so etwas ertappen sollte , daß ich zu meiner Beruhigung weiß , daß ich mich nur der Neigung zur Dichtkunst überlasse , indem ich sündige . Sie können uns ja gleich diese Gerechtigkeit wiederfahren lassen , sagte sein Oheim , denn haben wir nicht gleichfalls ein feindliches Komplott gemacht , um den Prediger zu hintergehen ? Das ist Noth , rief der Graf Robert , aber nicht freie Neigung zur Dichtkunst . Da der Graf seine Abreise auf den andern Tag festgesetzt hatte , wollte er , nachdem sie das Schloß wieder erreicht hatten , noch den Abend von dem Obristen Abschied nehmen , um den Greis nicht am andern Morgen in seiner Ruhe zu stören . Als der Obrist sich bald nach zehn Uhr entfernen wollte , um die Vorschriften des Arztes nicht zu übertreten , der die Ruhe vor Mitternacht unerläßlich für ihn fand , schloß ihn der Graf mit Rührung in die Arme , um ihm Lebewohl zu sagen . Er fühlte den Freund in seinen Armen vor Altersschwäche zittern , und sein Auge ruhte wehmüthig auf dem nur noch spärlich von silberweißen Haaren bedeckten Scheitel . Das leuchtende Auge des Greises traf den von einer Thräne verschleierten Blick des Grafen . Sie fühlen , sagte der Greis mit seligem Lächeln , daß wir uns hienieden nicht mehr wieder sehen werden . Und Sie sprechen dieß wie eine Hoffnung aus ? fragte der Graf mit sanftem Vorwurf . Mein theurer Freund , erwiederte der Obrist , indem er beide Hände des Grafen faßte , wenn Sie durch die reizendsten Thäler lustwandeln , über Berge schweifen , die Ihnen die schönsten Aussichten , immer neue Ueberraschung gewähren , und Sie setzten diesen Genuß unaufhaltsam fort , kommt nicht endlich die Stunde , wo auch das schönste Thal nicht mehr zum Weiterschreiten lockt , wo die ermüdeten Glieder sich nach Ruhe sehnen , und Sie sinken hin und lassen der menschlichen Natur ihr Recht angedeihen . Ein solcher müder Wanderer bin ich . Ein großer Theil meiner Bahn war rauh und dornenvoll . Sie versetzten mich in ein reizendes Thal , aber ich kann die Reise nicht fortsetzen ; ermüdet sehnen sich meine Glieder nach Ruhe . Wir werden uns hier nicht wieder sehen , schloß der ehrwürdige Alte , empfangen Sie den letzten Dank und den Segen eines liebenden Vaters . Mit inniger Rührung umarmten sich die Freunde noch ein Mal und trennten sich mit dem Gefühle , daß sie wahrscheinlich zum letzten Mal liebende Worte gewechselt hatten . VII Der Graf hatte von allen Freunden am Abend Abschied genommen und wollte des andern Morgens sehr früh das Schloß unbemerkt verlassen ; als er aber in dieser Absicht den Saal betrat , fand er den Arzt , der ihn erwartete , um jetzt noch förmlich Abschied zu nehmen , da er den vorigen Abend etwas war übersehen worden . Der Graf reichte ihm die Hand und sagte : Ich danke Ihnen , daß Sie mir noch Gelegenheit geben , eine Frage an Sie zu richten , deren Beantwortung mir sehr am Herzen liegt . Was halten Sie von dem Zustande unseres alten Freundes ? Der Arzt drückte die Augen zu , senkte den Kopf auf die linke Schulter , sah dann den Grafen blinzelnd an und erwiederte : Wenn das Oel verzehrt ist , mögen wir dann die Lampe noch so sorgsam hüten , sie wird doch erlöschen , und hier ist das Lebensöl ausgebrannt , und nur schwach glimmt noch die matte Flamme ; der leichteste Windhauch wird sie verlöschen . Erhalten Sie mir den würdigen Greis so lange als möglich , sagte der Graf mit bewegter Stimme . Er wollte sich nun entfernen , aber sein Vetter Robert trat ein , um ihm zu sagen , daß er ihn einige Meilen begleiten und dann zu Pferde zurückkehren wolle . Der Oheim hatte eben diese Begleitung dankbar angenommen , als auch die Damen erschienen , um den geehrten Verwandten noch ein Mal zu umarmen ; nur der Obrist kam nicht ; ihn fesselte Altersschwäche an sein Lager , wo er den Schlummer gewöhnlich erst gegen Morgen fand . Der Graf tadelte liebevoll die ihn umringenden Freunde , daß sie ihr Wort nicht gehalten und sich der Ruhe entzogen hatten . Er entriß sich mit sanfter Gewalt ihren Armen und traf , als er eilig die Treppe hinunter stieg , auf Gustav Thorfeld , der auch noch ein Wort des Abschiedes von dem edeln Manne gewinnen wollte . Der Graf reichte ihm freundlich die Hand und lud ihn ein , die nächsten Ferien zu benutzen , um einen Theil Deutschlands zu durchreisen und dann auch ihn zu besuchen , da , wo er sich eben aufhalten würde . Ein Strahl von Freude zuckte über des Jünglings Antlitz bei der Vorstellung einer genußreichen Reise . Ich werde sorgen , daß Ihnen die Mittel nicht fehlen , sagte der Graf gütig , indem er mit seinem Vetter den Reisewagen bestieg . Es war ein kühler Herbstmorgen . Die Natur hatte sich in wenigen Tagen auffallend verändert ; sie hatte den sommerlichen Charakter verloren . Das Laub der Bäume welkte und fiel ab , und die Waldung wurde dadurch lichter , obgleich ein neuer Reiz entstand , indem die Bäume , nachdem ihr Laub das frische Grün verloren , in verschiedenen Farben prangend , von der Morgensonne beschienen funkelten . Beide Reisende saßen eine Zeit lang schweigend neben einander ; endlich sagte der Graf : Sie blicken so tiefsinnend vor sich nieder , lieber Vetter ; was kann Sie in so ernste Gedanken versenken ? Ich dachte , sagte der Graf Robert , indem er bewegt die Hand des Oheims drückte , wie viel Segen ein edler Mensch um sich verbreiten kann , und wie er dann im Kreise der durch ihn Glücklichen durch Liebe herrscht wie ein unumschränkter Monarch ; wie alles das , was an den Höfen der Fürsten gespielt wird , um der Etikette zu genügen , oder