ja nicht das Haar machen , - wenn du zurückkommst , ist es Zeit genug dafür - aber dir darf ich ' s schon ... Geh ' doch an den Dom ! In das Gewölbe von Schnuphase ! Ich lasse die Damen bitten - meine Aussteuer nicht zu vergessen ... es währt eine Ewigkeit - Treudchen wußte , daß die Aussteuer für das erwartete Kind gemeint war , und auch das wußte sie , daß sich ihre Mutter , als sie mit dem jüngsten ihrer Geschwister ging , sich beim Haarmachen und sonst vor allem Binden und Verknüpfen in Acht nahm - Weißt du denn auch das Gewölbe ? fragte Madame Delring . Ich finde es schon ... ich suche das Haus ohnehin , weil ich den Pfarrer von St.-Wolfgang , Herrn von Asselyn , begrüßen will ... er hat meine Mutter » versehen « und wohnt dort ... Möglich , Kind , fuhr Madame Delring fort , daß dich die Schnuphases in die Klostergasse schicken , wo die Schwesterschaft zu den Nothhelfern eine Nähanstalt hat ! Sage da nicht , daß du so gut beten kannst ! ... Oder könntest du in ein Kloster gehen ? Treudchen warf ihre großen blauen Augen zu der seltsamen Fragerin empor und blieb die Antwort schuldig . Madame Delring kam von ihrer Frage wieder ab , wie sie diese lichten , hellen , reinen Augen sah , die allerdings denen einer Heiligen glichen ... Sie fuhr mit den Fingern über Treudchens nicht zu volle , etwas röthliche Augenbrauen und zeichnete sie gleichsam in ihrer Länge über die Stirne hinweg nach ... Dann kam sie auf die Schwestern zu den Nothhelfern zurück und sagte : Es ist ein Verein , der junge Mädchen zum Nähen anhält und Gutes thun soll ! Ich weiß nicht - manche von den Mädchen , die dort arbeiteten , gingen ins Kloster ... Laß dich nur in keines verlocken , Kind ! Sie wissen es so geschickt zu machen und so prächtig erst drin einzurichten , daß manche Novize anfangs glaubte , in Ewigkeit keinen Mann nöthig zu haben , und um alles in der Welt lieber den Schleier nahm - hernach aber ... Besonders wissen die Damen da von der Gasse - wie heißt sie ? Doch schon unterbrach sich Madame Delring selbst und zog aus dem nächststehenden Tisch ein Kästchen hervor , das über und über mit Schmuckgegenständen gefüllt war , und nahm nach kurzem Suchen eine Rosette von schwarzem Stein an einer goldenen Nadel hervor , um sie in Treudchens Haar zu stecken ... Wie Treudchen diese Freundlichkeit , die sie noch kaum für ein Geschenk halten konnte , bemerkte , wollte sie sie ablehnen ; Madame Delring sagte aber : Kind , da schenk ' ich dir einen ganz werthlosen Stein ! Es ist geschnittene Lava ! Aber die Nadel - sagte Treudchen hocherglüht ... Die ist gut ! Laß aber nur - es steht dir ja ! ... So ! ... Jetzt - und sieh - du trägst Ohrringe - ! Weißt du wol , daß man keine Ohrringe mehr trägt ? Und doch hab ' ich dafür auch noch die Löcher und weiß wie heute , wie mich ' s schmerzte , als sie gestochen wurden - ich war schon fünf Jahre - das sind jetzt fünfundzwanzig ! ... ... Eigentlich aber lieb ' ich Ohrringe und mag sie leiden ! Weißt du , warum ? Man sagt , es sähe unnatürlich aus ; lieber Himmel , was ist an unserer Tracht natürlich ? Im Ohr ist noch lange nicht in der Nase , wie die Wilden die Ringe tragen ... Nun lachten beide Frauen ganz herzlich um die Wette ... Madame Delring nahm die kleinen allerdings echten , aber unscheinbar und dünn gewordenen Ringelchen aus Treudchen ' s Ohren und suchte , ob sie nicht zwei andere kleine , nicht zu auffallende und mit einem Stein geschmückte Berlocquen fände . Die Frauen , sagte sie , wollen gar nicht mehr Sklavinnen sein , was diese Ohrringe bedeutet haben mögen ! Aber ich denke mir das gerade schön , seinem Manne zu - dienen ! Warum denn ihm ganz gleich sein wollen ! Wenn man die Sorgen und Noth bedenkt , die die Männer haben ! Wär ' ich hübscher , ich würde mich ganz gern schmücken , um meinem Mann recht als seine Sklavin zu erscheinen ! Die meisten Frauen haben genug Zeit , das Gefallen zu bedenken , das ihr Mann an ihnen haben sollte ! Lieber Himmel , die Männer in der Türkei dürfen immer jung bleiben und sich so viel Frauen nehmen , wie sie wollen ! Wir sagen freilich : Wir gehören dir auch mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele ! Kind , wie oft thun wir ' s auch nicht ! Treudchen hätte von der Geduld sprechen mögen , die auch umgekehrt die Frau wieder mit dem Manne haben müsse ; doch verlor sie die Besinnung über die Freundlichkeit ihrer Herrschaft , die jetzt in der That zwei kleine goldene Ringe gefunden hatte , die sie Treudchen einhängte . Sie gehörten zu einem größern alten Ohrschmuck , den sie als zu auffallend in zwei Theile zerlegte . Deine alten Ringe , sagte sie dabei ganz gemüthlich , ei , die kann man noch angeben ! Treudchen ' s vornehmste Bekanntschaften waren bisjetzt Frau von Gülpen in der Dechanei und die Majorin Schulzendorf gewesen . Wenn diese Frauen je nur so mit ihr geredet hätten ! Von den Geschenken zu schweigen , die nur von einer reichern Frau kommen konnten ... Sie verstummte ganz vor Glückseligkeit und konnte nur der freundlichen , immer leidend gelassenen Frau die Hände küssen . Diese wickelte die alten Ringe in ein zerrissenes Briefcouvert und sagte : Auf der Mühlenstraße wohnt unser Juwelier - Modes heißt er - geh ' bei ihm vor - oder besser , ich lass ' es sagen , er soll ein paar einfache Brochen schicken