dein Bruder in des Worts verwegenster Bedeutung ? « » Eben darum , weil wir uns du nennen , muß Offenheit herrschen « , versetzte trocken und ungerührt der alte Schloßherr . » Ich merke schon , was diese Krokodilstränen bezwecken sollen . Du bist ein Krokodil - ein Chamäleon will ich sagen . Ich lasse mich nicht länger foppen , nicht länger lasse ich mich an der Nase herumführen . Von deinen Ziegen und deinen Holländern und deinen Poltergeistern habe ich den Pfifferling gehabt . Darum ein Wort für tausend : Kannst du Luft versteinern ? « » Bruder , sei nicht so hart - - « » Hart bin ich , hart will ich sein , steinhart wie Luftstein . Wisch dir die Tränen von der Nase , sie erweichen mich nicht . Du hast mir den Geheimen Rat verleidet und die tröstlichen Gedanken an das höchste Gericht durch dein Luftprojekt , du Luftspringer ! Die Ruhe meines Alters hast du vergiftet . Nun sind zwei Fälle möglich . Entweder kannst du Luft versteinern oder du hast mir ' s vorgelogen . Im ersten Falle soll dir alles vergeben sein , ich werde Syndikus , kriege für sechstausend Taler Fabrikat jährlich und damit basta . Hast du mir ' s aber vorgelogen , so wollte ich dich ersuchen , dich an deine vielfachen anderweitigen Verbindungen in der Welt zu erinnern , die sich gewiß schon lange nach dir sehnen und dir es übelnehmen würden , wenn du länger dein Pfund in diesem abgelegenen Schlosse vergraben wolltest . - Hierüber sehe ich morgen deiner bestimmten Erklärung ohne alle Einkleidungen , Geschichten und Carmina entgegen . « Mit diesen unzweideutigen Worten trennte sich der Wirt von seinem Gaste . Letzterer blieb im Zimmer stehen , legte die Hand an seine Stirn und sagte nach tiefem Besinnen : » Behaupten muß ich mich noch eine Zeitlang hier , es geht nicht ohne dieses . Ich muß ihn erwarten hier , ihn , meinen Freund , meinen Kurator . Kann ich mich nicht durch Worte und Tränen halten , so muß ich es durch den Zustand des Epimenides versuchen . « - Er ging auf sein Zimmer und legte sich augenblicklich nieder . Am folgenden Vormittage um eilf Uhr fragte der alte Baron Karl Buttervogeln , der von des Freiherrn Gemache herabkam : » Ist Sein Herr noch nicht aufgestanden ? « - » Nein « , versetzte Karl , » er schnarcht , daß es nur so eine Art hat , wenn das so fortgeht , kann es lange dauern . « - Der Schloßherr stellte sich vor das Zimmer seines Gastes und hörte wirklich ein ungemein kräftiges Schnarrwerk da drinnen . Um ein Uhr bei Tische , wo sich nur Vater und Tochter zusammenfanden , warf Emerentia nachlässig die Worte hin : » Dieser Mensch scheint uns heute zu verschmähen . « - Karl wurde berufen , hinaufgesandt und brachte den Bescheid , der gnädige Herr habe sich eben so weit ermuntert , um allenfalls etwas Suppe und Gemüse zu sich nehmen zu können , wenn man die Güte haben wollte , ihm davon zu senden . - Emerentia gab dem Bedienten das Verlangte , der alte Baron ließ hinaufbestellen , er bitte , daß der Freiherr aufstehe . Nach einiger Zeit kam Karl mit den leeren Tellern zurück und sagte : » Mit dem letzten Bissen im Munde wieder auf die linke Seite gefallen und weiter geschnarcht . « - » Zum Henker , was bedeutet das ? « rief der Schloßherr . - Um vier Uhr nachmittags ging er , da kein Münchhausen sichtbar wurde , selbst hinauf . Münchhausen schlief . Der alte Baron rief ihn an , rüttelte ihn , schüttelte ihn , Münchhausen richtete sich etwas auf , sah ihn schlaftrunken an , lallte mit schwerer Zunge : » Warum weckst du mich ? « und fiel auf den Rücken . Um sechs Uhr , um acht Uhr abends hatten gleiche Weckversuche die gleichen Erfolge , oder vielmehr Nichterfolge . Münchhausen schlief . Der erste Tag war sonach verschlafen . Am andern nahm der alte Baron allerhand lärmende Geschäfte vor , er brachte z.B. schweres Gerät und Möbelwerk von der Gerichtsstube herab und hatte dessen kein sonderlich Arg , wenn ein Stück donnernd gegen Münchhausens Stubentüre flog . » Denn « , brummte er ingrimmig , » ich will diesen verruchten Kerl denn doch wohl wachkriegen ! « Alles vergebens . Münchhausen schlief auch den zweiten Tag hindurch mit Ausnahme kurzer Eßpausen . Karl Buttervogel berichtete , sein Herr sei zwar aufgestanden und habe sich angekleidet , aber immer mit halbgeschlossenen Augen und mit Gähnen . Sobald er das letzte Stück angezogen gehabt , sei er wieder in einen Stuhl gesunken und sitzend eingeschlafen . Am dritten Tage schnarchte Münchhausen stärker , als je zuvor . Der alte Baron , der die ganze Nacht schlummerlos zugebracht hatte , saß bekümmert auf der Gerichtsstube . Emerentia sang unten im Hause auf Befehl ihres Vaters . Denn dieser meinte , was sein Rütteln und Rumoren nicht zuwege gebracht , werde der helle und durchdringende Gesang der Tochter bewirken . Als sie ihre besten Gänge und Kadenzen von sich gegeben hatte und eine Pause entstand , stellte sich der Schloßherr an die Söllertreppe und rief hinunter : » Karl ! « - Karl Buttervogel trat aus des Freiherrn Dormitorium . » Ist er wach ? « fragte der alte Baron . - » Ich hab ' mir die Ohren zugehalten , denn ich bin kitzlig gegen Musik « , versetzte der Bediente , » mein gnädiger Herr aber legten sich auf die andere Seite und lächelten im Schlaf wie ein Engel . Jetzt eben verlangen sie mit zugemachten Augen Waschwasser , werden also wohl aufstehen wollen , um sich dann zum Schlummer niederzusetzen . Glauben mir der Herr Baron , Sie treiben es mit meinem Herrn nicht durch , was der sich vornimmt , das führt er aus