daß auf Ackermann dies Wort fatal wirkte . Es war dies ein leidenschaftlicher Mann ; die ganze Situation peinigte ihn schon lange . Er wollte mit seinem kleinen einfachen Anerbieten nur Schlurck auf den Zahn fühlen , in welchem Sinne dieser Herr wol des Prinzen Egon Güter verwaltete . Er hatte vielleicht Wunder geglaubt , was er schon dem Gelüsten des Unrechts für einen gewaltigen Köder entgegenhielt . Als aber mit der Frage : Jährlich ? ihm die Zumuthung eines perennirenden Betrugs gegen den Fürsten gestellt wurde , übermannte ihn so der Zorn , daß er glühend von Unwillen bei Wiederholung des Schlurck ' schen » Jährlich « ausrief : Nein , Schurke , nie ! Schlurck sank fast in einen Sessel . Selmar sprang herbei , faßte die Hand des Vaters ... Dieser ließ ihm den Hut , wie zum Aufbewahren , riß die Thür auf , stieß Schlurck zurück und sprach mit Donnerstimme , daß es Alle draußen hörten und ihn für wahnsinnig halten mußten : Laßt mich zum Prinzen ! Ein lichter Moment wird hinreichen , ihn vor Verräthern zu schützen ! Er stürmte mit diesen Worten auf die Thür zu , die zu den Zimmern des Fürsten führte . Schlurck saß regungslos . Diese Scene ! Diese Zuhörerschaft ! Dies plötzliche Erlebniß , das er sich nicht hatte träumen lassen ! Das war wie ein Einfallen des Himmels . Wie kam ihm denn Das ? Ihm ? Hier ? Unter solchen Umständen ? Hier bei der ihm wohlbekannten alabasternen Venus von Medicis ... Scenen ! Scenen ! Sie waren nie seine Sache gewesen . Er konnte geistreich , witzig , liebenswürdig sein ; es war ein Mann sogar von Mitgefühl , von milder Gesinnung , von Wohlthätigkeit ; er konnte auch einmal etwas begehen , was gewagt und gefährlich war . Aber still mußt ' es dabei sein , die Leidenschaften mußten schweigen , das Tollhaus der » Tugend « sich nicht entleeren , Scenen mußten wegfallen ... Daß er hier jetzt nur schon so auf den » Schurken « antworten mußte , so doch hinzuspringen , um den gefährlichen Mann von der Thür wegzureißen , das war ihm entsetzlich ... Einmal an sich entsetzlich , der Thorheit wegen , die er sich vorwerfen mußte , dann aber auch ebenso entsetzlich wegen der Exaltation , die solche Dinge in seinem träge rinnenden Blute hervorriefen ... O , er war einer Ohnmacht nahe . Sein Schrecken wuchs , als sich die Thür öffnete , die Ärzte herbeistürzten und zornig nach der Ursache des Lärmens fragten ... Ackermann , noch in der vollen Glut seiner Entrüstung , rief : Meine Herren ! Lassen Sie mich den Prinzen sprechen ! Er kann davon nicht sterben , wenn ein Freund zu ihm spricht ! Es wird ihn erquicken , wenn er sieht , daß es noch Menschen gibt , die ihn lieben und für ihn leben wollen . Noch hatte er kaum zum unwilligsten Erstaunen der Ärzte , unter denen sich glücklicherweise Sanitätsrath Drommeldey nicht befand , diese Worte geendet , als ein junger Mann aus den Zimmern , deren Thüren nun alle offen standen bis in das dunkle hintere Schlafcabinet , heraustrat . Er war von mittler Statur , blassen gefälligen Mienen ; das schwarze Haar lag kurz geschnitten auf dem Scheitel und erhöhte den Ausdruck des theilnehmend besorgten freundlichen Antlitzes . Nichts verrieth einen Dienenden .. Schwarzer Frack und schwarze Beinkleider standen ihm wie einem Weltmann , doch war das Halstuch nur lose geknüpft und ließ durch den umgeschlagenen Hemdkragen in dem Eintretenden eher einen Studenten , als einen Kammerdiener , was er nach Florette Wandstabler sein sollte , erkennen . Die Hände entsprachen nicht ganz dem gefälligen Charakter des Gentlemans , sie waren zu stark im Vergleich zur Proportion der übrigen Formen und hatten nicht jene Weiße des Gesichts und des Halses , die zu dem schwarzen glänzenden Haare so auffallend abstach . Kinn und Oberlippe waren mit einem schöngekräuselten Barte geziert . Was gibt ' s hier ? fragte der Eintretende mit strengem , fast befehlenden Blick in französischer Sprache . Ackermann zog die Thür an , die der Franzose noch in der Hand hielt und begann im beredtesten Französisch wie der gebildetste Weltmann sein Anliegen auseinanderzusetzen . Mein Herr , rief er stürmisch erregt und ohne viel die Worte zu wählen ; Sie sind ein Freund des Fürsten , denn er duldet Sie an seinem Krankenlager . Sagen Sie ihm , daß ein bemittelter und erfahrener Ökonom aus Amerika sich anbieten wollte , seine Güter zu verwalten . Sagen Sie ihm , daß dieser Mann dabei nicht das Interesse seiner eignen Bereicherung im Auge hat , sondern die Wohlfahrt des Besitzers . Er erbietet sich eine Caution von zehntausend Thalern sogleich zu zahlen als Bürgschaft seiner Treue und Ehrlichkeit . Er erbietet sich , die Hälfte seiner reinen Einnahmen auf die Befriedigung der Gläubiger des Fürsten , die andere aber zur Befriedigung der Bedürfnisse des Fürsten selbst zu verwenden . Beide Summen werden Dank der Erfahrungen , die der fremde Landwirth machte , Dank seines ehrlichen Willens , groß genug sein , um ihren Zwecken zu entsprechen . Der Zuschlag müßte mindestens auf zehn Jahre geschehen . Die Capitale , die der fremde Mann auf seine Verbesserungen verwendet , gibt er selber her , unter der Bedingung , daß ihm eine Hypothek auf die Güter und die richtige Verzinsung gestellt wird . Für sich selbst verlangt er nur die Summe von jährlich tausend Thalern . Sagen Sie dem Fürsten , daß ich mich durch den Augenschein überzeugt habe , wieviel sich für seine Besitzungen noch thun läßt . Sagen Sie ihm das sogleich , mein Herr , ehe die Krankheit , die den jungen Prinzen bedroht , weitere Fortschritte macht und einen Zeitverlust verursacht , der in Rücksicht auf die nächstjährige Ernte nicht wieder eingebracht werden kann . Nennen Sie ihm meinen Stand und Namen ! Ich bin ein Deutscher , komme aus Amerika ,