Schloß zum Siechenhofe geworden ist . « Einige Wochen vergingen , und des Vorfalls , der uns unbedeutend schien , wurde nicht weiter gedacht . Mein Schreck war groß , als eines Abends spät der Herzog auf mein Zimmer geeilt kam , blaß , mit verwandeltem Antlitz , bebenden Gliedern . Sprachlos reichte er mir einen geöffneten Brief hin , und sank , sich in seinen Mantel hüllend , auf einen Sessel . Der Brief war von Hermanns Oheim und enthielt eine Nachricht , die allerdings den Festesten erschüttern konnte . Der Gegner schrieb , der Amtmann sei bei ihm gewesen , und habe ihm in betreff der Adelsurkunde , von welcher das Schicksal der zwischen ihnen schwebenden Sache abhange , eine unerwartete Nachricht gegeben . Jene Urkunde sei nämlich verfälscht und vom Amtmann selbst auf unablässiges Bitten , Dringen und Befehlen des Großvaters , welcher sich den Prätendenten der jüngeren Linie gegenüber in großer Verlegenheit gefühlt , unter genauer Beobachtung der Kurialien und mit treuer Nachmalung der Kanzeleischrift angefertigt worden . Künstlich vergilbte Dinte sei von einem Chemiker leicht zu beschaffen gewesen , auch habe es nicht schwergehalten , dem Pergamente selbst die Farbe des Alters zu leihen . Man habe einen geschickten Stempelschneider für eine große Summe gewonnen , das kaiserliche Insiegel vorhandnen Mustern in Metall nachzustechen . Zu solchem Frevel habe der Amtmann sich nur erst dann verstehen wollen , als ihm vom Großvater ein eigenhändiges untersiegeltes Bekenntnis über den ganzen Einhergang ausgestellt und überliefert worden sei . Mit diesem Reverse sei ihm das Schicksal des Hauses in die Hände gegeben worden , und er habe in der Stunde , da er dem Herrn zuliebe so schwer sein Gewissen belastet , geschworen , dies nicht umsonst tun , vielmehr , wenn man ihm einmal nur im entferntesten Sinne schnöde begegne , alsobald das Amt der Rache ausüben zu wollen . Der Oheim schrieb , daß der Amtmann alle diese Entdeckungen ihm in einem äußerst gereizten Zustande getan habe , und daß von ihm keine Rücksicht auf diese Aussage eines entlaufnen Dieners genommen worden wäre , wenn nicht der ihm gleichfalls überreichte Revers des Großvaters den schlagenden Beweis der Wahrheit geliefert hätte . Dieser Revers lag in beglaubigter Abschrift bei , und enthielt leider die Bestätigung des schmachvollen Ereignisses . Wer hätte dies ahnen können ? Ich starrte den Herzog an , er mich , wir fanden beide keinen Rat in uns . Der Oheim hatte seinem Schreiben die Bemerkung hinzugefügt , daß er aus Schonung diese Mitteilung zuvor privatim gemacht habe , und vor Gericht dieselbe nur dann benutzen werde , wenn der Herzog auch jetzt einen gütlichen Ausweg in der Sache verschmähe . Der Herzog lag stumm und wie ein Toter im Sessel . Da mich sein Schweigen ängstigte , fragte ich ihn , was er auf die letzte Andeutung beschließen wolle ? Er erwiderte mit tonloser Stimme : » Nichts ! Wir sind verloren und haben keine Beschlüsse mehr zu fassen . Nur für die Herzogin muß gesorgt werden , das ist das einzige , was noch geschehen kann . « Da ich ihn in den folgenden Tagen ganz zerschmettert und fassungslos sah , ( von der Echtheit des Reverses hatten wir uns inzwischen durch die Vorlegung des Originals notgedrungen überzeugen müssen ) suchte ich ihn mit allerhand Trostgründen aufzurichten , und stellte ihm vor , daß , wenn auch aus den zutage gekommnen Umständen der nicht adliche Stand der Ahnin beinahe zur Gewißheit erhelle , doch es noch immer sehr zweifelhaft bleibe , ob der Richter die Rechtsbeständigkeit des Übertrags reiner Familienanrechte auf einen Fremden , Bürgerlichen aussprechen werde . Er versetzte , daß mein Zuspruch den Punkt nicht treffe . Scheinbar habe das Schicksal die Lösung des Knotens vorbereitet , um unter der Hülle dieser Anstalten einen viel festeren und härteren zu schürzen . Ich merkte , daß die Gefahr , seine Besitzungen einzubüßen , ihn weniger drücke , als ein andres , nagendes Gefühl . Er war im innersten Mittelpunkte seiner Empfindungen geknickt , zerbrochen . Das Falsum des Vorfahren hatte den Begriff , den er von sich hatte , vernichtet . Die reine Abstammung , auf welche er , wie das Hermelin auf die unbefleckte Weiße seines Pelzes , gehalten , war besudelt durch den Fehltritt , wozu die Angst zu verlieren , einen geizigen Alten fortgerissen hatte . Seine Tage schienen ihm an ihrer Quelle vergiftet zu sein , und seine Vorstellungen nahmen die krankhafte Verderbnis an , zu welcher es in der körperlichen Sphäre ein Gegenbild in dem scheußlichen Übel gibt , welches ich nicht nennen mag . Ich versuchte , den irregehenden Gedanken die natürlichen Wege zu eröffnen , und sagte , daß ja ein jeder der Sohn seiner Taten sei , nur sein Bündel zu tragen , nur seine Schuld zu verantworten habe . Allein diese geistige Krankheitsform , welche man Aristokratismus nennt , nimmt solche Mittel nicht an , man kann sie nur aus sich selbst durch Illusionen heilen , welche mir nicht zur Hand waren . Nach und nach rang sich der Herzog zu einer kalten Fassung empor . Er verlangte von mir die Entfernung der Frauen , wenn deren Umstände diese tunlich machten , da er allein zu sein wünsche , und die geschäftlichen Anordnungen , welche nun bevorständen , auch nur in der Einsamkeit treffen könne . Sein Wunsch stimmte mit meinen Ansichten überein . Welche üble Wirkung mußte die Verwicklung der Hausgeschicke auf die langsam genesende Herzogin machen , wenn sie davon , wie doch bei ihrer Anwesenheit kaum zu vermeiden war , Kunde bekam ! Ich brauchte daher den Vorwand , daß zu ihrer völligen Herstellung nichts kräftiger wirken werde , als eine magnetische Behandlung , und sandte beide Damen , diese scheinbar einzuleiten , nach der Hauptstadt . Mancher Widerstand war zu besiegen gewesen , insbesondre bei Johanna , welche ich zuletzt nur dadurch zur Abreise bestimmte , daß sie einsehen mußte , wie die Schwägerin ohne sie in der