Alte unwirsch das Haupt , und unter vielen Seufzern hob er fast scheltend an : Thorheit , Thorheit ! Siehst Du so wenig ein , wie ich leide und heruntergebracht bin , um mich in zwölf Stunden durch Deinen Brei wieder auf die Beine bringen zu wollen ? Alles steht zwar in der Macht des Herrn , setzte er beinah weinerlich hinzu , und ist mein Ziel noch nicht gekommen , werde ich genesen , aber vielleicht , vielleicht erstehe ich auch nimmer mehr von diesem Schmerzenslager . O schweig doch ! rief der Jüngling mit jugendlicher Ungeduld , wie wirst Du doch sterben , Du bist ja noch gar nicht alt und bekömmst ja so schöne Arznei , wie der König selbst . Der Mensch kann viel aushalten , sagte immer Dein Bruder , Margarithens Vater , und da mußt Du Geduld haben . Ich gebe Dir auch bald wieder Tropfen , und der Brei wird sicher Deinem Leibe gut thun . Dies schien in Wahrheit der Fall zu sein , denn das leidende Gesicht des Alten zog sich ruhiger zurecht , und dem ängstlichen Stöhnen folgte eine Ermattung , die in einen leichten Schlummer überging . Still saß der Jüngling und blickte in die wohlthätige Ruhe , die sich nach und nach um ihn verbreitete . Sein jugendliches Gesicht trug , trotz der eben bewährten Thätigkeit , die Spuren der Uebermüdung , die vielleicht einige Nächte , an dem Schmerzenslager durchwacht , ihm zugezogen hatten . Seine Augen ruhten erst mit aller Anstrengung weit geöffnet auf seinem Pflegebefohlenen ; als aber dessen ruhiger Athem anzeigte , daß die Süßigkeit des Schlafes ihn beschlichen , wurden sie immer matter , und von dem Bilde der Ruhe vor sich sympathetisch ergriffen , senkten sich die schweren Augenlider . Bald fand er eine Stütze auf den weichen Decken des Fußbodens , und es sank ein fester und anhaltender Schlaf auf seine bedürftige Natur . Nicht lange hatte so die Stille gewährt , da schlichen leise Schritte durch das Vorzimmer , und in einen weiten Mantel gehüllt erschien eine männliche Gestalt , die , mit schnellen Blicken das Zimmer überfliegend , die ganze Lage aufzufassen strebte und dann leise den Armstuhl an dem Bette des Kranken einnahm , zu dessen Füßen der Jüngling den Schlaf der Unschuld schlief . Seine lebhaften kleinen Augen flogen von einem Schläfer zum andern , und es war nicht ohne Interesse , die Gedanken darin zu lesen , welche unbewacht sich ganz den so eben empfangenen Eindrücken hinzugeben schienen . Den Greis vor sich prüfte er mit der geringschätzigen Miene eines sicheren Kenners von Leben und Tod , und zog die Lippe gleichgültig empor , als er ihm innerlich das Letztere zuerkannt hatte . Auf den Jüngling zu seinen Füßen starrte er dagegen mit einem Ausdruck von Neid und Neugierde hin . So ruhig , so heiter schlafen können ! War es ein Glück , das er nicht mehr begriff , und das ihn doch heimlich an seine verlorne Seligkeit mahnte ; war das Geringschätzung gegen ein so unbewegtes Leben , gegen eine so unbedeutende Existenz ? Er zuckte mit dem Fuße , der fast dicht an dem lockigen Haupte des vom Schlaf Gerötheten stand , und zog ihn mit verächtlichem Lächeln zurück . Doch der Alte hatte nur wenig Augenblicke Ruhe gefunden , vielleicht hatte ihn der stechende Blick des Ankommenden aus dem Nebellande der Träume zurück gelockt . Unwillkommen schien das Bild des Harrenden dem müden Auge ; es schloß und hob sich nur mit einem Seufzer . Es geht bedeutend besser , wie ich sehe , Alter , rief der Angekommene , ich denke , Du hast überwunden . Etwas Ruhe und Schlaf würden vielleicht bei so geschwächten Kräften das Nöthigste sein , doch wie Ihr befehlt , ich bin Euch zu gehorchen bereit , was steht zu vollführen ? erwiederte ergeben der Kranke . Deine Genesung ist allerdings nöthig und gern gesehn , erwiederte der Angeredete , und die Wohlgeneigtheit Deiner Freunde wünscht sie zuerst um Deinetwillen , weniger machen die äußern Angelegenheiten für jetzt sie nöthig . Seufzend legte der Alte sein Haupt auf die Kissen zurück . Nach einer kleinen Pause hob er an : Ist es mir erlaubt zu hören , auf welche Weise man mit Master Brixton fertig wurde ? Porter ! Porter ! drohete der Andere mit der erhobenen Hand ; Deine erste Frage ist nach diesem Schleicher , den wir Deiner Obhut anvertrauten , und nun , da wir ihn fast erreicht hatten , um ihn unschädlich zu machen , ist er verschwunden , und bis jetzt bleibt jede Auskunft über ihn uns aus . Man argwöhnt nicht ohne Grund , daß er von Dir selbst eine Art Warnung oder gar irgendwo Sicherheit empfing , und es ist nicht mein letzter Auftrag , hierüber Dein Gewissen zu rühren . Die lauernde Aufmerksamkeit , womit Porter - denn diesen uns wohlbekannten Diener des Prinzen von Wales haben wir vor uns - den drohenden Worten gehorcht hatte , ermäßigte sich gegen das Ende derselben zu einer stillen Duldermiene . Mein ganzes elendes Leben ist dem Gehorsam gewidmet gewesen , für die erhabenen Zwecke , denen ich blind dienen mußte , da sie zu erkennen , mein schwaches Vermögen nicht ausreichte . Wo bin ich gegen den höheren Willen mit dem meinigen eingeschritten ? Warum läßt man jetzt am Siechbette des Unterliegenden so harte Worte wie an einen Treulosen ergehen ? - Nicht immer sind wir Deines blinden Gehorsams gesichert gewesen ; sehr viel hatte man Dir vertraut , und sieht man auf die endlich zu hoffenden Resultate zurück , sind sie ausgeblieben . Prinz Carl , denke ich , verräth wenig Neigung , seinen unglücklichen katholischen Unterthanen dereinst Schutz zu verleihen ; die erhabene Frau , die wir dieser großen Rache zur Beschützerin erkoren , wird hier einen einsamen Sitz finden und das Herz ihres Gemahls mehr gegen ihre Absichten verschlossen , als darauf vorbereitet . Hochwürdiger Herr ,