und der Wegweiser erklärte , daß er um keinen Preis das alte Geisterschloß betreten würde und that Alles , was seine plumpe Ueberredungsgabe vermochte , die jungen Herren gleichfalls davon abzuhalten . » Herr , Herr , « sprach er - » das ist ein Unglückshaus ; noch Niemand hat es unbeschädigt verlassen , die Meisten fanden ihr Grab darin und litten vorher viele höllische Qualen . Räuber sollen auch darin hausen ! Und was Wunder - seit St. Albans , der alte Kastellan , verstorben ist , und der Sohn die Pachtung vom Kloster Tabor übernommen , steht Alles verlassen ; die Thore und Gitter sind auf , ohne Wächter , ohne Schloß und Riegel . Was Wunder , daß sich einnistet , wer finster Werk treibt ; denn die alte böse Hexe , die sich dort abgesperrt , die wird es nicht hindern ! « Dessen ungeachtet machte diese Rede nur bei der Dienerschaft Eindruck ; die jungen Männer befahlen , daß man den Mundvorrath , nach dem sie anfingen , einiges Verlangen zu tragen , ihr nöthiges Gepäck und die Windlichter nachbringen möchte , der Wagen langsam den Eingang suchen sollte , und eilten Arm in Arm dem Schlosse zu . Jetzt standen sie an einer terrassenartig ansteigenden Befestigung , die , durch Gräben getrennt , mit kaum wahrzunehmenden Brücken überbaut waren , hinter welchen sich die dunkle Masse des Schlosses zeigte , die gegen den Nachthimmel , der , mit zerrissenen Wolken bedeckt , die , vom Sturm gejagt , einen schauerlichen Wechsel trieben , wahrhaft drohend und gebietend abstach . Beide blieben stehen , lebhafter von seinem Anblick ergriffen , als sie erwartet hatten . » Weiß Gott , « rief Reginald - » man möchte zu den bösen Dingen Glauben fassen , die über dies alte Schloß in dem Munde der Nachbaren sind ; es sieht aus , als riefe es Jedem eine Warnung vor seinem Bereiche zu ! « » Ja , « sprach Ludwig bewegt - » wie das riesige Grabmal eines ganzen Geschlechtes sieht es aus ! Die Valois erbauten es , wie Du mir sagtest ; - sie hätten mit allen ihren Sünden darunter Raum ! « Sie schritten vor und erreichten trotz des wüthenden Sturmes , der sich wie Menschenhände ihnen entgegen drängte und sie zurück zu schleudern schien , die Eingangsbrücken . » Dieser Nacht werde ich gedenken bis an mein Ende ! « rief Reginald und ergriff das Gitter , was den düstern Hof mit Theophims Grabmal umschloß . Er zog Ludwig nach sich , der , matt und erschöpft , ihm kaum folgen konnte ; und Beide traten nun durch das offene Gitter in den Schloßhof , der ihnen wenigstens einigen Schutz verlieh , obwol das Geheul des Sturmes sich nur noch schauerlicher gegen alle die Ecken und Giebel brach , die , mit eisernen Gittern und Wetterfähnchen besteckt , ein wunderliches Konzert bildeten . » Laß uns Quartier machen , wo wir zukommen ! « sprach Reginald . - » So spät , so über Mitternacht hinaus , erwartet uns die alte Freundin nicht mehr ; wir wollen sie nicht beunruhigen und werden doch Dach und Fach finden für die wenigen Stunden . « » Ja , « erwiederte Ludwig - » laß uns Schutz suchen ohne Zeitverlust , ich fühle mich erschöpft ; - vielleicht bestätigt sich das Gerücht , daß die Thüren aufblieben . « - Beide überschritten nunmehr den Hof , und ihre Erwartung erfüllte sich . Sie traten ohne Hinderniß in die weitläufige Halle des unteren Geschosses ; und nachdem die Diener Windlichter angezündet hatten , sahen sie , wie von hier aus schwere , eichene Treppen , mit großem Aufwande von Raum , in die oberen Gemächer führten . » Hier ist nicht Bleibens , trotz der alten Kamine , die vielleicht unseren Leuten nützlich werden , « sprach Ludwig ; - » es ist hier kalt und feucht ; wir wollen höher steigen , wir finden oben wohl bessere Räume . « Die Diener leuchteten , und man erreichte den oberen Treppensaal , der , mit dunkelm Marmor getäfelt , an eben solchen Wänden mit Portraitstatuen umstellt war und rechts und links große Eingangsthüren zeigte , die , von Eichenholz , schwerfällig und überladen verziert , in Einfassungen von schwarzem Marmor liefen . » Das sind finstere Eingänge , « rief Ludwig - » wie die Pforten zu einer Gruft ! « Reginald schauderte . » Laß uns lieber den Theil des Schlosses suchen , wo Emmy wohnt ! « rief er lebhaft . » Zu Entdeckungen in diesen düstern Räumen sind wir nicht hergekommen . « » Nein , « rief Ludwig - » das Bedürfniß nach Ruhe beherrscht mich ausschließend ! Laß uns eintreten - rechts oder links - ich strecke mich sogleich nieder , wäre es auch auf den Stufen eines Grabmals . - Leuchtet , wir treten hier ein ! « Die Diener gingen zögernd voran , Ludwig schob sie weg ; er selbst drückte das kunstreich umschnörkelte Schloß ; es gab nach , und sie traten in ein schmales , hohes , gewölbtes Zimmer , welches , mit breitem Kamin und herumlaufenden Bänken , einem großen steinernen Becken in der Wand und daneben befestigtem Schenktisch , als ein Vorzimmer zum Eß- oder Banket-Saal , zu erkennen war . » Das zweite Zimmer wird besser sein ! « rief Ludwig , jetzt thätiger werdend , als Reginald , der mit unbeschreiblicher Gemüthsbewegung und höchst widerwillig nur dem Grafen folgte . » Halt , « sagte er , die angelehnte Thür aufstoßend - » das ist ein Prunkgemach - und offenbar noch königlichen Ursprunges . Sieh den Thronhimmel mit der Krone und den kostbaren Purpurbehängen ! « Die Lichter erhellten nur sparsam den großen Prachtsaal früherer Zeiten ; denn dem damaligen Geschmacke gemäß , war überall düsteres Material , wie schwarzer Marmor , Ebenholz , eichenes Getäfel und von der Zeit leicht geschwärzte Vergoldungen zu abenteuerlichen